Rücktritt als Trainer von Hertha BSC Hertha BSC-Bosse brechen ihr Schweigen

Von red/dpa 

Die Hertha-Bosse brechen nach dem Schock über den Rücktritt Jürgen Klinsmanns ihr Schweigen. Neben Clubchef Werner Gegenbauer werden auch Antworten von Investor Lars Windhorst erwartet. Klinsmanns Zukunft bleibt spannend. Der Ex-Coach will sich erneut erklären.

Klinsmann will  seine Beweggründe für den Rücktritt am Mittwoch um 18 Uhr in einem Videochat erläutern. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Rolf Vennenbernd
Klinsmann will seine Beweggründe für den Rücktritt am Mittwoch um 18 Uhr in einem Videochat erläutern. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Rolf Vennenbernd

Berlin - Jürgen Klinsmann will seinen schwer beschädigten Ruf retten, Hertha BSC wird als Lachnummer verspottet: Die Schockwellen des Rücktritts wirken bei den Berlinern und dem Ex-Bundestrainer noch lange nach und könnten beim Hauptstadtclub zu einer Zerreißprobe führen. In einem Krisen-Telefonat besprachen Club-Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur den Weg aus der Notlage. Dem Vernehmen nach ist auch der Geldgeber nicht begeistert über den emotionalen Hauruck-Abgang Klinsmanns, den er selbst als engen Vertrauten in den Aufsichtsrat berufen hatte.

Nach bundesweiter Kritik an seinem Rückzug wollte Klinsmann seine Beweggründe in einem Videochat erläutern. Das kündigte der frühere Bundestrainer für Mittwoch um 18.00 Uhr an. „Dass es eine Menge Unklarheit und auch Unmut gibt, verstehe ich voll und ganz. Dem will ich mich stellen“, schrieb der frühere Bundestrainer bei Facebook an „Liebe Hertha-Fans“ gerichtet. „Ich freue mich auf euch und hoffe, dass ich eure Fragen – gerade die kritischen – beantworten kann.“

Viele offenen Fragen

Es droht eine öffentliche Schlammschlacht. Der Club demonstrierte zumindest mit der Einladung für eine gemeinsame Pressekonferenz von Windhorst, Vereinspräsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz am Donnerstag (11.30 Uhr) Geschlossenheit. Viele Fragen sind für das angekündigte Ende des Schweigens von den Vereinsverantwortlichen offen:

Wer folgt dauerhaft auf Klinsmann als Chefcoach der Berliner, die sich in prekärer Lage weiter mitten im Abstiegskampf befinden? Ähnlich wie schon bei vergangenen Trainersuchen werden unter anderem Bruno Labbadia und Roger Schmidt als mögliche Kandidaten gehandelt. Nachdem der frühere Wunschkandidat Niko Kovac bereits abgewunken hatte, wollte sich Schmidt auf Anfrage nicht äußern.

Wie verschiebt sich das Machtgefüge im Club durch den Rücktritt von Klinsmann mit Blick auf Investor Windhorst? Klinsmann hatte in einem „Bild“-Interview seinen Wunsch nach deutlich mehr Kompetenzen offenbart und beklagt, dass diese Situation sich zuletzt „noch verschlechtert“ habe. Der damit implizit angesprochene Manager Michael Preetz wird dem alten Lager im Verein mit Clubchef Gegenbauer zugerechnet. Preetz wurde auch für die Medienrunde am Freitag vor der Partie beim SC Paderborn an der Seite von Klinsmanns früherem Assistenten Alexander Nouri angekündigt.

Zurück in den Aufsichtsrat?

Und ist es überhaupt vorstellbar, dass Klinsmann nach seinem vielfach kritisierten Abschied noch wie von ihm selbst angekündigt zurück in den Aufsichtsrat rückt? Diese Frage war zunächst ungeklärt und soll entschieden werden, wenn sich die Wogen geglättet haben, erfuhr die dpa aus dem Umfeld von Investor Windhorst am Mittwoch. Klinsmann hatte sein Amt in dem Gremium Ende November ruhen lassen, als er den Cheftrainerposten übernahm. Der Aufsichtsrat der KGaA hat vergleichsweise geringe Befugnisse und ist beispielsweise nicht dafür zuständig, Transfers abzusegnen oder über die Geschäftsführung um Manager Michael Preetz zu entscheiden.

Die Kritik an Klinsmann reißt unterdessen nicht ab. Dass der frühere Bundestrainer „charakterlich so daneben liegt, einfach die Flinte ins Korn schmeißt und sagt „Ich geh jetzt mal nach Kalifornien, das war‘s jetzt für mich““, habe Preetz nicht wissen können, sagte Hertha-Legende Axel Kruse beim rbb. „Er hat auf dem Transfermarkt zugeschlagen wie kein anderer in ganz Deutschland und hat dann zwei Wochen später gesagt „ich spüre das Vertrauen nicht““, sagte Ex-Hertha-Trainer Peter Neururer bei RTL/ntv. „Unglaubwürdiger in der Auftrittsweise eines Trainers kann man nicht sein.“

Stefan Effenberg schlug sich hingegen auf die Seite Klinsmanns. „Wenn sich einige im Verein über den zunehmenden Druck beschweren oder damit nicht umgehen können, dann kann ich das schwer nachvollziehen“, sagte der frühere Nationalspieler bei „t-online.de“

Torwarttrainer Zsolt Petry wieder auf dem Platz

Schon am Mittwoch wurden die ersten Änderungen aus elf Wochen Klinsmann bei Hertha wieder zurückgedreht. Der vom Ex-Bundestrainer geschasste Torwarttrainer Zsolt Petry stand wieder auf dem Übungsplatz. „Es war keine Katerstimmung, aber auch keine Euphorie“, sagte der Ungar über die Atmosphäre im Team der Berliner. „Sie wissen, dass sie selber die Arbeit leisten müssen - unabhängig davon, wer da vorne steht.“ Petry, der Klinsmanns Sohn Jonathan 2018 unter anderem für mangelnde Körpersprache als Torhüter kritisiert hatte, war vom Weltmeister 1990 aus dem Trainerteam gestrichen worden.

Bei anderen Vereinen sorgten die Ereignisse in Berlin ebenfalls für Überraschung. „Ich habe das mit etwas Verwunderung aufgenommen, weil man das nicht voraussehen konnte“, sagte Sportdirektor Michael Zorc von Borussia Dortmund. Die Aufarbeitung des Klinsmann-Bebens wird auch bei der Konkurrenz genau beobachtet werden.