Rücktritt in der Handball-Oberliga Manuel Späth springt bei der SG Hegensberg/Liebersbronn ein

Manuel Späth wechselt von der Zuschauerrolle auf die Heli-Bank. Foto: Baumann

Veit Wager nennt sportliche Gründe für seinen Rücktritt bei den Oberliga-Handballern. Heli-Kapitän Moritz Hettich: „Es gab in der Mannschaft keine einzige Stimme, die das wollte.“

Reporter: Sigor Paesler

Bei den Oberliga-Handballern der SG Hegensberg/Liebersbronn jagt ein Paukenschlag den nächsten: Nachdem Trainer Veit Wager überraschend zurückgetreten war, springt Ex-Profi Manuel Späth für die verbliebenen drei Saisonspiele ein.

 

Trainerbeurlaubungen oder Trainerrücktritte sind im Sport ein bekannter Vorgang. In diesem Fall ist aber einiges anders: Nach der 27:28-Niederlage am Samstagabend gegen die SG Lauterstein stellte Wager sein Amt bei der SG Heli zur Verfügung. Die Vereinsführung überraschte das kalt, auch weil sie nun plötzlich einen Coach für die kommende Saison suchen muss, für die Wager lange zugesagt hatte. Kapitän Moritz Hettich spricht von „einer komischen Trennung“. Denn: „Es gab in der Mannschaft keine einzige Stimme, die das wollte. Es ist schade für uns und eine sehr bedauerliche Situation.“

Veit Wager ist nicht mehr Trainer der Berghandballer. Foto: Michael Treutner

Und was sind nun Wagers Gründe? Obwohl man heraushört, dass ihn die Angelegenheit sehr bewegt, nennt er pragmatische: Nach der starken Hinrunde lautete die jüngste Bilanz des Aufsteigers 3:11 Punkte, die Berghandballer rückten der Abstiegszone näher. Momentan sind sie mit 21:23 Zählern Neunter. Das Spiel gegen Lauterstein rief Wager zur „Do-or-Die-Partie“ aus. Als sie verloren wurde, warf er hin. „Ich habe die Entscheidung getroffen, um in letzter Konsequenz den Abstieg zu verhindern“, erklärt er, „ich habe die Lage schon nach der 27:31-Niederlage in Flein dramatischer betrachtet als alle anderen – ich habe den Schlüssel zurück zum Erfolg nicht gefunden. Ich sehe es als persönliches Versagen, der Erfolg der Mannschaft steht über allem.“ Gleichzeitig betont Wager, dass er „keinerlei Problem mit der Mannschaft oder der sportlichen Leitung“ habe: „Ich bin mit allen gut.“ Wäre die Initiative der Trennung von den SG-Verantwortlichen ausgegangen, „wäre ich nicht ehrenkäsig gewesen“. Doch dafür gab es keine Anzeichen.

Nur für drei Spiele

Die Verpflichtung des 499-fachen Bundesligaspielers Späth ist ein Coup. „Mir liegt der Handball in der Region am Herzen, ich wohne in Esslingen und ich will helfen, dass Heli in der Liga bleibt“, erklärt er, warum er die schnelle Anfrage schnell positiv beantwortete. Klar ist jedoch, dass das Engagement nicht über die drei Spiele, darunter das Derby gegen den TSV Wolfschlugen am 25. April, hinausgehen wird, Späth wird in der kommenden Saison wie geplant Co-Trainer der HSG Ostfildern. „Die Mannschaft hat gezeigt, was sie kann und dass es in ihr stimmt. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich einen Scherbenhaufen vorgefunden hätte“, sagt Späth, der zu den Berghandballern vor allem persönliche Kontakte hat, etwa zu Aktivenkoordinator Fabian Sokele und Frauentrainer Ogu Nwagbara. Er will „an kleinen Stellschrauben drehen und die Blockade lösen“.

Hettich ist seinem nun Ex-Trainer Wager nicht böse und sieht dessen Rücktritt auch „nicht als klassisches Davonlaufen“. Stattdessen schickt er Wager nur lobende Worte hinterher: „Er hat uns in den vergangenen fast zwei Jahren eine Stufe hoch gebracht, nicht nur, was die Liga betrifft.“ Tatsächlich ist der zurzeit etwas ausgebremste Aufschwung der Berghandballer, der in der Szene Anerkennung findet, nicht nur, aber auch eng mit dem Namen Wager verbunden.

Keine leichte Suche

Kapitän Hettich, der in die Kaderplanungen eingebunden ist, geht derweil nicht davon aus, dass angesichts der jüngsten Entwicklungen viele oder überhaupt Spieler ihre Zusage für die kommende Runde zurücknehmen werden. Die Vereinsführung muss sich aber auf die Suche nach einem neuen Coach machen, was generell und auch zu diesem späten Zeitpunkt nicht einfach ist. Wager betont diesbezüglich, „dass es mir nur um die aktuelle Situation ging“. Er darf derweil mit dem einen oder anderen Anruf eines Clubs rechnen, bei dem der Trainerposten ebenfalls noch vakant ist. Das hakt er aber schnell ab: „Momentan beschäftige ich mich nicht mit dem Thema Handball. Ich muss das erst mal sacken lassen.“ Letzteres geht allen bei den Berghandballern so.

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