Rücktritt von Mesut Özil Türkische Medien gehen hart mit Deutschland ins Gericht

Von red/dpa 

„Ehrenhaft“, „wichtiges Signal“, „gerechtfertigt“ - türkische Medien und Politiker begrüßen Özils Rücktritt. Einige werfen Deutschland Rassismus vor, doch es gibt auch nachdenkliche Stimmen.

Der Rücktritt Mesut Özils wird kontrovers diskutiert. Foto: EPA 11 Bilder
Der Rücktritt Mesut Özils wird kontrovers diskutiert. Foto: EPA

Istanbul - Nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft haben türkische Medien und Politiker Verständnis für die Entscheidung des Fußballers gezeigt. Zugleich kritisierten Kommentatoren am Montag Rassismus in Deutschland und den Druck, dem Özil ausgesetzt gewesen sei.

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Der in Deutschland aufgewachsene Abgeordnete der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, Mustafa Yeneroglu, warnte vor einer Verkürzung der Debatte auf das Foto mit Erdogan. Er kritisierte die „weit verbreitete Bevormundung von Deutschtürken“. Migranten solle „das einseitige deutsche Bild von Erdogan“ aufgezwungen werden - jenen, die nicht spurten, würde der Weg zum Ausgang gewiesen.

Entschuldigung von Deutschland gefordert

AKP-Sprecher Mahir Ünal kritisierte, der Umgang mit Özil habe gezeigt, dass in Deutschland die eigentliche Absicht nicht Integration, sondern Assimilierung sei. Weiter sagte er: „Die Reaktion von Mesut Özil ist äußerst passend und gerechtfertigt.“

Der Sportkommentator der regierungsnahen Zeitung „Habertürk“, Halil Özer, forderte eine Entschuldigung Deutschlands bei Özil. Es sei vollkommen natürlich, dass dieser sich mit dem Präsidenten seiner „ursprünglichen Heimat“ fotografieren lasse.

Sein „Habertürk“-Kollege Serdar Ali Celikler schreibt, das Ziel, Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft zu drängen, sei erreicht worden. Der „rassistische Kopf“, der in Deutschland noch immer im Hintergrund agiere, habe Özil „regelrecht zu dieser Entscheidung gezwungen“.

„Eine Falle des Rassismus“

Sportkommentator Cem Dizdar warnte im staatlichen Sender TRT Spor davor, nur über „die Deutschen“ zu reden. In der Kritik stehe vor allem der DFB und eine Gruppe von Deutschen. „Man darf nicht verallgemeinern. Das ist eine Falle des Rassismus.“

CNN-Türk-Journalist Erhan Merttürk sagte, Özil habe der Deutschen Gesellschaft „ein wichtiges Signal“ gegeben. In Zukunft würden sich deutsch-türkische Fußballer jedoch eher für die türkische Nationalmannschaft entscheiden.

Das sagen Stuttgarter zum Rücktritt von Özil:

Ridvan Dilmen, Sportkommentator für NTV, appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Meiner Meinung nach muss sich Merkel und das deutsche Volk für Mesut einsetzen.“

Der Erdogan-Berater Hamza Yerlikaya schrieb auf Twitter: „Wir 82 Millionen haben Dir einstimmig die Grenzen unserer Herzen geöffnet, mein Bruder.“ Bereits am Sonntagabend hatten türkische Regierungspolitiker via Twitter Özils Rücktritt begrüßt. Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb etwa: „Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen.“