Rückzug bei Morgan Stanley Notheis verliert seinen Job

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Der EnBW-Deal holt Dirk Notheis ein. Der Deutschland-Chef von Morgan Stanley kehrt nach seiner Auszeit nicht wieder zurück, sondern verliert seinen Posten. Unterdessen bringt Stefan Mappus die LBBW in Nöte.

Seit 2009 war er Vorstandsvorsitzender, nun geht er: Dirk Notheis Foto: dapd 13 Bilder
Seit 2009 war er Vorstandsvorsitzender, nun geht er: Dirk Notheis Foto: dapd

Stuttgart - Nach Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus kostet der EnBW-Skandal nun auch seinen Freund Dirk Notheis (beide CDU) den Job. Aus seiner „Auszeit“ als Chef der Investmentbank Morgan Stanley in Deutschland wird Notheis nicht mehr zurückkehren. Wie die Stuttgarter Zeitung aus verlässlicher Quelle erfuhr, ist Notheis bereits vor einigen Tagen endgültig aus dem Vorstand ausgeschieden. Die Bank bestätigte am frühen Abend, er sei „nicht mehr Mitglied des Vorstands“.

Notheis hatte den Aufsichtsrat am 25. Juni informiert, dass er eine „Auszeit“ nehmen werde. Zu Gründen und Dauer äußerte er sich nicht. Offenkundig zog er damit die Konsequenzen aus seiner Rolle beim EnBW-Deal. Durch interne E-Mails, die Morgan Stanley dem Untersuchungsausschuss des Landtags überlassen hatte, war der Eindruck entstanden, er habe Mappus bei dem Milliardengeschäft wie eine Marionette gelenkt.

Absturz nach einer steilen Karriere

Notheis’ Aufgaben als Länderchef für Deutschland und Österreich hatte vorübergehend der Aufsichtsratsvorsitzende Lutz Raettig übernommen; er hatte diese Position bereits früher einmal inne. Unter dem Eindruck des sich ausweitenden EnBW-Skandals hat Raettig nun offenbar Konsequenzen gezogen; dabei dürfte auch eine Prüfung durch die Bankenaufsicht Bafin eine Rolle gespielt haben. Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Notheis wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. In diesem Zusammenhang waren seine Wohnungen in Bad Soden und Ettlingen sowie Geschäftsräume von Morgan Stanley durchsucht worden.

Für Notheis endet damit zumindest vorläufig eine steile Karriere in der Finanzbranche. Er war 1999 zu Morgan Stanley gekommen und 2009 zum Vorstandschef aufgestiegen. Als besonders erfolgreich galt der 43-Jährige auch wegen seiner exzellenten politischen Vernetzung. Er war früher Landeschef der Jungen Union (JU) und saß noch bis 2011 als Beisitzer im Landesvorstand der CDU.

Mappus bringt die LBBW in Verlegenheit

Sein Freund Stefan Mappus versucht derweil, sich mit Verweis auf die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu entlasten. Hat das von Land, Sparkassen und Stadt Stuttgart getragene Institut den Kaufpreis für die EnBW-Aktien durch ein Gutachten bestätigt? Mit dieser Behauptung bringt der frühere Ministerpräsident die Bank in Verlegenheit. „Die LBBW war in den Deal nicht involviert“, entgegnete ein Banksprecher auf StZ-Anfrage. Ansonsten äußere man sich nicht dazu. In einem Interview mit der Zeitschrift „Focus“ hatte Mappus am Montag den Vorwurf zurückgewiesen, er habe dem Land mit dem Milliardengeschäft geschadet. „Es gibt drei Fairness-Opinions dreier verschiedener Banken sowie ein Gutachten der LBBW, die alle den Kaufpreis bestätigt haben“, sagte er. „Noch nicht einmal der Rechnungshof behauptet, dass der Preis überhöht war.“

Mit dem „Gutachten“ der LBBW meint Mappus möglicherweise eine Analystenstudie der LBBW („Company Flash“) vom 1. Dezember 2010, also sechs Tage vor dem Kauf. Auf die Frage, ob diese als Bestätigung des Preises von 41,50 Euro je Aktie gewertet werden könnte, antwortete die Landesbank nicht. Der Rechnungshof sieht darin ausdrücklich keine solche Bestätigung. Zwar habe der Analyst in einem ersten Schritt 40 Euro als fairen Wert benannt, das Kursziel sei aber mit 37 Euro angegeben worden. Dieser Wert sei laut dem Verfasser nur deshalb zu halten gewesen, weil die Aktionärsvereinbarung mit den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) eine Kauf-Option mit 37,14 Euro enthalten habe. Ansonsten „hätte das Kursziel noch niedriger ausfallen müssen“, referiert der Rechnungshof. Der Verfasser der Studie, Bernhard Jeggle, soll im Herbst als Zeuge vor dem EnBW-Ausschuss gehört werden. Er ist inzwischen Geschäftsführer der Landesgesellschaft Neckarpri, die die EnBW-Aktien erworben hat und bis heute hält.

Zweitmeinung war nicht erwünscht

Auch die genannten Fairness Opinions wertet der Rechnungshof anders als der Ex-Premier. Im Fall von Morgan Stanley sei es ein „wesentliches Manko“ der Bestätigung des Preises, dass sie von der gleichen Bank stamme, die die Transaktion durchgeführt habe. Der Bankchef Dirk Notheis habe Mappus vehement abgeraten, von einer anderen Bank eine Fairness Opinion einzuholen. Eine solche „notwendige Zweitmeinung“ habe etwa Klaus Mangold für die Rothschild Bank angeboten.

Die Fairness Opinion durch die Barclays Bank, die von Vorstand und Aufsichtsrat der EnBW beauftragt wurde, taugt aus Sicht des Rechnungshofes ebenfalls nicht als Bestätigung für Mappus. Die Perspektive der Prüfung sei nämlich eine andere gewesen: Barclays habe nur bestätigt, dass das Angebot von 41,50 Euro „nicht zu niedrig“ sei. Ähnliches dürfte für eine von der Electricité de France (EdF) beauftragte Fairness Opinion gelten, über die nichts Näheres bekannt ist. Mappus’ Anwalt reagierte nicht auf eine Anfrage dazu.

Auch die Behauptung, der Rechnungshof halte den Kaufpreis nicht für überhöht, stimmt nur teilweise. Die Prüfer machen zwar deutlich, dass sie den Unternehmenswert für im Nachhinein kaum ermittelbar halten. Sie bezweifeln aber die Berechtigung des Kontrollzuschlages von bis zu einer Milliarde Euro. Zugleich vermissen sie Risikoabschläge wegen nicht ausreichend untersuchter Risiken.