Rückzug Habeck geht – aber sein Politikstil wird noch sehr gebraucht
Habeck geht ganz, Linnemann geht nicht ins Kabinett – unterschiedlicher könnten ihre Weisen, Politik zu machen nicht sein, meint Berlin-Korrespondent Norbert Wallet.
Habeck geht ganz, Linnemann geht nicht ins Kabinett – unterschiedlicher könnten ihre Weisen, Politik zu machen nicht sein, meint Berlin-Korrespondent Norbert Wallet.
In der Karwoche haben zwei Spitzenpolitiker Erwartungen ihrer jeweiligen Parteibasis enttäuscht und persönliche Ambitionen zurückgesteckt. Carsten Linnemann (CDU) wird nicht Bundeswirtschaftsminister und der grüne Robert Habeck wird sogar, wenn der Berliner Flurfunk das Richtige sendet, im Sommer aus dem Bundestag ausscheiden.
Wenn Politiker Verzicht üben, ist das anerkennenswert. In je eigener Weise sind beide Schritte auch konsequent. Linnemann ist ohne jeden Zweifel als Generalsekretär am für ihn besseren Platz und Habecks Rückzug ist insofern folgerichtig, als er aufgrund seines Postens als Spitzenkandidat seiner Partei ein desaströses Wahlergebnis mitzuverantworten hat.
Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Es ist eine kurze Reflexion wert, dass da zwei Personen – in je anderer Weise – kürzertreten, die einen diametral entgegengesetzten Politikstil pflegen oder gepflegt haben. Man mag Habecks Ministerzeit unterschiedlich bewerten. Aber er hat doch immer einen Stil vertreten, der zwei Merkmale aufwies: Er war bestrebt, seine Schritte in klaren, verständlichen Worten zu erklären. Das galt auch für unbequeme Wahrheiten und eigene Fehler. Und er hat es stets vermieden, Brücken abzubauen und in Freund-Feind-Schemata zu verfallen. Dafür verdient er Lob.
Linnemann ist der Prototyp des Lagerdenkers. Er hat die Grünen, trotz der demokratiegefährdeten Wucht der Rechtspopulisten, zum Hauptgegner der Union aufgebauscht.
Einer der beiden Wege, Politik zu machen, wird in Deutschland noch sehr gebraucht.