Rückzug in Hemmingen Schleudersitz im Ortsbauamt

Von Stefanie Köhler und  

Der Abgang des Architekten Josef Lang als Amtsleiter überrascht nur wenige. Gemeinderäte werfen ihm vor, sich zu wenig um den Gebäudebestand gekümmert zu haben. Bürgermeister Schäfer: Es gab immer viel zu tun

Der Bauzaun für die Sanierung der Wasserschäden ist am Montag aufgestellt worden. Foto: factum/Granville
Der Bauzaun für die Sanierung der Wasserschäden ist am Montag aufgestellt worden. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Der Leiter des Hemminger Ortsbauamtes, Josef Lang, hat das Rathaus verlassen. Der Bürgermeister Thomas Schäfer betont, er habe keinen Ärger mit dem Amtschef gehabt – zeigte sich aber von Langs Entschluss überrascht. Schäfer räumt ein, das Bauamt habe jede Menge Arbeit, und das seit Jahren mit 4,6 Stellen. Aus dem Gemeinderat ist zu hören, der Amtsleiter habe große Verdienste um Planung und Neubau im Ort, sich aber zu wenig um den Gebäudebestand gekümmert.

Dies wurde Lang am 27. März im Gemeinderat heftig angekreidet – und das hat der Angegriffene übel genommen. So übel, dass er den Bürgermeister kurz danach bat, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. „Das hat mich überrascht“, resümiert Schäfer. Er habe noch versucht, den Amtsleiter zu einem geordneten Übergang innerhalb einiger Monate zu bewegen. „Herr Lang ließ sich aber nicht mehr umstimmen.“ So seien nun Projekte im Bau, der zuständige Mann im Bauamt aber nicht mehr da. Vergangene Woche wurde der Gemeinderat informiert, dieser hat die Stelle bereits ausgeschrieben. Schäfer befürchtet, dass die Wiederbesetzung Monate dauert; Fachleute sind rar am Arbeitsmarkt.

19 Themen und Aufgaben im Jahr 2017

Langs Abgang wirft die Frage auf, wie das Hemminger Bauamt seine Aufgaben bewältigt. „Es war immer viel, was wir stemmen mussten“, sagt Schäfer. Eine Liste mit den Aufgaben 2017 umfasst 19 Positionen – das Feuerwehrmagazin und die Kita Hälde, vier Bebauungspläne, zwei Hausumbauten für Flüchtlinge, Erweiterung des Friedhofs, Straßensanierungen und mehr. „Josef Lang hat nie über zu viel Arbeit gejammert“, sagt Wolfgang Gerlach (Freie Wähler). Er habe aber lieber neue Häuser geplant, als den Bestand zu erhalten. „Lang hat unzweifelhaft viel in der Gemeinde bewegt“, so Gerlach. Lang habe das Gefühl gehabt, seine Arbeit werde nicht genug gewürdigt; sein Verhältnis zumindest zu Teilen des Gemeinderats sei gespannt gewesen.

Mit dem Wort „Irritationen“ beschreibt Walter Bauer (CDU) die Spannungen, die am 27. März im Gemeinderat in drei Reden deutlich wurden. Es ging um Schäden in der Schule, deren Sanierung Lang hinausgeschoben haben soll, und um seine Äußerungen dazu in einem TV-Beitrag. Lang habe dabei sehr unglückliche Worte über den Gemeinderat gewählt, so Gerlach, „er hätte sich dafür bei uns entschuldigen müssen“. Sie habe mit Langs Rückzug gerechnet, sagte Barbara von Rotberg (FDP), „es ist bedauerlich, dass es auf diese Weise passierte“. Es gebe erste Beratungen über eine Stellenerweiterung im Ortsbauamt.

Lang schweigt

Der SPD-Mann Gerhard Stahl erklärt sich Langs Abgang damit, dass dieser einen aus seiner Sicht nicht zu bewältigenden Berg Aufgaben vor sich gesehen habe – jetzt, da der Gemeinderat die Arbeit des Ortsbauamts mehr hinterfragen wolle. „Laut Lang war bei den Projekten immer alles in Ordnung – bis sich das Gegenteil herausgestellt hat. Nun ist er vor die Konsequenzen seiner Aussagen gestellt worden“, sagt Stahl. Er bezeichnet den ehemaligen Ortsbaumeister Lang als „ein wenig großspurig“ – und sei deshalb auch überrascht von dessen Abgang. Josef Lang wollte der Zeitung gegenüber nichts zu seinem Rückzug sagen, „über das Wetter können wir reden, aber nicht über Hemmingen.“