Susanne Widmaier kämpfte sich vor ein paar Jahren nach einer Kreberkrankung zurück. Doch die 59-Jährige will künftig mehr auf ihre Gesundheit achten.
Diese Nachricht zu Beginn der Rutesheimer Gemeinderatssitzung am vergangenen Montagabend kam wie ein Schlag – und machte alle im Raum erst einmal sprachlos und betroffen: Susanne Widmaier wird Ende März des kommenden Jahren ihre Amtszeit als Bürgermeisterin – nach mehr als sieben Jahren – beenden und sich am 8. Februar 2026 nicht mehr erneut zur Wahl stellen. „Diese Mitteilung an Sie macht mich selbst traurig“, sagte sie und kämpfte mit den Tränen.
Die Wochen zuvor sei sie von vielen Rätinnen und Räten aller Fraktionen angesprochen worden. Die hätten sie motiviert, eine weitere Amtsperiode dranzuhängen. Susanne Widmaier hat sich nun dagegen entschieden: „Nach reiflicher Überlegung, gemeinsam mit meiner Familie, habe ich mich dazu entschlossen, den Weg für eine neue Führung freizumachen. Ich möchte Platz schaffen für eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister, die oder der mit frischem Elan, neuen Ideen und vor allem mit bester Gesundheit die Verantwortung für Rutesheim übernimmt. Es ist mir wichtig, dass unsere Stadt weiterhin in guten Händen ist und sich positiv entwickelt“, meinte die Bürgermeisterin.
Susanne Widmaier, die im nächsten 60 Jahre alt wird, hat selbst hohe Ansprüche an sich. „So einen Job kann man nicht mit halber Kraft machen.“ Sie ist neben anderen Aufgaben unter anderem im Kreistag sowie seit Februar diesen Jahres die Vorsitzende des Kreisverbandes Böblingen der Baden-Württembergischen Bürgermeister. Doch letztendlich sei es die Kraft, die ihr ausgehe. Ein Grund dafür sei ihre frühere Krebserkrankung. Die Diagnose hatte sie im Dezember 2019 bekommen. Sie fiel fünf Monate aus, kämpfte sich im Mai 2020 zurück. „Doch Chemotherapie und Bestrahlungen haben mir zugesetzt, ich brauche mehr Regeneration. Vor allem seit meiner Erkrankung habe ich festgestellt, dass ich häufig über meine eigenen Grenzen gehen musste“. Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen. „Die Arbeit in Rutesheim bereitet mir große Freude. Es ist mir eine große Ehre, gemeinsam mit meinem großartigen Team, den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten und allen, die sich für unsere Stadt einsetzen, an der positiven Entwicklung von Rutesheim mitzuwirken.“ Diese Umstände hätten es ihr immer leichtgemacht, sich in der Stadt wohl zu fühlen sowie gerne und erfolgreich hier zu arbeiten.
Die Entscheidung ist ihr nicht leichtgefallen
Mit großer Betroffenheit regierten die Fraktionsvorsitzenden, sie respektieren aber Widmaiers Entscheidung. Der erste stellvertretende Bürgermeister Harald Schaber (Unabhängige Bürger Rutesheim) hatte bis vor einigen Tagen damit gerechnet, dass die amtierende Bürgermeisterin noch einmal antritt. „Ich war wirklich traurig, als sie ihre Entscheidung verkündet hat, denn es ist eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihr“. Was Susanne Widmaier auszeichne, seien ihre fachliche Kompetenz sowie ihre positive menschliche Art. „Diese Kombination gibt es selten.“ Für die gute Zusammenarbeit bedankte sich auch der zweite stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Diehm (Bürgerliche Wählervereinigung): „Ich hätte gerne weiter mit ihr zusammengearbeitet, habe aber höchsten Respekt für ihre Entscheidung, Gesundheit geht vor.“
Räte schätzen den fairen und offenen Umgang
Auch Christina Almert (CDU) hätte sich gewünscht, dass Susanne Widmaier weitermacht. „Ich habe gerne mit ihr zusammengearbeitet. Wenn ein Thema anstand, hat sie sich immer Zeit genommen und hat zugehört.“ Aus politischer Sicht bedauert Tommy Scheeff (SPD) die Entscheidung der amtierenden Bürgermeisterin: „Frau Widmaier hatte immer ein offenes Ohr für Vorschläge aus dem Gemeinderat und bezog dabei klare Position. Ich habe diese offene und konstruktive Art sehr gemocht. Menschlich kann ich ihre Entscheidung jedoch vollkommen verstehen. Ihre Begründung war eindeutig, und ich kann ihr nur meinen allergrößten Respekt dafür zollen.“ Fritz Schlicher (Grüne) hat in seiner bisherigen Zeit als Gemeinderat drei Bürgermeister miterlebt. „Die konstruktivste Zusammenarbeit ist die mit Susanne Widmaier, schade dass diese Ära zu Ende geht.“ Er schätze den fairen und offenen Umgang, auch wenn man nicht immer einer Meinung sei. „Es ist vieles vorwärts gegangen in Rutesheim.“ Ihre Entscheidung habe ihn sehr bewegt. „Wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, darüber abzustimmen, hätten wir es nicht zugelassen, dass sie nicht mehr antritt.“
Susanne Widmaier werde sich „selbstverständlich bis zum Ende meiner Amtszeit weiterhin mit voller Kraft für unsere Stadt einsetzen. Ich bin überzeugt, dass Rutesheim auf einem guten Weg ist“.
Nach insgesamt zwölf Jahren – ihre Tätigkeit in Weil der Stadt mitgerechnet – ist Susanne Widmaier pensionsberechtigt. Doch ganz (politisch) untätig werde sie nicht bleiben wollen. „Was ich machen werde, weiß ich noch nicht, doch ich freue mich jetzt schon auf mehr Zeit mit meinen drei Enkeln.“
Bürgermeisterwahl in Rutesheim
Stellenausschreibung
Die Stellenausschreibung für ihre Nachfolge erfolgt im Staatsanzeiger für Baden-Württemberg in der Ausgabe am 14. November. Das Ende der Bewerbungsfrist wird auf Montag, 12. Januar 2026, 18 Uhr festgesetzt.
Wahltermin
Die Wahl findet am Sonntag, 8. Februar, statt – eine etwaige Stichwahl am Sonntag, 22. Februar.