Ruhestörung in Stuttgart-Möhringen Was hilft gegen Stadtbahnlärm?

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Anwohner klagen über die gestiegene Lärmbelastung im Bereich des Möhringer Bahnhofs in Stuttgart. Andere Städte nutzen Schmiermittel und Schall-Absorber, um den Krach zu reduzieren. Und was macht die SSB in Stuttgart?

Wo Bahnen oberirdisch fahren, ist es Anwohnern oft zu laut. Foto: Symbolbild Lg/Piechowski
Wo Bahnen oberirdisch fahren, ist es Anwohnern oft zu laut. Foto: Symbolbild Lg/Piechowski

Möhringen - Den Anwohnern rund um den Möhringer Bahnhof ist es zu laut: Sie klagen, dass der Lärm durch die Stadtbahnen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Längere Züge, dichtere Takte und die neuen Betonschwellen hätten dazu beigetragen, dass es nun lauter ist als früher. Eine eigens gegründete Bürgerinitiative fordert Maßnahmen, die den Schienenlärm reduzieren.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ist nicht untätig: Schienenschleifer sind in Stuttgart regelmäßig unterwegs. Sie beseitigen Unebenheiten auf den Gleisen für eine reibungsärmere und damit leisere Fahrt der Stadtbahnen.

Gleisberegnung erzielt nicht den gewünschten Effekt

Auch andere Städte im In- und Ausland haben in Sachen Lärmschutz entlang von Stadtbahnschienen Maßnahmen ergriffen. Ganz vorne dabei sind die Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Auf dem Netz der Tram in Basel gibt es seit 2009 Gleisschmieranlagen. Diese tragen eine Emulsion auf die Gleise auf, die darüberfahrende Tram verteilt das Schmiermittel. Dadurch wird das kreischende Geräusch, welches vor allem dort entsteht, wo sich die Bahnen in die Kurve legen, eingedämmt. Ein solches System nutzen auch die Verkehrsbetriebe in Ulm bei der Straßenbahn. Prinzipiell kann dieser Effekt auch mit Wasser erreicht werden, allerdings kann das bei winterlichen Temperaturen gefrieren. Die biologisch abbaubare Emulsion hingegen nicht.

In Ostfildern-Nellingen hat die SSB bereits eine Gleisberegnung getestet. „Da der gewünschte Effekt aber nicht erreicht wurde, wurde dieser Versuch eingestellt“, teilt Birgit Kiefer, Pressesprecherin der SSB, mit. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Fahrzeuge selbst das Schmiermittel auf die Gleise aufbringen, über eine Spurkranzschmieranlage. Diese sprüht Schmiermittel auf die Räder, die die Bahn dann auf den Schienen verteilt. In Köln und in Basel wird dieses System ebenfalls eingesetzt. Auch in Stuttgart kennt man diese Technik: „90 Prozent der Stadtbahnen haben eine Spurkranzschmieranlage“, sagt Birgit Kiefer.

Absorber und Feder-Systeme fangen Schwingungen ab

Zudem seien die Stadtbahnen an allen Rädern mit Radschallabsorbern ausgestattet. Diese bewirken, dass die Räder nicht so schnell zu schwingen beginnen – denn das Schwingen von Rädern und Schienen erzeugt Lärm. Auch in Basel wird dieses System genutzt.

Eine weitere Möglichkeit, den Lärm zu reduzieren, ist das Masse-Feder-System. Dabei handelt es sich um ein bautechnisches Verfahren, mit dem die Übertragung von Erschütterungen, die von den Fahrzeugen ausgehen, verringert wird. Zwischen den Gleisen und dem Untergrund werden elastische Elemente eingebaut, die die Erschütterungen abfangen.

Angewandt wird diese Technik oft in Tunneln. Auch in Stuttgart gibt es sie: im Hasenbergtunnel auf der S-Bahnstrecke zwischen der Schwabstraße und der Haltestelle Österfeld in Stuttgart-Vaihingen. „In einzelnen Bereichen, auch oberirdisch, gibt es Masse-Feder-Systeme, die die Übertragung von Erschütterungen auf Gebäude verringern“, sagt dazu die SSB-Sprecherin.

Auf Rasengleis fahren die Bahnen leiser

In Ostfildern fahren die Stadtbahnen großteils auf begrünten Gleisbetten. Die Bepflanzung fängt den Schall ab. Im Lärmaktionsplan 2017 für Ostfildern ist von einer Lärmreduzierung von zwei bis vier Dezibel die Rede. Auch in Stuttgart fahren die Stadtbahnen teilweise über Rasengleis, etwa auf der Streckenverlängerung der U 12 Hallschlag-Münster, so Birgit Kiefer. Trotz all der Maßnahmen gibt es weiterhin Klagen der Anwohner. Der Lärmschutz treibt auch den Stuttgarter Verkehrsbetrieb weiter um. „Die SSB befasst sich ständig mit dem Thema und befindet sich auch im Austausch mit anderen Nahverkehrsbetrieben“, so Kiefer.

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