Ruinöser Wettbewerb Zuverlässigkeit hat ihren Preis

Die Abellio-Züge finden sich nicht nur in der Region. Foto: dpa

Lokführermangel und ein gnadenloser Preiskampf schaden dem Schienenverkehr, kommentiert Jörg Nauke.

Stuttgart - In einer heilen Welt des Schienennahverkehrs wäre ein Neustart, wie er nun im Stuttgarter Netz stattgefunden hat, problemlos erfolgt. Eisenbahnverkehrsunternehmen hätten mit ausreichendem Vorlauf und komplettem Fahrzeugpool sowie vom Vorgänger vollständig übernommenen Personal ausreichend Testfahrten vorgenommen und sich optimal auf den neuen Fahrplan eingestellt.

 

Die Betriebe müssen selbst ausbilden

Die Realität sieht im liberalisierten Wettbewerb, in dem der ÖPNV kein Element der Daseinsvorsorge mehr ist, anders aus. Zuverlässigkeit hat einen Preis, den keiner mehr bezahlen will. Wenn alles auf Kante genäht ist, kann der Fahrgast aber keinen perfekten Betrieb erwarten, sondern muss sich mit Verspätungen und Zugausfällen arrangieren. Alle Betreiber tun sich schwer, Lokführer zu finden und Profis der DB zu überzeugen, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Es bleibt nur, selbst auszubilden. Aber Fahranfänger bremsen zu früh, diese Verzögerungen summieren sich und können nicht durch Rasen kompensiert werden. Auch der Preiskampf unter den Herstellern von Schienenfahrzeugen bleibt nicht folgenlos. Wenn überall Werke geschlossen und Stellen gestrichen werden, bleiben Lieferprobleme nicht aus. Dann muss man mit den Zügen vorlieb nehmen, die da sind.

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