Rundgang auf dem Stuttgarter Airport Was macht der zahme Falke am Flughafen?

Rolf Aldinger informiert über alles Wissenswerte zum Flughafen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Rolf Aldinger informiert über alles Wissenswerte zum Flughafen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Auf Führungen über den Flughafen gibt es interessante Blicke hinter die Kulissen des Airports und mnaches, was kaum bekannt ist. Oder wissen Sie, was ein Falke auf dem Flugfeld macht?

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Stuttgart - Der Himmel ist strahlend blau. Die Sonne lacht. Es herrscht bestes Flugwetter. Die 30 Gäste, die sich am Samstagvormittag im Vortragsraum des Sky-Office auf dem Manfred-Rommel-Airport eingefunden haben, warten allerdings nicht auf ihren Flieger. Sie sind gekommen, um im Rahmen einer Führung, zu der die Reinhold-Maier-Stiftung eingeladen hat, einen Blick hinter die Kulissen des Flughafens zu werfen. Das Interesse war groß. „Wir waren binnen zehn Minuten ausgebucht“, freut sich Jochen Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion und Verwaltungsratsratsvorsitzender der Stiftung. Angesichts der Diskussionen rund um den Airport sei diese Nachfrage nach Informationen aus erster Hand sehr erfreulich.

Ein Mann schnuppert Kerosin

Geliefert werden die Einblicke von Rolf Aldinger. Er hat ab 1974 auf dem Flughafen gearbeitet, war Stationsleiter bei Swiss Air, später Geschäftsführer einer Tochterfluggesellschaft und genießt es nun, als Rentner ab und an für Führungen auf das Gelände zurückzukehren. „Ich muss immer mal wieder ein bisschen Kerosin schnuppern“, sagt der 70-Jährige. Das ist ein Glücksfall für die Teilnehmer, denn Aldinger ist ein wandelndes Lexikon. Gleich, ob es um die tägliche Zahl der Fluggäste an einem durchschnittlichen Tag geht (rund 35 000) oder um die Menge an Gummiabrieb, die jährlich auf der Landebahn zurückbleibt (etwa drei Tonnen): Er hat alle Zahlen parat.

Vor allem aber versteht es Aldinger, die Flut an Informationen anschaulich und kurzweilig zu verpacken. Das zeigt sich bereits, als er anhand des großen Luftbilds an der Wand des Vortragsraums einen Überblick über das Flughafengelände vermittelt. Als es um die Tierwelt auf dem Airport geht, vergisst er nicht, neben der Hasenpopulation auch den Vogelvergrämer zu erwähnen, jenen Mann also, der mithilfe von Pyrotechnik, einem zahmen Falken und Schreckschüssen dafür sorgt, dass die gefiederten Freunde dem Areal fernbleiben. „Vor zwei Jahren war bei einer Maschine ein Reiher ins Triebwerk geraten“, erinnert sich Aldinger. „Der Schaden ging in die Millionen.“

Verantwortungsloses Handeln

Gefragt, ob es am Flughafen Probleme mit Drohnen gebe, verneint dies der Experte. 2019 habe es ein oder zwei Fälle gegeben. Problematisch sei das im Grunde nicht. Dafür komme es immer wieder vor, dass verantwortungslose Zeitgenossen versuchten, Piloten mit Laserpointern zu blenden. Aldinger: „In einem Fall hat ein Mann in Esslingen sogar seinem Sohn auf dem Balkon gezeigt, wie so etwas funktioniert. Das ist unglaublich.“

Trotz allem sei Fliegen sicher, beruhigt der Flughafenkenner. Wie sehr auch am Boden darauf geachtet wird, dass die Sicherheit gewährleistet bleibt, erfahren die Teilnehmer der Führung kurze Zeit später am eigenen Leib. Freut sich Haußmann zunächst noch, dass man eine eigene Sicherheitsschleuse nutzen darf, so stellt sich rasch heraus: Mit Schnellabfertigung hat das nichts zu tun. Wenn es piepst, wird jeder penibel bis auf die Socken abgesucht. Während der Wartezeit entspinnen sich Gespräche über Sinn und Unsinn von Sicherheitsvorschriften. Zwei Herren sind uneins darüber, was das Verbot von Flüssigkeiten an Bord bezwecken soll. Aldinger erteilt derweil Auskunft zum Thema Coronavirus: „Sollte ein Pilot von einem Fall in seiner Maschine erfahren, wird er das sofort dem Flughafen melden. Dort setzt man sich mit den Gesundheitsbehörden in Verbindung.“

6000 Einsätze der Flughafenwehr

Auf der Fahrt über das Vorfeld im Shuttlebus kann Rolf Aldinger wieder aus dem Vollen schöpfen. Rechts: Flugzeuge, die in Ermangelung eines Rückwärtsgangs von Spezialfahrzeugen geschoben werden müssen. Links: die großen Kerosintanks mit einem Fassungsvermögen von 4,5 Millionen Litern. Ziel ist die Feuerwache. 6000 Einsätze gab es im vergangenen Jahr. „Wenn jemand im Aufzug feststeckt oder auf der Toilette raucht, zählt das auch“, relativiert Aldinger die Zahl. Übungen und medizinische Versorgung würden ebenfalls mit eingerechnet. Ein Brandschutzproblem hat der Airport nicht. Die Einsatzfahrzeuge sind beeindruckend. „Jeder dieser Reifen kostet mehrere Tausend Euro“, erklärt der Flughafeninsider. Er überrascht mit dem Verweis auf Details wie einen Dorn, mit dem sich die Flugzeughülle durchbrechen lässt, oder Düsen am Fahrzeugboden, mit denen ausgelaufenes, brennendes Kerosin gelöscht werden kann.

Am anderen Ende des Gebäudes erwartet die Besucher eine Anlage zur Fluglärmmessung. Eben startet eine Maschine. Die Anzeige erreicht 82 db(A). Zum Vergleich: Ein Wecker liegt bei etwa 30 db(A). „Wenn bei den Führungen Kinder dabei sind und ich die hier mal richtig losschreien lasse, kommt man locker auf 100 db“, erklärt Aldinger schmunzelnd.

„Nur Fliegen ist schöner“

Dann geht es zurück zum Terminalgebäude. „Willkommen in Stuttgart“ steht über dem Durchgang. Ein paar Erläuterungen zu Gepäckverwahrung und -versteigerung – schon sind die gut zwei Stunden um. „Das war toll“, schwärmt eine Teilnehmerin, ein Besucher der Führung fügt sichtlich zufrieden hinzu: „Nur Fliegen ist schöner.“




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