Running Stuttgart: Von U1 bis Zacke Sie joggt Stuttgarts U-Bahn-Netz ab
Den Bärensee umrunden und den Schlossgarten ablaufen kann jede:r. Theresa Fürst joggt Stuttgarts U-Bahn-Linien ab. Welche ist die schönste? Wir haben die Läuferin getroffen.
Den Bärensee umrunden und den Schlossgarten ablaufen kann jede:r. Theresa Fürst joggt Stuttgarts U-Bahn-Linien ab. Welche ist die schönste? Wir haben die Läuferin getroffen.
Als wir Theresa Fürst an der Endhaltestelle Hedelfingen treffen, ist sie gerade mit ihrem U13-Lauf fertig geworden. Die 22-jährige HdM-Studentin läuft Stuttgarts U-Bahn-Linien ab und nimmt auf Instagram und TikTok mittlerweile knapp 5000 interessierte Follower dabei mit. Gerade hat sie ihren Lauf von der Haltestelle Pfostenwäldle in Feuerbach bis nach Hedelfingen beendet. Schweiß hat sie keinen auf der Stirn, die Strecke ist eine der kürzeren U-Bahn-Linien.
„Hier, ein Schokobon für dich“, sagt sie und reicht uns die in weiß-rotes Papier eingewickelte Nascherei. Sich am Ende des Laufs einen Schokobon zu gönnen, hat sich zu ihrem „Signature Move“, quasi einer kleinen Tradition, entwickelt – genau wie das enthusiastische Abklatschen jedes Haltestellenschilds, das sie beim Lauf passiert. „Angefangen hat es bei einem Halbmarathon, den ich in Heilbronn gelaufen bin“, erinnert sich die Läuferin. Zur Belohnung hatte sie sich eine Packung der Mini-Schokoladen gekauft und eine davon in ihrer Laufweste versteckt, um sie direkt nach dem Zieleinlauf essen zu können. „Dann lag der Rest noch bei mir zuhause rum und ich habe mir bei den nächsten Läufen immer einen mitgenommen und sie mit ins Video integriert.“
Zu der Idee, die Bahnlinien im Kessel abzulaufen hat sie die Berliner Content Creatorin Maren Schiller inspiriert. „Ich habe vor ein paar Wochen ein Round-up der U-Bahn-Linien, die sie abgelaufen ist, auf Marens Kanal gesehen und fand das super“, erinnert sich Theresa. „Ich habe mich gefragt, warum das eigentlich niemand in einer anderen Stadt macht und habe mir das dann selbst als Running-Challenge gesetzt.“ Neben sich selbst wollte sie auch andere dazu motivieren, sich mehr in Stuttgart umzuschauen, neue Orte kennenzulernen und sich zu bewegen – deswegen kam von Anfang an auch die Kamera mit. Gefilmt wird immer von einer zweiten Person hinter der Kamera. Bisher von ihrem Partner sowie Freund:innen und Bekannten, die dann entweder selbst mitlaufen oder auf dem Fahrrad mitradeln.
Welche U-Bahn-Linie ist bisher die schönste gewesen? „Von den insgesamt 18 Linien und Sonderlinien habe ich bisher sechs abgehakt: U3, U4, U1, U9, U2 und heute die U13“, sagt die Läuferin und öffnet auf ihrem Smartphone ein Dokument, in dem sie sämtliche Stuttgarter U-Bahn-Linien nach Schwierigkeitsgrad und Länge markiert und säuberlich aufgelistet hat. „Ich hatte leider bisher oft Pech mit dem Wetter, was natürlich mit reinspielt. Aber bisher am schönsten fand ich bisher die U3: In Plieningen geht es nämlich los über die Felder, da kann man auch mal so richtig laufen. Und auch die U2 von Neugereut nach Botnang hat viel Spaß gemacht, die Strecke ging durch Stuttgart-West und auch ein bisschen durch den Wald.“
Am Freitag hat sie außerdem ihren ersten „Community Run“ hinter sich gebracht. Einen gemeinsamen Lauf entlang der U11 von einer anfängerfreundlichen Länge von acht Kilometern, an dem jede und jeder teilnehmen konnte, der oder die wollte. Denn: „In Stuttgart gibt es noch viel zu wenige Running Clubs“, findet die Studentin, „vor allem für Anfänger:innen.“ Blutigen Lauf-Anfänger:innen würde sie dennoch nicht raten, sofort mit einer U-Bahn-Linie zu starten. „Die kürzesten U-Bahn-Strecken bewegen sich bei acht, neun Kilometern, da sollte man schon vorab ein bisschen gejoggt sein.“ Wer startet, soll am besten abwechselnd ein paar Minuten joggen und laufen, rät sie. Und betont die Zugangsfreundlichkeit des Sports: „Es ist nicht wie beim Ski laufen, beim Tennis oder Reiten. Man braucht nur sich und ein Paar Schuhe – das müssen am Anfang nicht mal extra Laufschuhe sein – und kann schon starten.“
Ihre Leidenschaft fürs Laufen hat Theresa während der Pandemie 2020 entdeckt. „Das Thema Joggen hat mich auf irgendeine Art des Trainings schon immer in meinem Leben begleitet, auch früher, als ich noch Hockey beim VfB gespielt habe“, erinnert sie sich. „In der Coronazeit habe ich aber erst so richtig angefangen für einen Halbmarathon zu trainieren.“ Den lief sie dann zwei Jahre später auch in Berlin. Und es sollte nicht der letzte sein. „Ich brenne fürs Laufen“, schwärmt die Studentin. „Die meiste Zeit freue ich mich schon richtig auf den Sport und darauf, mich zu bewegen!“ Und wenn die Motivation doch mal fehlt, dann versuche sie sich immer das gute Gefühl nach dem Lauf in Erinnerung zu rufen. Auch andere Running Creator auf den Sozialen Medien motivieren die junge Frau dran zu bleiben und immer wieder das eine oder andere Lauf-Event mitzunehmen.
Drei- bis viermal die Woche geht sie mittlerweile raus und läuft Kilometer, auch bei Wind und Regen („Es gibt kein schlechtes Wetter!“), natürlich nicht immer eine U-Bahn-Linie entlang. „Das ist immer etwas zeitintensiver und mit Aufwand verbunden“, erklärt Theresa. Denn zunächst muss sie mit den Öffis zur Start-Haltestelle fahren, dann muss jemand aus ihrem Bekanntenkreis Zeit und Lust haben, sie mit der Kamera zu begleiten, dann wären da noch die ganzen Ampeln auf dem Weg, an denen man halten muss „und zwischendrin muss man immer wieder etwas zusätzlich abfilmen“, wie das Abklatschen der Haltestellenschilder zum Beispiel. Das dauert. „Die reine Laufzeit einer Strecke im 15- bis 17-Kilometer-Bereich betrüge rund eine Stunde und 40 Minuten“, sagt Theresa. „Mit der Rückfahrt von der Endhaltestelle dauert das Ganze dann aber etwa vier Stunden.“ Und am Ende muss das ganze Filmmaterial auch noch geschnitten werden. „Auch das dauert dann noch etwa vier Stunden“, verrät die 22-Jährige.
Bald stehen die längeren U-Bahn-Linien von zwanzig bis dreißig Kilometern an, die noch mehr Zeit in Anspruch nehmen werden. Außerdem arbeitet Theresa neben ihrem Studium noch als Werkstudentin und ist bei der EM als Social-Media-Volunteer dabei. „Das ist schon ein bisschen viel, es wird auf jeden Fall ein anspruchsvoller Monat jetzt“, gibt die Stuttgarterin zu. Für ihre nächsten Halbmarathons (Plural!) hat sie sich trotzdem bereits angemeldet. „Und nächstes oder übernächstes Jahr wäre dann ein Marathon richtig toll!“, träumt sie. „Ich bin lieber richtig busy, als dass ich mich langweile.“ Na ja, dass sie womöglich bald die Langweile überkommt, darüber muss sie sich in nächster Zeit auf jeden Fall keine Gedanken machen.