Aus einem Aufruf via Whatsapp ist in Löchgau (Kreis Ludwigsburg) eine Hilfsaktion für die Ukraine samt eigenem Verein entstanden. Anfang April startet eine Gruppe mit sechs Fahrzeugen nach Polen.

„Ich bin sowas von baff“, sagt Uli Eitel. Nie hätte der 62-Jährige erwartet, dass sein Bekanntenkreis derart umfassend Hilfe für die Ukraine leisten wolle. Anfang April startet eine etwa 15-köpfige Gruppe in sechs Fahrzeugen voll mit Hilfsgütern in Richtung ukrainische Grenze. Auf dem Rückweg will sie Flüchtlinge in den nördlichen Kreis Ludwigsburg bringen.

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Helfen zu wollen, aber nicht zu können – aus dieser Situation heraus hatte der Löchgauer Eitel beschlossen, selbst aktiv zu werden: Gemeinsam mit seiner Frau hatte er eine Spendengala im Fernsehen angesehen. Telefonisch kam er nicht durch, um seinen Beitrag zu leisten. Ein angekündigter Rückruf blieb aus, erzählt Eitel. Deshalb startete er selbst einen Aufruf über den Chat-Dienst Whatsapp. Innerhalb kürzester Zeit antworteten Freunde und Bekannte, sie sagten Hilfsgüter, Geldspenden, fünf Sprinter-Kleinbusse und einen Kofferwagen zu. Die Fahrzeuge stellen Firmen und Vereine unentgeltlich für den Trip zur Verfügung. Hilfswillige meldeten sich als Fahrer. „Einer hat gesagt, er bringt drei Kindersitze mit – daran hätte ich gar nicht gedacht“, erzählt Eitel. Zwei Freiwillige wollen mitkommen, die ukrainisch sprechen, einer fürs Polnische, damit es an der Grenze keine Probleme gibt.

Innerhalb kürzester Zeit Spendenkonto ermöglicht

Weil die Gruppe ihre Fahrzeuge mit Babynahrung, Hygieneartikeln, haltbaren Lebensmitteln und Medikamenten belädt, traf Eitel jedoch auf anderweitige Grenzen: Als Privatmann kann er eine Spendenaktion nicht organisieren. Deshalb gründeten seine Mitstreiter und er rasch den Verein „Frieden für die Ukraine“. Innerhalb kürzester Zeit habe das Finanzamt Bietigheim-Bissingen die Körperschaft ausgestellt, damit man ein Spendenkonto eröffnen konnte. „Normalerweise brauchen die dafür Wochen. Man muss Ämter auch einmal loben, wenn sie so etwas möglich machen“, sagt Eitel. Nun hofft er auf Spenden, um den Kraftstoff für die Fahrt bezahlen zu können. Außerdem will er mit dem Geld weitere Medikamente und Hilfsgüter kaufen, denn: „Wir nehmen ganz gezielt nur die Dinge mit, die auch benötigt werden.“

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Zudem führt Eitel schon jetzt zahllose Gespräche, da er niemanden ins Ungewisse fahren wird: „Auf der Rückfahrt bringen wir abgestimmt mit dem zugesagten Wohnraum Flüchtlinge mit.“ Also nur so viele Menschen, wie Unterkünfte dauerhaft und sicher zur Verfügung stehen. Das Ziel der Fahrt wollen die Helfer unmittelbar vor dem Start in den frühen Morgenstunden des 8. April festlegen. Geplant ist, direkt an die polnisch-ukrainische Grenze zu fahren, dort die Hilfsgüter zu übergeben und Menschen mitzunehmen. Sollte es dort zu gefährlich sein, will der Transport eines der großen Auffanglager ansteuern, die auf polnischer Seite entstanden sind. Denn eines gelte an an allen Orten in der Region, sagt Eitel: „Die Not ist groß.“

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