Russlands Außenminister Wer ist eigentlich dieser Lawrow?
Der russische Außenminister zählt zu den gerissenen Veteranen der Weltdiplomatie. Kein Hardliner, aber ein treuer Diener seines Herrn.
Der russische Außenminister zählt zu den gerissenen Veteranen der Weltdiplomatie. Kein Hardliner, aber ein treuer Diener seines Herrn.
Stuttgart - Österreichs ehemalige Außenministerin Karin Kneissl ist überzeugt davon, einen besonders guten Draht zu Sergej Lawrow gehabt zu haben. Den Grund dafür kennt sie auch: Nach dem Essen habe sie mit ihrem russischen Kollegen eine Zigarette geraucht. Rauchende Köpfe sind bei Politikern heute eher sinnbildlich an der Tagesordnung, auch Lawrow erklärt, er habe den Konsum an Kippen im Verglich mit der guten alten Zeit inzwischen zurückgefahren. Als Gesandter Russlands bei den Vereinten Nationen war er noch der einzige, der gegen das Rauchverbot im UN-Gebäude verstoßen hat.
Direkt nach seiner Zeit in New York wechselte Lawrow ins Außenamt und lenkt dort seit 2004 die russische Diplomatie. Er ist der dienstälteste Außenminister der Welt – wenn man von Mohamed Salem Ould Salek absieht, desen Staat Westsahara international nicht anerkannt wird. Pünktlich zum Frühlingsanfang wird Lawrow 72 Jahre alt, und es scheint, als dass er nie so wichtig für seinen Präsidenten gewesen ist wie jetzt. Immer wieder hat Wladimir Putin in den vergangenen Monaten seinen Top-Diplomaten vorgeschickt, um Gesprächspartner aus Europa vorzuführen.
Ob Lawrow dabei selbst immer die Zügel in der Hand hatte, ist unklar. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass Lawrow nicht zu den ganz großen Hardlinern im Kreml zählt. 2019 erklärte er gegenüber der Zeitung Kommersant, dass Russland keinen Krieg mit der Nato anfangen werde. Einen Krieg mit der Ukraine schloss er immer wieder aus. Wenn ehemalige Wertgefährten aus dem Westen über Lawrow reden, dann fallen Begriffe wie hochprofessionell, gebildet und wortgewandt. Letzteres ist Lawrow auch auf englisch und französisch – und vermutlich auch auf singhalesisch. In einer russischen Talkshow verriet er einmal, dass er eigentlich arabisch und französisch studieren wollte, dann aber in den Kurs für singhalesisch gesteckt wurde. Seine erste diplomatische Station war 1972 die Botschaft in Sri Lanka.
In Diplomatenkreisen gilt Lawrow als durchaus witzig, und ähnlich wie Hans-Dietrich Genscher als fähig, jede Situation mit einer Anekdote aufzulockern. Als Stimme Russlands hat er das Land jedoch auch mit harschen Tönen durch die Höhen, vor allem aber die vielen Tiefen im Verhältnis mit den USA und Europa geführt. Er verteidigt die Annexion der Krim durch Moskau im Jahr 2014 und die Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine und widersetzt sich mit Nachdruck jeder Kritik an den Menschenrechtsproblemen Russlands.
Lawrow, einem guten Glas Scotch nicht abgeneigt und stets braun gebrannt, zählt zu den gerissenen Veteranen der Weltdiplomatie. Annalena Baerbock ist nun die sechste deutsche Außenministerin, die sich mit ihm trifft. Chef hatte Lawrow in dieser Zeit nur einen einzigen – Wladimir Putin.