Explosionen auf der Krim Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick
Im Donbass und im Süden werden vermehrt russische Depots hinter der Front getroffen. War die Krim auch ein solcher Schlag?
Im Donbass und im Süden werden vermehrt russische Depots hinter der Front getroffen. War die Krim auch ein solcher Schlag?
Ein brennender russischer Militärflughafen auf der Krim, stockende Offensiven Moskaus im Donbass – im Ukraine-Krieg scheint sich der Aggressor nicht nur nach Angaben des in der Regel gut informierten britischen Militärgeheimdienstes zunehmend schwerzutun. Stimmt das? Und was steckt dahinter? Ein Überblick.
Was ist auf der Krim geschehen?
Dass etwas geschehen ist, ist klar. In den sozialen Netzwerken kursieren Hunderte von Handyvideos, aufgenommen von badehosentragenden Strandbesuchern, die im Hintergrund Feuersäulen zeigen, die in den Himmel steigen. Die russische Regierung hat bisher mehrere Explosionen auf dem Luftwaffenstützpunkt Saki bestätigt, wo Flugzeuge der russischen Schwarzmeerflotte stationiert sind. Demnach seien Munitionsdepots explodiert. Dass es sich dabei um einen ukrainischen Angriff gehandelt habe, behaupten derzeit weder Moskau noch Kiew.
War es ein Unglücksfall?
Völlig auszuschließen ist das nicht. Trockener Sommer, hohe Temperaturen, eventuell fahrlässiger Umgang mit Gefahrengütern – immer wieder geschehen in russischen Munitionsdepots Unfälle. Militärexperten weisen allerdings darauf hin, dass auf den Videos binnen einer Minute bis zu zwölf Explosionen zu sehen seien. Das spräche eher für einen gezielten Angriff.
Wer könnte dahinterstecken?
Dass es sich bei einer so konzentrierten Aktion um den Einsatz von Partisanen handelt, schließen Militärexperten aus. Der Militärflughafen liegt rund 200 Kilometer von den nächsten ukrainischen Stellungen entfernt. Für ukrainische Kampfflugzeuge oder Drohnen wäre das wohl ein zu weiter Weg, ohne bemerkt zu werden. Der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations erklärte gegenüber dem ZDF, es habe sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Angriff mit einer speziellen Boden-Boden-Rakete gehandelt. Die sei von der Ukraine weiterentwickelt worden und nun womöglich erstmals zum Einsatz gekommen.
Was bedeutet das für den Krieg?
Nach russischen Angaben sind die Flugzeuge auf dem Militärflughafen unbeschädigt geblieben. Ob das stimmt, lässt sich nicht überprüfen. Unmittelbar bevor das russische Flaggschiff „Moskwa“ am 14. April im Schwarzen Meer nach einem Angriff sank, hatte Russland auch das Ausmaß der Schäden kleingeredet.
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Die Lage im Donbass
Aus dem Donbass werden weiterhin russische Vorstöße gemeldet, vor allem bei Donezk, Slowjansk und Bachmut. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes sind diese aber nicht mehr so erfolgreich wie noch vor wenigen Wochen. So soll die russische Armee mit ihren Vorstößen auf Bachmut in einem Monat nur zehn Kilometer vorangekommen sein, in anderen Bereichen nur drei.
Die Lage im Süden
Die Armee von einer Million Mann, mit der der ukrainische Präsident die Rückeroberung des Südens angekündigt hat, ist noch nicht im Einsatz. Allerdings scheinen die russischen Truppen Probleme damit zu haben, ukrainische Gegenangriffe zurückzuschlagen. Das ukrainische Militär berichtet, dass ein Angriff der Russen zwischen Cherson und Mykolajiw gescheitert sei. Überprüfen lässt sich das nicht. Ebenso wenig wie die russische Meldung am Mittwoch, einen aus Deutschland gelieferten Gepard-Panzer zerstört zu haben. Was sich allerdings zu bestätigen scheint: Immer mehr russische Munitionsdepots, die sich zum Teil weit hinter der Front befinden, werden von der Ukraine erfolgreich beschossen. Dies könnte ein Hinweis dafür sein, dass westliche Waffentechnik erfolgreich zum Einsatz kommt.
Nachschub aus Russland
In den russischen Regionen fernab der Hauptstadt werden gerade Freiwillige für den Krieg gesucht. In erster Linie Männer bis 50 Jahre und mit niedrigem Schulabschluss, sie sollen bis zu 5000 Euro Prämie erhalten. Der britische Geheimdienst berichtet nun, aus den Freiwilligen werde ein Großverband gebildet. Für gewöhnlich gehörten so einem Verband bis zu 20 000 Soldaten an.
Die Lage in Saporischschja
Die Außenminister der sieben führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) haben Moskau aufgefordert, das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja wieder der vollständigen Kontrolle der Ukraine zu unterstellen. Das Atomkraftwerk ist in russischer Hand und war in den vergangenen Tagen mehrfach beschossen worden. Die Ukraine und Russland beschuldigen sich gegenseitig. Durch den Beschuss sind nicht nur die Reaktoren gefährdet, sondern auch das Zwischenlager für Atommüll. Die ukrainische Atombehörde erklärte, das Kraftwerk solle wohl an das russische Stromnetz angeschlossen werden, um die Krim zu versorgen.