Rutesheim Autobahnnähe macht es für Kriminelle leichter

Fluchtweg  Autobahn. Foto:  
Fluchtweg Autobahn. Foto:  

Die Zahl der Straftaten steigt 2016 deutlich. Besonders Diebstähle beschäftigen die Polizei.

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Rutesheim - Kein Wort hat Ulf Dieter über ein Thema verloren, das wohl viele der zahlreichen Zuhörer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung interessierte: Die Serie von Brandstiftungen in Rutesheim und ihre mögliche Aufklärung.

Kürzlich war ein Tatverdächtiger ermittelt worden (wir berichteten). „Die Kriminalpolizei ermittelt, deswegen dazu keine weiteren Aussagen“, sagte der neue Chef des Polizeireviers Leonberg lediglich.

Dagegen informierten Ulf Dieter und Heiko Roscher, der Leiter des Rutesheimer Polizeipostens, ausführlicher über die Kriminalstatistik 2016, die mit 461 Fällen 80 mehr als im Vorjahr aufweist. Dies war auch im Zehnjahresvergleich die zweithöchste Zahl an Delikten.

Es sind vor allem die Diebstähle, die der Polizei zu schaffen machen. So sind beispielsweise von 20 gestohlenen Fahrrädern insgesamt allein in einer Nacht 16 weggekommen. Allerdings hatte die Diebesbande, die sich auf hochwertige Räder und E-Bikes konzentrierte, Pech.

Glück für die Bestohlenen: Der Kleintransporter mit osteuropäischem Kennzeichen wurde gefunden, und alle gestohlenen Räder aus Rutesheim im Wert von 17 000 Euro kamen zurück.

Der Gemeinderat Harald Brunner, der seinen geklauten Drahtesel auch wieder erhielt, dankte der Polizei. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man so etwas wiederkriegt“, sagte er.

Viele Gartenhausaufbrüche

Zu den besonders schweren Diebstählen, deren Zahl auf 136 angestiegen ist, zählen auch solche nach Einbrüchen in Wohnungen (insgesamt acht, davon drei vollendet) oder etwa in Gartenhäuser. Besonders letzteres ist in Rutesheim ein Thema. „Wir haben viele Gartenhausaufbrüche, vor allem nördlich der Umgehungsstraße“, sagte Heiko Roscher.

Die Nähe zur Autobahn, über die die Täter schnell entkommen können, mache sich hier deutlich bemerkbar. Ulf Dieter ergänzte, dass die Polizei dort verstärkt präsent sei, auch mit Zivilstreifen. Doch bei nächtlichen Einsätzen in Wald- und Feldnähe werde jede Bewegung von den Tätern oft schnell wahrgenommen.

Ebenfalls zu den Einbrüchen gehören aufgebrochene Kraftfahrzeuge. 30 waren das vergangenes Jahr, davon 21 auf dem Höllberg-Parkplatz an der Autobahn, der auch auf der Gemarkung Rutesheim liegt. Fünf komplett gestohlene Wagen – allesamt hochwertig – sind wohl auf Nimmerwiedersehen verschwunden, obwohl zwei noch in Tschechien geortet wurden, so Heiko Roscher.

Überhaupt sei der Einfluss der nahen Autobahn groß, sagten die Beamten. Das gelte für Verkehrsdelikte ebenso wie für Rauschgift- und Einbruchskriminalität.

Wer beging nun diese Straftaten im vergangenen Jahr? Zu den 192 Tatverdächtigen gehörten drei Kinder, zwölf Jugendliche sowie 28 Heranwachsende. Vor allem die letztgenannte Zahl hat sich gegenüber 2015 mehr als verdoppelt (13).

Täter aus allen Herren Länder

Insgesamt waren 111 Deutsche und 81 Menschen anderer Nationalitäten tatverdächtig. Die Zahl der Asylbewerber oder Flüchtlinge lag bei sieben.

Gemeinderat Harald Schaber, der beim Landeskriminalamt arbeitet, sagte, er sehe vor allem im Diebstahlsbereich dringenden Handlungsbedarf. Er kritisierte, dass die Aufklärungsquote in Rutesheim gesunken sei, während sie landesweit gestiegen sei. Gemeinderat Wolfgang Diehm sagte, die Arbeit mit Heranwachsenden sei auch eine Aufgabe des Jugendreferats der Stadt.

Heiko Roscher lobte die gute Zusammenarbeit mit der von der Stadt beauftragten City-Streife. Man habe hier nur positive Erfahrungen gemacht. Auch der Erste Beigeordnete Martin Killinger bestätigte die effiziente Zusammenarbeit der City-Streife mit dem Polizeiposten.




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