Rutesheim Geplante Deponie wird zum politischen Notfall

Von Arnold Einholz 

Verwaltung und Rat der Nachbarstadt lehnen möglichen Standort auf Leonberger Gebiet vehement ab.

Eine Deponie für Erdaushub und Bauschutt ist nicht gerade beliebt. Foto: factum/Archiv
Eine Deponie für Erdaushub und Bauschutt ist nicht gerade beliebt. Foto: factum/Archiv

Rutesheim - Es besteht gar keinen Grund für eine solche Hysterie, da haben sich nicht alle Partner an die Vereinbarung gehalten“, sagte der Rutesheimer Bürgermeister Dieter Hofmann jetzt im Gemeinderat in Richtung seines Sindelfinger Kollegen Bernd Vöhringer.

Gemeint ist damit die seiner Meinung nach viel zu früh losgetretene Diskussion um den Standort einer neuen Erddeponie im Kreis Böblingen. Hier bestehe noch viel Beratungsbedarf, sagte Hofmann.

Doch einmal losgetreten, sei das Ganze nicht mehr aufzuhalten. Weil die Auswirkungen des als Nummer 5 gekennzeichneten Standortes so gravierend negativ für die Stadt seien, stufe er das als kommunalpolitischen Notfall ein, sagte Hofmann. Das erlaube es, die ursprünglich als nicht-öffentlich angesetzte Beratung des Gemeinderates öffentlich zu führen und schon jetzt Stellung zu beziehen.

Und die ist sowohl seitens der Verwaltung als auch der Stadträte einstimmig ablehnend. Obwohl der Standort nördlich von Rutesheim auf Gebersheimer und somit Leonberger Gemarkung liegt, befürchten die Rutesheimer den Großteil der rund 700 000 Lastwagen abzubekommen. So viele sind nämlich notwendig, um die vorgesehene Menge von rund 7,2 Millionen Kubikmeter Erdaushub, Bauschutt und bereits verbrannte Haus-, Gewerbe- und Industrieabfälle über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren anzukarren.

Ja zur Deponie – nur sollte der Standort zentral sein

Was die Rutesheimer weiter stört, ist die Lage des ins Auge gefassten Standortes. „Hier am nördlichen Rande des Landkreises ist es geradezu eine Einladung an Lieferanten aus dem Kreis Ludwigsburg und dem Enzkreis ihren Schutt abzuladen“, meinte der Bürgermeister. Natürlich werde eine neue Deponie benötigt, aber ein zentraler Standort, wie die beiden im Sindelfinger Umland anvisierten, sei da viel günstiger, befand Hofmann.

„Mitten in einen Erholungswald eine Erddeponie zu setzen, ist eine schlechte Idee“, sagte der Gabl-Sprecher Fritz Schlicher. Selbst wenn bei diesem Standort im Beamten-Deutsch von einer „vorübergehenden Waldinanspruchnahme“ gesprochen werde, was so viel heißen will, dass die Fläche später aufgeforstet wird.

„Bei Stau haben wir die Lastwagen alle mitten im Ort“, befürchtete die CDU-Stadträtin Christina Almert. Lena Lanz (UBR) erinnerte daran, dass seinerzeit die gesamte Misere und die Suche nach neuen Lagermöglichkeiten von der Weigerung Schwieberdingens ausgelöst wurde, die Deponie Froschgarben zu erweitern.

„Es besteht also die Gefahr, dass Leonberg das Geld und wir den Verkehr bekommen“, wollte Ulrich Serway von der UBR wissen. „Natürlich gibt es auch Geld für die Lagerung solcher Abfälle“, sagte Bürgermeister Hofmann. Aber er hoffe, dass es nicht dazu kommt, dass Leonberg den Rahm abschöpft und Rutesheim den Großteil des Verkehrs hat. Schon deshalb, weil die Stadtteile Höfingen und Gebersheim heftig ihren Teil davon abbekommen würden.

„Wenn sich Leonberg entscheidet, dann appellieren wir an unsere guten nachbarschaftlichen Beziehungen“, meinte Dieter Hoffman. „Und wir erinnern die Gemeinderäte daran, dass der Verkehr dann über unsere Umgehungsstraße kommt, die, wenn es nach dem Willen Leonbergs gegangen wäre, überhaupt nicht gebaut worden wäre“, sagte der Rutesheimer Rathauschef.

Erddeponie: Mögliche Standorte werden am 13. März vorgestellt

In Leonberg ist Oberbürgermeister Bernhard Schuler ein wenig gelassener. „Wir sind gespannt auf die Präsentation der möglichen Standorte durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises am 9. März in der Sitzung des Planungsausschusses.“ Dann werde man die Argumente für und wieder abwägen. „Dann heißt es gemeinsam mit dem Gemeinderat zu entscheiden, ob Leonberg ein geeigneter Standort ist oder nicht“, sagt Schuler.

Wie geht es nun weiter? Die Anregungen und Bedenken der betroffenen Kommunen werden in eine Vorlage für den Umwelt- und Verkehrsauschuss des Kreistags eingearbeitet. Die fünf Standorte werden dann am 13. März dem Ausschuss vorgestellt.

Der wird dann zwei davon auswählen, die ihrerseits noch einer detaillierten Bewertung unterzogen werden, bevor erst mal eine Entscheidung getroffen wird.