KommentarRWE schasst den Chef der Tochter Innogy Kollision von alt und neu

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Der Energieversorger RWE hat sich mit sofortiger Wirkung von Peter Terium, dem Chef der Tochter Innogy, getrennt. Die Gründe dafür sind kein gutes Omen für den Konzern, meint Redakteurin Eva Drews.

Der Niederländer  Peter   Terium  hat seit 2012 Spitzenjobs bei der RWE  gehabt. Foto: dpa
Der Niederländer Peter Terium hat seit 2012 Spitzenjobs bei der RWE gehabt. Foto: dpa

Essen - Was für ein Paukenschlag so kurz vor Weihnachten: Mit sofortiger Wirkung tritt der Vorstandschef des Energiekonzerns Innogy, Peter Terium, zurück. Seit Sommer vergangenen Jahres leitet er die Tochter des Energieriesen RWE, dessen Chef Terium zuvor war. Innogy, das ist der Zukunftsteil des Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerks: hier ist das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb gebündelt. Bei der alten RWE sind die Altlasten Atom und Kohle geparkt. Beides hat keine große Zukunft: die Kernenergie mit Sicherheit nicht, denn der Ausstieg ist beschlossen. Und die Kohle mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht, denn wenn die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele auch nur ansatzweise ernst meint, wird es auf absehbare Zeit keine Perspektive für die Kohleverstromung in Deutschland mehr geben.

RWE und Innogy: Das sind Verkörperungen der alten und der neuen Energiewelt. Und genau darin liegt wohl auch die Ursache für Teriums Abgang. Sein Vertrag wäre noch bis 2021 gelaufen, und der Niederländer hatte viel vor mit Innogy. Vergangene Woche hatte das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Ihre Überschrift lautete: „Milliardeninvestitionen geplant“. Nicht die aktuell belastenden Probleme auf dem britischen Markt haben den Manager wohl seinen Posten gekostet, sondern die Aussicht, dass Teriums umfangreiche Investitionspläne die Dividendenzahlungen an die Aktionäre auf absehbare Zeit klein gehalten hätten.

Zukunftsgeschäft unterschiedlich interpretiert

Was Zukunftsgeschäft ist, haben Terium und die Anteilseigner offenbar völlig unterschiedlich interpretiert. Für Terium war es Windenergie etwa in den USA, Breitbandnetze, Digitalisierung und Start-up-Kultur. Für die Anteilseigner der RWE, die immer noch 77 Prozent von Innogy hält, sind es eher die sichere Renditen versprechenden Netze. 13 Prozent der RWE-Aktionäre sind – nicht selten klamme – nordrhein-westfälische Kommunen, die auf sichere Einkünfte angewiesen sind. Riskante Investitionen sind ihr Ding nicht. RWE hat viel zu lange auf Atom und Kohle gesetzt – nicht zuletzt dank seiner konservativen Aktionäre. Terium wollte das ändern. Dass er gehen muss, ist keine gute Nachricht für den Konzern.