S-21-Baustelle Planetarium trotzt fast allen Widrigkeiten

Das Planetarium hat  keinen leicht Stand im  Schlossgarten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Planetarium hat keinen leicht Stand im Schlossgarten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit der im Vorjahr abgeschlossenen ersten Teilsanierung steigt die Zahl der Besucher im Stuttgarter Carl-Zeiss-Planetarium wieder kontinuierlich an. Die Einrichtung muss sich aber auf einen neuen Konkurrenten einstellen.

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Stuttgart - Planetarium-Direktor Uwe Lemmer hat Grund zur Freude. 15 Monate nach der im April 2016 abgeschlossenen Teilsanierung nimmt die Zahl der Besucher wieder zu. Bis Ende Juni wurden im laufenden Jahr 69 398 Besucher gezählt. Im Jahr vor der Sanierung waren nicht einmal mehr 120 000 Besucher gekommen.

Ansonsten sieht sich der promovierte Astrophysiker Lemmer, seit September 2008 Direktor der kommunalen Einrichtung, vor großen Herausforderungen. Mit der S-21-Baustelle rund um das Planetarium hat er sich arrangiert, keineswegs aber angefreundet. Der Chef des Carl-Zeiss-Planetariums sehnt sich nach dem Tag, an dem die Arbeiten für den Tiefbahnhof und die Stadtbahn-Haltestelle abgeschlossen sind. Dann, so hofft er, wird auch der zweite Teil der Sanierung abgeschlossen sein. Der Bau steht wie ein Fremdkörper inmitten des S-21-Baustellenfelds zwischen Kränen, Baustraßen und Baugruben.

Blick auf die Pumpstation des Nesenbachdükers

Wie ein Ufo mutet die pyramidale Stahl-Glas-Beton-Konstruktion neben der Baustelle für das Pumpengebäude des Nesenbachdükers an. Auf diese blickt Lemmer aus den oft von Baudreck verschmutzten Fenstern seines Büros. Wenn der Tiefbahnhof fertig und das Gelände darüber neu modelliert sein wird, wird das Planetarium – das sich auf einem der letzten Flecken städtischen Grunds im Schlossgarten befindet – wohl das letzte Relikt der Vor-S-21-Ära im Mittleren Schlossgarten sein. Bis dahin soll es energetisch saniert und der Keplersaal modernisiert sein.

Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nicht einfach

Dass das Planetarium nicht längst Vergangenheit ist, ist das Ergebnis einer Entscheidung des Gemeinderats im Frühjahr 2013. Die Kommunalpolitiker sprachen sich gegen die Verlegung der Einrichtung nach Bad Cannstatt aus, nachdem auch Porsche seine Pläne für den Bau eines Science-Centers für Mobilität aufgegeben hatte. Die denkmalgeschützte Pyramide hätte dann eine neue Verwendung finden sollen. Statt des Umzugs in den Neckarpark wurde die Sanierung beschlossen. Die erste Teilsanierung begann im April 2015 und dauerte ein Jahr. Die zweite muss laut Lemmer bald angegangen werden. Spätestens zur Eröffnung des Tiefbahnhofs soll das Planetarium in neuem Glanz erstrahlen – und technisch auf der Höhe der Zeit sein. Schließlich muss sich die Einrichtung schon bald auf Konkurrenz einstellen: 2019 soll bei der Mitmachausstellung Experimenta in Heilbronn das wohl weltweit modernste Planetarium eröffnet werden – großzügig gefördert von der privaten Lidl-Stiftung. „Heilbronn ist bisher unser Einzugsbereich“, erklärt Lemmer. Seit der Wiedereröffnung im April 2016 gilt das Planetarium Stuttgart als international führend. Das könnte sich mit dem Experimenta-Planetarium ändern.

Zahl der Besucher steigt wieder an

Die Zahl der Besucher war vor der Schließung 2015/2016 stetig gesunken. „Die Leute dachten, wir werden abgerissen, und auch die Technik war in die Jahre gekommen“, sagt Lemmer. Inzwischen hat sich der Trend umgekehrt. „Wir befinden uns aber noch in der Konsolidierung, sind mit unserer leistungsfähigen neuen Technik noch in der ­Experimentierphase.“

„Unseren Besuchern“, so der Direktor des Planetariums weiter, „muten wir derzeit viel zu.“ Vor allem wegen der sich ständig verändernden Wegeführungen über das S-21-Areal. Ob sich die für die nächste Bauphase geplante Wegeführung bewährt – Radfahrer und Fußgänger sollen am Eingang des Planetariums vorbeigeführt werden –, bleibt abzuwarten. Allen Baustellenwidrigkeiten zum Trotz „kommen wir auf der Arbeitsebene mit Bahn, Züblin und SSB gut klar“, sagt Lemmer.

Generalüberholung des Sternenprojektors steht an

Als Nächstes steht die Generalüberholung des seit 2001 eingesetzten Projektors an. „Dieser sorgt mit seiner exzellenten Glasfasertechnik für unnachahmlich gute Sternendarstellungen“, schwärmt Lemmer. Rund 550 000 Euro wird die Überholung kosten. Das Kulturamt hat die Mittel für den Haushaltsplan 2018/2019 beantragt, das Vorhaben mit Priorität eins eingestuft. Technisch schwieriger sei die energetische Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Diese müsse aber dringend in Angriff genommen werden, „denn bei starkem Sonnenschein wird es hier drin brutal heiß, im Winter schnell kalt“. Schwierig aus Lemmers Sicht: „Das Erscheinungsbild soll trotz Dämmung möglichst nicht verändert werden, und doch sollen sich tausend Dinge verändern.“ Nicht zuletzt der Bandschutz spielt bei der Sanierung eine große Rolle.




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