An der A 8 wird für das Projekt Stuttgart 21 gebuddelt. Dass es dann zu Staus kommt, kann eigentlich keinen überraschen, meint der StZ-Redakteur Thomas Durchdenwald.
Stuttgart - Dr Käs isch gässe, pflegt Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu sagen, wenn er auf Stuttgart 21 angesprochen wird. Wie die übrigen Grünen-Granden von Verkehrsminister Winfried Hermann bis Oberbürgermeister Fritz Kuhn zweifelt er nicht an der Realisierung des milliardenschweren Projekts und an seiner demokratischen Legitimation durch die Volksabstimmung.
Angesichts der aktuellen S-21-Schlagzeilen fällt einem aber ein anderer Vergleich aus der Welt der Nahrungsmittel ein: die Suppe, die man sich eingebrockt hat, muss nun auch ausgelöffelt werden. Soll heißen: ein Projekt dieser Größenordnung ist in einer Metropolregion wie der unsrigen nicht ohne massive Beeinträchtigungen zu realisieren. Das ist eine Binse und kann nur den wirklich überraschen, der den Werbesprüchen glaubte, dass unterirdischer Tunnelbau oberirdisch keine Auswirkungen habe.
Das stimmte schon vor Jahren nicht, Dass es tatsächlich falsch ist, wissen seit Monaten Anwohner in Untertürkheim, im Kernerviertel und im Stadtbezirk Nord, die durch Rammarbeiten und Baustellenverkehr massiv belästigt werden – massiver jedenfalls, als die Bahn noch vor Monaten glaubte.
Das gilt wohl auch für die Auswirkungen, die der Bau der Neubaustrecke auf den Autobahnverkehr haben wird und die der Bahn bisher kein Wort wert waren. Mittlerweile befürchtet selbst der nicht als Projektkritiker bekannte Regierungspräsident Johannes Schmalzl auf der A 8 rund um Stuttgart massive Störungen. Die Autofahrer aus nah und fern werden also genug Zeit finden, im Stau ergebnisoffen über die Vor- und die Nachteile von Stuttgart 21 nachzudenken – Nahrungsaufnahme, beispielsweise ein Käsebrötchen, inbegriffen.