S-21-Podiumsdiskussion Ministeriumsvertreter sagt nach Zusage plötzlich ab

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Im Dezember hat ein Vertreter des Landesverkehrsministerium seine Teilnahme an einer S-21-Debatte erklärt. Jetzt sagt er überraschend ab. Die vom Ministerium genannten Gründe wollen die S-21-kritischen Veranstalter nicht so recht glauben.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne, links) schickt keinen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion über S 21. Schließlich komme auch kein Teilnehmer von der Bahn, rechts Vorstand Ronald Pofalla. Foto: dpa/Lino Mirgeler
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne, links) schickt keinen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion über S 21. Schließlich komme auch kein Teilnehmer von der Bahn, rechts Vorstand Ronald Pofalla. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Stuttgart - Doppelt so viele Fahrgäste und Einführung des Deutschlandtakts bis zum Jahr 2030 – das streben Bahn und Bund an, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Doch ist das mit Stuttgart 21 möglich? Oder reicht die Kapazität des Tiefbahnhofs und seiner Zulaufstrecken dafür nicht aus? Antworten auf diesen Fragen „jenseits von politischen Festlegungen und anhand einer wissenschaftlichen Faktenklärung“ sucht eine Veranstaltung am Donnerstag, 16. Januar, 18.30 Uhr, im Rathaus, die vom Linksbündnis im Gemeinderat und dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 organisiert wird. Neben Wolfgang Hesse und Christoph Engelhardt, beides S-21-Kritiker, sollte auch Gerd Hickmann, Abteilungsleiter im Landesverkehrsministerium, auf dem Podium sitzen. Doch der sagte nun überraschend ab. Die Veranstalter sind erbost – und vermuten, dass die Bahn auf den Rückzug gedrängt habe.

Streit um Deutschlandtakt

In der Sache sind die Positionen klar. Nachdem Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Frage gestellt hatte, ob mit Stuttgart 21 die geplanten Zuwächse im Zugverkehr zu realisieren seien, betonte die Bahn, dass Stuttgart 21 geradezu die Voraussetzung dafür sei, dass der Deutschlandtakt und die Fahrgastzuwächse realisiert werden könnten. Darüber und über mögliche Ergänzungen der Schieneninfrastruktur nach S 21 spricht seitdem eine im Oktober eilends einberufene Arbeitsgruppe mit Vertretern des Landes, der Bahn, der Region und der Stadt Stuttgart. Die Teilnehmer haben strengstes Stillschweigen vereinbart. Damit wird nun auch die erst am Dienstagnachmittag erfolgte Absage Hickmanns begründet: Die Gespräche zögen sich hin, er müsse sich mit öffentlichen Aussagen zurückhalten, hieß es aus dem Ministerium. Zudem schicke auch die Bahn keinen Teilnehmer.

Veranstalter: Da steckt die Bahn dahinter

„Da steckt die Bahn dahinter, die ebenfalls eine Teilnahme abgelehnt hat“, mutmaßen Martin Poguntke und Werner Sauerborn vom Aktionsbündnis. Die Bahn wolle nicht, dass ein Vertreter des Landes teilnehme, wenn sie nicht dabei sei. Dazu passe, dass auch der Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) eine Teilnahme abgelehnt habe. „Die Bahn regiert hier durch“, sagt Poguntke. Erbost sind die Veranstalter vor allem darüber, dass Hickmann im Dezember fest zugesagt habe – und da habe es die Arbeitsgruppe ja schon gegeben. Sie haben sich nun an Ministerpräsident Kretschmann gewandt, damit er einen Vertreter des Landes schickt.

Wichtig: Die Veranstaltung findet auf jeden Fall statt. Die Moderation hat Christian Milankovic (Stuttgarter Zeitung).

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