InterviewS-21-Projektsprecher im Interview "Spiel auf Zeit erhöht die Kosten"

Von Fragen von Jörg Nauke, Thomas Braun und  
Abgerechnet wird aber erst am Ende.

Keine Frage - und sicher ist auch, dass das permanente Spielen auf Zeit, das die neue Landesregierung verfolgt, die Kostenrisiken erheblich erhöht. Das ist die einzige Strategie, die zumindest die Grünen verfolgen - verbunden mit der Hoffnung, dass sich die düsteren Prophezeihungen irgendwann bestätigen. Aber darauf kann sich die Bahn unmöglich einlassen.

Der Zeitplan der Landesregierung ist klar: Beginn der Diskussion über den Stresstest noch vor der Sommerpause und dann Volksabstimmung im Herbst.

Der Justizminister selbst ist sich doch gar nicht sicher, wie er dieser Tage erklärt hat, dass ein Ausstiegsgesetz so rasch formuliert sein wird und dann auch zur Abstimmung gestellt werden kann - zumal die Regierung selbst gar nicht allein Herrin des verfassungsrechtlich umstrittenen Verfahrens ist. Wenn bei einer etwaigen Klage der CDU von den Gerichten entschieden werden muss, wird dies dauern. Deshalb ist das für die Bahn eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.

Das Ergebnis der Volksabstimmung abzuwarten hätte für den Konzern aber doch den Charme, im Falle eines Ausgangs in seinem Sinne die Legitimation direkt durch das Volk zu erhalten.

Der neue Verkehrsminister hat ja schon vor seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht Frieden nur einkehren kann, wenn Stuttgart 21 kippt. Ich würde schon darum bitten, nicht immer nur die Bahn bei der Debatte über eine Deeskalation in die Pflicht zu nehmen, sondern auch die Landesregierung, die an die Verträge gebunden ist, die die Vorgängerregierung geschlossen hat.

Versprochen hat Bahnchef Grube aber, nichts zu unternehmen, was dem Ergebnis des Stresstestes vorgreifen würde. Spricht das nicht gegen weitere Vergaben von Aufträgen zum jetzigen Zeitpunkt?

Weder die Bahn noch ich kann und will den Ergebnissen des Stresstests vorgreifen. Allerdings hat die Bahn gestern wiederholt deutlich gemacht, dass aus ihrer Sicht ein neuntes und zehntes Gleis ganz sicher nicht nötig sein werden. Anders verhält es sich mit der zweigleisigen Anbindung des Flughafens, aber das ist ja schon seit Längerem bekannt. Insofern verbauen wir da nichts.

Projektleiter Hany Azer hat sich aus Stuttgart verabschiedet. Wie sehr trifft die Bahn der Ausfall eines Mannes, der alle Einzelheiten des Projekts kennt wie kein anderer?

Natürlich hinterlässt eine Koryphäe wie Hany Azer eine schmerzliche Lücke. Andererseits besteht die DB-Projektbau mittlerweile aus rund 100 Leuten, die allesamt vertraut sind mit Stuttgart 21. Und mit Stefan Penn haben wir einen Nachfolger gefunden, der das Projekt sehr gut kennt.

Was erwarten Sie von dem neuen Mann?

Ich wünsche mir, dass wir mit ihm genauso gut zusammenarbeiten wie zuletzt mit Hany Azer. Helfen wird dabei, dass wir die DB-Projektbau und das Kommunikationsbüro insgesamt enger verzahnen. Dadurch wird der Informationsfluss noch schneller erfolgen können.

Bahn, Stadt Stuttgart, Region Stuttgart und das Land sind die Träger des als Verein organisierten Stuttgart-21-Kommunikationsbüros. Bleibt das Land dabei?

Das hoffe ich und wünsche ich mir - ohne es im Moment konkret sagen zu können. Ich hätte allerdings auch Verständnis dafür, wenn das Land seine Mitgliedschaft bis zur Volksabstimmung ruhen lässt.

Hand aufs Herz: Sind Sie sich sicher, dass Stuttgart 21 realisiert wird?

Ich bin überzeugt davon, dass die Züge durch den Tiefbahnhof rollen werden. Die Bahn hat keine Wahl, sie muss bauen - und das ist auch gut so.

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