InterviewS-21-Projektsprecher im Interview "Da habe ich zumindest Zweifel"

Von Fragen von Jörg Nauke, Thomas Braun und  

Er zweifelt daran, dass Bund und Land sich bei der Streitfrage um den Bahnhof annähern, sagt der S-21-Projektsprecher Wolfgang Dietrich im Interview.

Wolfgang Dietrich Foto: Achim Zweygarth
Wolfgang Dietrich Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Zum Golfspielen, seiner großen Passion, ist Wolfgang Dietrich schon lange nicht mehr gekommen - allzu sehr wird der Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm durch sein Ehrenamt in Beschlag genommen. Zumal es erklärtes Ziel der Grünen in der Landesregierung ist, das Vorhaben doch noch zu stoppen. Dietrich lässt allerdings keine Zweifel daran, dass die Bahn Stuttgart 21 realisieren will und wird. Ein neuer Projektchef soll es richten - und auch das Kommunikationsbüro wird neu aufgestellt.

Herr Dietrich, die Bahn will die Bauarbeiten rund um den Hauptbahnhof in der kommenden Woche wieder aufnehmen - das hat der Konzernchef Rüdiger Grube angekündigt. Warum diese Eile?

Mit Verlaub, von Eile kann keine Rede sein. Die Bahn hat viele Monate innegehalten - auch, um der neuen Landesregierung die Möglichkeit zu geben, sich in Sachen Stuttgart 21 zu positionieren. Aber jetzt sind wir an einem Punkt, an dem die Bahn weiterbauen und weitere Bauaufträge vergeben muss, wenn Zeitpläne und Kosten nicht aus den Fugen geraten sollen. Nur zur Erinnerung: die Bahn verfügt über das Baurecht und ist vertraglich verpflichtet, Stuttgart 21 zu realisieren.

Beim Grundwassermanagement wird die Bahn aber kaum weiterbauen können, nachdem bei den Genehmigungsbehörden offenbar unvollständige Unterlagen zum Schutz des Mineralwassers eingereicht worden sind, wie die Stadt beklagt.

Das Grundwassermanagement steht ja nicht grundsätzlich in Frage. Insofern können die dafür benötigten Rohre jederzeit verlegt werden. Möglich ist jedoch, dass es weitere Auflagen gibt, die die Bahn dann zum Beispiel durch bautechnische Maßnahmen erfüllen wird.

Eine Verlängerung der Baupause bis Herbst würde die Fertigstellung von Stuttgart 21 um drei Jahre verzögern und mit Mehrkosten von 410 Millionen Euro zu Buche schlagen, behauptet die Bahn. Ist das nicht ein Horrorszenario?

Nein, das ist realistisch. Zum einen stehen noch im Juli die Vergaben der Aufträge für den Fildertunnel und den Tunnel vom Hauptbahnhof in Richtung Wangen an. Die Vorbereitungen dazu sind jetzt angelaufen. Platzt die ganze Sache, verliert die Bahn enorm viel Zeit. Zum anderen würde die Baubetriebsplanung über den Haufen geworfen. Beides, Neuausschreibungen und eine neue Anmeldung der Baumaßnahmen, hätten eine Verschiebung um drei Jahre zur Folge. Wir stehen da im Übrigen auch unter dem Druck der Anbieterfirmen, die loslegen wollen.

Die Atmosphäre im Lenkungskreis sei am Montag sachlich gewesen, heißt es - andererseits sind die Fronten zwischen dem grünen Teil der Regierung und der Bahn verhärtet. Kann der Krisengipfel zwischen Ministerpräsident Kretschmann und Verkehrsminister Ramsauer das Problem lösen?

Da habe ich, lassen Sie es mich vorsichtig formulieren, zumindest Zweifel. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass der Bund bereit ist, irgendwelche Kosten zu begleichen, die die Landesregierung von Baden-Württemberg zu verantworten hat. Aber es ist nicht Sache der Bahn, sich darüber einen Kopf zu machen.

Einen Kopf sollte sich die Bahn aber darüber machen, dass Kosten und Risiken nach wie vor nicht wirklich transparent sind. Immer wieder hat es konkrete Hinweise darauf gegeben, dass S 21 schöngerechnet worden ist. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?

Solche Behauptungen werden durch Wiederholung nicht richtiger. Die Bahn hat x-fach klargestellt, dass sie aus heutiger Sicht an den bekannten Zahlen festhält. Ich habe keinen Grund zu zweifeln, dass der Kostenrahmen von 4,5 Milliarden Euro eingehalten wird. Dass dies nur gelingen kann, wenn ein permanentes und intensives Kostenmanagement erfolgt und potenzielle Risiken rechtzeitig identifiziert werden müssen, ist doch aber auch klar. Insofern sollten entsprechende Papiere auch richtig gedeutet werden.

Fakt ist, dass es der Bahn gelingen muss, gegenüber den ursprünglichen Planungen Einsparungen von rund 900 Millionen Euro zu erzielen. Wie viele Millionen sind denn schon zusammengekommen?

Wir befinden uns da in laufenden Verfahren, deshalb kann ich das im Moment nicht näher ausführen.