S 21: Protestbrief an Bahnchef Richard Lutz Grüne im Bundestag machen Druck wegen Stuttgart 21

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Die grüne Bundestagsfraktion verliert allmählich das Vertrauen, dass die Deutsche Bahn das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wieder in den Griff bekommt. In einem Brief an Bahn-Chef Lutz macht sie ihrem Ärger Luft.

Bei Stuttgart 21 hat Bahn-Chef Lutz derzeit wenig zu lachen. Foto: dpa-Zentralbild
Bei Stuttgart 21 hat Bahn-Chef Lutz derzeit wenig zu lachen. Foto: dpa-Zentralbild

Berlin - Die Bundestagsfraktion der Grünen macht wegen der neuen Verzögerungen und Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 Druck beim Vorstand der Deutschen Bahn. Laut einem Brief an Vorstandschef Richard Lutz, der dieser Zeitung vorliegt, verlieren die Grünen allmählich das Vertrauen, dass die Bahn das umstrittene Bahnprojekt wieder in den Griff bekommt. Nachdem die Deutsche Bahn erst kürzlich eine 24-monatige Verzögerung der Fertigstellung habe einräumen müssen, sieht die Bundestagsfraktion den zusätzlichen Zeitverzug als Alarmzeichen. „Dass offenbar im Kreis des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn AG nunmehr weitere zwölf Monate Verzögerung in Rede stehen, schwächt das Vertrauen in die Gegensteuerung durch die Bauherrin“, heißt es in einem Schreiben.

Grüne beklagen unhaltbaren Zustand

Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter, der Verkehrspolitiker Matthias Gastel sowie die beiden Stuttgarter Abgeordneten Anna Christmann und Parteichef Cem Özdemir fordern in dem Brief von der Führung des Unternehmens „kurzfristige und vollständige Aufklärung“. Die Grünen sind erbost darüber, dass Parlamentarier und Bürger nicht durch das Unternehmen selbst über die neuerlichen Kostensteigerungen und Verzögerungen informiert werden. Dass die Baukosten nun auf 7,6 Milliarden Euro beziffert werden und das Bauende erst für 2024 in Aussicht gestellt wird, bezeichnen sie als „schwerwiegende Veränderungen“ des Projekts. „Wir betrachten es als unhaltbaren Zustand, den aktuellen Sachstand ausschließlich über Erkenntnisse der Presse zu erfahren“, monieren die Grünen und bekräftigen zugleich ihre Auffassung, „dass sich die beteiligten Projektpartner an bekannten und etwaigen weiteren Mehrkosten des Projekts nicht beteiligen dürfen.“