S-Bahn im Raum Stuttgart Schon geringe Verspätungen lassen im VVS Anschlüsse platzen

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Eine Analyse des Verkehrsverbunds Stuttgart zeigt, dass viele S-Bahn-Nutzer beim Umstieg stranden. Wenn die S-Bahn nur wenige Minuten Verspätung hat, schauen die Fahrgäste häufig ihren Anschlüssen hinterher.

Wer in einer verspäteten S-Bahn unterwegs ist, verpasst häufig seine Anschlüsse. Foto: Norbert J. Leven
Wer in einer verspäteten S-Bahn unterwegs ist, verpasst häufig seine Anschlüsse. Foto: Norbert J. Leven

Stuttgart - Den Aufsichtsräten des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) liegt seit Kurzem ein brisantes Papier zum Thema S-Bahn vor, das bei der Sitzung des Gremiums am 26. November auf der Tagesordnung steht. In seiner „Analyse der Anschlüsse von der S-Bahn auf Busse und ­weitere Bahnen“ stellt der VVS fest, dass nachmittags im Berufsverkehr bei einer Verspätung von sechs Minuten „206 der im Verbundgebiet untersuchten 373 Anschlüsse nicht erreicht werden“. Das sind rund 55 Prozent.

Schon geringe Verspätungen haben gravierende Folgen

Aber auch wenn die S-Bahnen nur drei Minuten hinter dem Fahrplan liegen, haben Pendler bei 57 von 373 Anschlüssen das Nachsehen – ihr Bus oder ihre Bahn sind schon weg. „Nur wenige Verknüpfungspunkte zeigen sich robust gegenüber einer derartigen Ankunftsverspätung, an vielen S-Bahn-Stationen werden kaum noch Anschlüsse erreicht“, heiß es in der VVS-Studie, die der Aufsichtsrat im Sommer in Auftrag gegeben hatte. Bereits bei mehr als zwei Minuten Verspätung gingen erste Anschlüsse verloren.Untersucht wurde bei der Analyse die Anschlusssicherheit in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag auf S-Bahn-Linien vom Stuttgarter Hauptbahnhof zu den jeweiligen Linienendpunkten. Dafür wurde für ­jede Station die Zeitspanne ermittelt, die Pendlern bleibt, um zu Fuß von der S-Bahn zur Haltestelle des Anschluss-Busses zu gelangen. Die Analyse berücksichtigt stets die „knappsten und kürzesten Übergänge“, weil diese auch „die attraktivsten Fahrempfehlungen“ seien, heißt es in dem Papier. Grundlage des S-Bahn-Fahrplans sei zudem schon immer eine enger Übergangspuffer von zwei Minuten, um „komfortable Reiseketten“ zu ermöglichen. Das setze allerdings voraus, dass „der Zubringer – also die S-Bahn – pünktlich“ sei.

Verpasste Anschlusszüge im S-Bahn-Netz

Verpasste Anschlusszüge im S-Bahn-Netz. Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht.

Gemeinsame Anstrengung erforderlich

Die Analyse zeigt auch, dass es bei der Bahn zwei unterschiedliche Definitionen von Pünktlichkeit gibt. So habe der Verband Region Stuttgart (VRS) als Aufgabenträger mit der DB Regio vereinbart, dass in der Hauptverkehrszeit 91,5 Prozent aller Fahrten eine Verspätung von weniger als drei Minuten und 98 Prozent von weniger als sechs Minuten aufweisen müssen. Die Schienennutzungsbedingungen der DB Netz AG für den Regionalverkehr wichen davon mit einen Tagesdurchschnittswert von 93,5 Prozent mit weniger als 6 Minuten Verspätung deutlich ab.

Laut VVS wies die S-Bahn im Jahr 2012 in der Hauptverkehrszeit bei 75,3 Prozent Fahrten eine Verspätung von weniger als drei Minuten und bei 93,7 Prozent einen Rückstand von weniger als sechs Minu­ten   aus. „Während der Zielwert von DB Netz damit noch knapp erreicht wird, werden die Zielwerte aus dem S-Bahn-Verkehrsvertrag deutlich verfehlt“, heißt es in der Analyse des Verkehrsverbunds. Pünktlichkeit und zuverlässige Anschlüsse sind für den VVS aber „entscheidende Kriterien“ für die Qualität. Durch das immer dichtere Angebot werde die S-Bahn diesem Anspruch nicht mehr gerecht. Nie zuvor habe es im regionalen Nahverkehr ein größeres Angebot gegeben.Um wieder zuverlässig zu verkehren, müssten Infrastruktur und Betrieb verbessert und beschleunigt werden, so die Studie. Beim S-Bahn-Gipfel im Oktober seien mehrere Vorschläge genannt worden, die rasch „zur Systemstabilisierung“ umgesetzt werden müssten. „Ohne gemeinsames Vorgehen aller Verbundpartner wird die Erarbeitung und Umsetzung nachhaltiger Lösungen nicht gelingen.“

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