S-Bahn in Stuttgart Neuer S-Bahn-Start mit abgeschaltetem Schiebetritt

Viele Testfahrer sind schon erfolgreich in die neuen S-Bahn-Züge des Typs ET 430 ein- und ausgestiegen. In der Fotostrecke zeigen wir Eindrücke von der neuen S-Bahn. Foto: Achim Zweygarth 26 Bilder
Viele Testfahrer sind schon erfolgreich in die neuen S-Bahn-Züge des Typs ET 430 ein- und ausgestiegen. In der Fotostrecke zeigen wir Eindrücke von der neuen S-Bahn. Foto: Achim Zweygarth

Von Mitte Dezember an sollen die neuen S-Bahn-Züge vom Typ ET 430 in Stuttgart „behutsam“ in Dienst gestellt werden. Sie waren im Juli vorläufig aus dem Verkehr gezogen worden, weil die Schiebetritte an der Tür und andere Pannen immer wieder zu Verspätungen geführt hatten.

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Stuttgart - Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember will die Bahn die ersten S-Bahn-Züge des neuen Typs ET 430 im zweiten Anlauf in Dienst stellen – vorübergehend mit abgeschalteten Schiebetritten. Das haben der Zughersteller Bombardier und die DB Regio AG am Montag auf einer Pressekonferenz im Hauptbahnhof erklärt. Wegen dieser fehlerhaften Schiebetritte und weiterer Probleme mit der Türsteuerung hatte die Bahn alle bereits eingesetzten ET 430 im Juli wieder aus dem Verkehr gezogen. Zuvor waren etliche der neuen Bahnen wegen technischer Fehler auf der Strecke liegen geblieben.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Bahnen Mitte Dezember mit abgeschaltetem Schiebetritt eingesetzt werden können“, erklärte der Bombardier-Projektleiter Stefan Wätzold. Die betriebsnahen Tests mit mehr als 200 Fahrgästen in der vergangenen Woche seien sehr gut verlaufen. „Dabei haben wir intensiv das Aus- und Einsteigen simuliert“, sagte Wätzold. In der nächsten Woche gebe es weitere nächtliche Testfahren, bei denen geprüft werde, ob die Türen bei Kurz-, Voll- und Langzügen einwandfrei funktionierten. „Wenn alles so gut zusammenspielt, wie wir uns vorstellen, dann erwarten wir die formale Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) für Ende November“, sagte Wätzold.

Ein Termin für den Einsatz der neuen Züge mit funktionsfähigem Schiebetritten sei allerdings noch nicht absehbar. „Wir sind aber mit Nachdruck dabei, das Tür- und Trittsystem zu optimieren“, so der Projektchef. Die Verbesserung der Tritte sei allerdings keine einfache Aufgabe, weil deren Funktionen über viele Schnittstellen eng mit der Zugsteuerungssoftware verknüpft seien. Neben der Verriegelungsmechanik müssten Verspannungen beim Aus- und Einfahren sowie die Hinderniserkennung der Sensoren verbessert werden. „Mit der alten Technik war das gezielte Ausschalten einzelner Tritte durch den Lokführer nicht möglich“, verdeutlichte Stefan Wätzold.

Droht ein neues Zulassungsverfahren?

„Ich hoffe sehr, dass wir Mitte Dezember die ersten ET 430 mit abgeschaltetem Schiebetritt einsetzen können“, betonte Hans-Albrecht Krause, Sprecher der DB Regio-Geschäftsführung. Voraussetzung sei allerdings „grünes Licht vom Eba“. Bombardier habe im Hause in der vergangenen Woche Pläne für eine Anpassung der ET-430-Software vorgestellt, heißt es dazu auf Anfrage beim Eba. Man werde in Kürze darüber entscheiden, ob es sich hierbei um eine umfangreiche Umrüstung handele. „Dann wäre nach dem Gesetz ein Zulassungsverfahren erforderlich“, so die Prüfbehörde. Eine temporäre Deaktivierung der Schiebetritte sei nicht genehmigungspflichtig. Hier müsse das verantwortliche Eisenbahnunternehmen die Sicherheit des Betriebs gewährleisten.

Deshalb will die Bahn die ET 430 „behutsam“ einsetzen. „Wir setzen beim Fahrplanwechsel am 15. Dezember zunächst nur einem Vollzug ein und prüfen, ob alles wie gewünscht läuft“, so Krause. Man habe aber ein großes Interesse daran, so rasch wie möglich mehr neue S-Bahn-Züge, die den Fahrgästen viel Komfort böten, in Dienst zu stellen. Ob in diesem Jahr noch mehr als die bis jetzt im Betriebswerk Plochingen stationierten 13 ET 430 den Liniendienst aufnähmen, sei offen. Bombardier hat inzwischen alle für die Region Stuttgart bestellten 87 Bahnen produziert.




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