S-Bahn Krisengipfel in Stuttgart Pünktliche Bahnen kosten viel mehr Geld

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Im Verkehrsausschuss der Region hat die Bahn eingeräumt, dass höhere Investitionen in die Infrastruktur zwingend notwendig sind. Von Dezember an soll mehr Personal in stark belasteten Stationen eingesetzt werden

Krisengipfel beim Verband Region Stuttgart: Sven Hantel (DB Station und Service), Thomas Bopp, Jürgen Wurmthaler (beide Verband Region Stuttgart), Hans-Albrecht Krause ­(S-Bahn-Sprecher), Lars Grübnau (DB Regio) und Michael Clausecker (Bombardier) versuchen, die S-Bahn wieder pünktlich zu machen. Foto:  
Krisengipfel beim Verband Region Stuttgart: Sven Hantel (DB Station und Service), Thomas Bopp, Jürgen Wurmthaler (beide Verband Region Stuttgart), Hans-Albrecht Krause ­(S-Bahn-Sprecher), Lars Grübnau (DB Regio) und Michael Clausecker (Bombardier) versuchen, die S-Bahn wieder pünktlich zu machen. Foto:  

Stuttgart - Mit mehr Personal auf stark frequentierten Stationen will die Bahn die Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit der S-Bahn in der Region wieder steigern. Im Frühjahr soll zudem ein umfassendes Konzept vorgelegt werden, um die stabile Einhaltung der Fahrpläne zu gewährleisten. Dafür sind allerdings in Zukunft höhere Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur notwendig. Das hat die Bahn am Mittwoch beim S-Bahn-Gipfel des Verbands Region Stuttgart (VRS) erklärt.

Wegen der zunehmenden Beeinträchtigungen auf allen S-Bahn-Linien in der Region steht die Bahn seit mehreren Jahren heftig in der Kritik. Im laufenden Jahr hat sich die Zuverlässigkeit in der Region allerdings weiter erheblich verschlechtert. Darüber äußerten auch die Regionalräte im Verkehrsausschuss ihren Unmut.

Hans-Albrecht Krause, Sprecher des S-Bahnbetreibers DB Regio AG, räumte ein, dass im „Horrormonat Juni 2013“ nur knapp 68 Prozent der Züge im Berufsverkehr geringe Verspätungen bis zu drei Minuten hatten. Das restliche Drittel sei erheblich unpünktlicher gewesen. Im September verbesserte sich diese Quote auf knapp 76 Prozent – weit weniger, als der S-Bahn-Besteller VRS von der Bahn verlangt.

Krause nennt umfangreichen Baustellenverkehr als Ursache

Als Ursachen nannte Krause neben einem umfangreichen Baustellenverkehr vor allem 17 große Störungen an Weichen und Signalen im Juni sowie die Ausfälle von vier neuen S-Bahnen vom Typ ET 430 mit „dramatischen Folgen“ in der Hauptverkehrszeit. Von Januar bis August 2013 waren die DB Regio und die DB Netz nach seinen Angaben für jeweils 15 Prozent der Störungen verantwortlich. Diese lösten im eng getakteten S-Bahn-System wegen der fehlenden Spielräume aber mehr als doppelt so viele „Folgeursachen“ aus, weil Verspätungen wegen fehlender Zeitreserven nicht mehr kompensiert werden konnten. „Bei Verspätungen von sechs Minuten sind viele Anschlüsse für Pendler weg“, so Krause.

Um die Lage zu verbessern, will Krause auf Bahnsteigen an der überlasteten Stammstrecke „um jede Sekunde“ kämpfen. Nach Aussage der DB Netz halten in den Hauptverkehrszeiten dort vier von fünf S-Bahnen (79 Prozent) viel länger als im Fahrplan vorgesehen. Unter anderem komme es auch durch das „veränderte Einstiegsverhalten der Reisenden“ immer wieder zu Verzögerungen.

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