S-Bahn Region Stuttgart Notfahrplan für 2023/24 – das sagt der S-Bahn-Chef

Die S-Bahn Stuttgart hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Foto: Imago//Michael Weber

Auf die Fahrgäste der S-Bahn in Stuttgart kommen schwere Zeiten zu. 2024 gilt nur ein eingeschränkter Fahrplan. Der S-Bahn-Chef erklärt, woran das liegt und wo das Angebot trotz allem besser wird.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Dirk Rothenstein, Chef der Stuttgarter S-Bahn, sieht keine Alternativen zu den diese Woche bekannt gewordenen Einschränkungen beim S-Bahnverkehr im Jahr 2024. Wie berichtet, soll von Mitte Dezember an unter der Woche der Viertelstundentakt bei der S-Bahn bereits um 19 statt wie bisher um 20.30 Uhr in einen 30-Minuten-Takt übergehen, Samstags wird dann – mit Ausnahme der Linie S 6/60 – grundsätzlich nur im Halbstundentakt gefahren. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Für die Fahrgäste ist das Konzept aber die beste Alternativen, statt sich mit ausfallenden Bahnen arrangieren zu müssen.

 

Hoher Krankenstand

Vor allem die Personalstärke macht dem S-Bahnchef zu schaffen. Der Krankenstand beträgt im Schnitt neun Prozent, vor der Coronapandemie seien es fünf Prozent gewesen. Zudem verzeichnet die S-Bahn viele Abgänge. „Die ganze Branche sucht Lokführer. Wir erleben einen historisch engen Arbeitsmarkt“, sagt Rothenstein. Mit gezielten Aktionen sollen Aspiranten gefunden werden. Aber die können eben auch erst nach einer mehrjährigen Ausbildung S-Bahnzüge fahren.

Zudem leidet die Zuverlässigkeit des Nahverkehrs unter dem Zustand des Netzes – und den Bemühungen, diesen wieder zu verbessern. „Wir werden im Jahr 2024 an mehr als der Hälfte aller Samstage Baustellen im Netz der S-Bahn Stuttgart haben“. Das wirke sich natürlich auch auf den Fahrplan aus. Zusätzlich kommen noch gesperrte Gleise wegen des Aufbaus des Digitalen Knoten Stuttgarts. Von 2025 sollen die Züge im Großraum Stuttgart von einer digitalen Technik durchs Gleisgewirr gelotst werden. Damit das auch klappt, müssen allerdings alle 400 Lokführer der S-Bahn eine einwöchige Schulung durchlaufen – was wiederum die Personaldecke dünner werden lässt.

Technische Umrüstung unter Hochdruck

Und auch die S-Bahnzüge müssen für die neue Technik fit gemacht werden. Dafür werden sämtliche 215 Züge der Flotte je für zwei Wochen aus dem Verkehr gezogen. Die Zeit drängt, denn die Technik muss bis Januar 2025, wenn der erste S-Bahn-Abschnitt auf den Fildern auf die neue Technik umgestellt wird, in allen Zügen eingebaut sind. Derzeit gibt es gerade einmal acht Prototypen. Die Zulassung für die umgebauten Züge erwartet Rothenstein für Juni 2024.

Nebenbahnen sollen abgegeben werden

Dem S-Bahnchef ist wichtig, dass man im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten die Folgen des ausgedünnten Fahrplans für die Reisenden abmildern möchte. So werden 2024 alle S-Bahnen zwischen 6 Uhr und 20.30 Uhr als Langzüge, also mit drei aneinandergehängte S-Bahnen, unterwegs sein. Das erhöhe die angebotene Sitzplatzanzahl um 260 000 pro Woche. Die wichtige Station am Flughafen werde zudem trotz der Einschränkungen im Viertelstundentakt angefahren, zu publikumsträchtigen Veranstaltungen wie VfB-Heimspiel, der Fußball-Europameisterschaft, Messen oder dem Volksfest soll es Sonderzüge geben. Außerdem will sich die S-Bahn auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und Nebenbahnen, die sie auch betreibt, vorübergehend an andere Bahnunternehmen abgeben. Konkret geht es um die Strecken zwischen Kirchheim/Teck und Oberlenningen sowie zwischen Kornwestheim und Untertürkheim.

Tacheles in der Regionalversammlung

Am 4. Oktober wird Rothenstein den Regionalräten, die für den S-Bahnverkehr zuständig sind, Rede und Antwort stehen. Dass die verärgert sind, haben sie auf Anfrage unserer Redaktion mehr als deutlich gemacht. Aber Rothenstein ist zuversichtlich, dass sie das vorgelegte Konzept mittragen – auch mit der Perspektive, dass mit dem übernächsten Fahrplan von Mitte Dezember 2024 an wieder Normalität einkehren soll.

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