S-Bahn-Sperrung Waiblingen und Bad Cannstatt Zum Start des Ersatzverkehrs geht es teilweise hektisch zu

Immer wieder bilden sich langen Schlangen vor den Bussen. Foto: Alexander/üller

Am ersten Arbeitstag der S-Bahn-Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen herrscht große Hektik. Manche Busse sind überfüllt, einige Fahrgäste landen auch nicht am richtigen Ziel.

„Ich hatte keine Erwartungen, daher konnte ich nicht enttäuscht werden. Es ist alles ziemlich hektisch“, sagt ein junger Mann auf dem Weg zur Arbeit. Am Montagmorgen bilden sich um 7 Uhr immer wieder lange Fahrgast-Schlangen. Das ganz große Chaos am ersten Arbeitstag der Bahnsperrung zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen bleibt aber aus.

 

Immer, wenn ein Zug oder eine S-Bahn ankommt, ist der Andrang dennoch groß. „Besonders extrem war es um kurz nach 6 Uhr“, berichtet Zejnel Muric. Im Auftrag der Deutschen Bahn ist er mit seinen Kollegen dafür zuständig, dass die Fahrgäste den richtigen Bus finden. Das gelingt nicht immer. Als Problem erweist sich, dass nicht an allen Fahrzeugen die digitale Leuchtanzeige an der Front funktioniert. „Das hat schon ein wenig etwas von Chaos“, so eine ältere Dame.

Die Fahrt zur Arbeit dauert deutlich länger

Hinzu kommt, dass der Streik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nach dem Vergleich mit der Deutschen Bahn zwar abgewendet werden konnte, allerdings fuhren die S-Bahnen am Montagmorgen lediglich im Stunden-Takt. „Ich habe von Weinstadt bis nach Waiblingen bereits mehr als eine halbe Stunde benötigt“, ärgert sich Marina Ilic. Nun wartet sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Melanie Seidle-Knell aus Backnang an der Ersatzbushaltestelle. „Es ist teilweise ein einziger Menschenstrom“, staunt die Backnangerin. Immerhin rund 90 000 Pendler nutzen den öffentlichen Nahverkehr zwischen Rems-Murr-Kreis und Bad Cannstatt täglich. Auch die beiden Frauen müssen um 8.30 Uhr an ihrer Arbeitsstelle im Gerber-Viertel anfangen. „Das werden wir nicht schaffen, haben auch schon Bescheid gegeben“, sagen sie und besteigen den Express-Bus zum Stuttgarter Hauptbahnhof. „Von dort müssen wir dann schauen, wie wir weiterkommen.“

Um den Andrang zu entzerren, hat die Bahn drei verschiedene Linien eingerichtet. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die meisten Fahrgäste in die Stuttgarter Innenstadt müssen. Als kluger Schachzug erweist sich dabei der Einsatz von Doppelstockbussen. Manche Fahrzeuge sind zwar dennoch rappelvoll, aber „ansonsten würden noch mehr Personen hier warten müssen“, freut sich Hermann Schmid vom Aktionsteam Streckensperrung der Deutschen Bahn.

Das Auto ist keine Alternative

Vereinzelt kommt es dennoch zu Lücken in der langen Schlange der Busse. „Mit wenigen Ausnahmen, bei denen es einmal zehn Minuten länger gedauert hat, konnten wir aber die avisierten Fahrzeiten einhalten“, sagt Bahnsprecherin Ulrike Bebermeier. Die Deutsche Bahn versucht, die Wartezeit mit kostenlosem Kaffee und Brezeln zu versüßen. „Man benötigt einfach deutlich länger“, weiß Jelena Markovic. Deshalb ist sie auch eine Stunde früher dran, um wie üblich von Waiblingen aus zur Arbeitsstelle am Klinikum Stuttgart in Bad Cannstatt zu pendeln.

Daher nimmt sie die Expressbuslinie in die Sauerwasserstadt. Als Alternative kommt für sie das Auto nicht in Frage. „Dann stehe ich gleich zweimal im Stau – morgens und abends.“ Allerdings läuft der Verkehr im Kappelbergtunnel sowie über die Stuttgarter und Waiblinger Straße durch Fellbach und Bad Cannstatt überraschend reibungslos. Einzig nach dem Fellbacher Stadttunnel und kurz vor Bad Cannstatt gibt es einen kleinen Stau. Offenbar haben viele Arbeitnehmer auf den zunächst angekündigten Warnstreik der Eisenbahner und die Streckensperrung reagiert und sind einfach im Homeoffice geblieben. Überraschend ist auch die Routenwahl der Direktverbindung nach Cannstatt: Nicht wie von der Bahn angekündigt durch den Kappelbergtunnel, sondern auf der Alten B14 durch Fellbach. „Vereinzelt kann das zum Start sicher auch noch vorkommen“, entschuldigt sich Bebermeier. Man würde das sehr genau beobachten.

Busfahrer nimmt die falsche Route

Ohne große Probleme rollt der fast leere Bus nach rund 25 Minuten auf der Rückseite des Cannstatter Bahnhofs ein. An der Ersatzbushaltestelle, die aufgrund des Umbaus des Bahnhofsvorplatzes für die Fußball-EM 2024 in die Kegelenstraße verlegt wurde, ist es ruhig. Auch weil die Stadt auf die Kritik der Anwohner im Veielbrunnen, die um die Sicherheit der Kinder fürchteten, reagiert hat. Die enge Anliegerstraße wurde auf Höhe des Bahnhofeingangs noch einmal verbreitert.

Dennoch kommt bei den zahlreichen Helfern kurz darauf Unruhe auf. Denn zwei weibliche Fahrgäste beschweren sich massiv darüber, dass sie in Waiblingen falsch gelotst wurden. „Anstatt in Fellbach stehen wir nun in Bad Cannstatt und in acht Minuten müssen wir mit der Arbeit beginnen. Das reicht nicht mehr.“

Und der nächste Streik steht bereits vor der Tür. An diesem Dienstag hat die Gewerkschaft Verdi zu einem Warnstreik bei den privaten Omnibusunternehmen in Baden-Württemberg aufgerufen. Laut Deutscher Bahn ist der Schienersatzverkehr davon aber nicht betroffen. „Die eingesetzten Fahrer gehören der EVG an und können sich daher nicht beteiligen“, bestätigt Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert. Die Busse werden somit auch am Dienstag rollen – wenn auch noch etwas chaotisch.

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