S-Bahn Stuttgart 1. Klasse wird nicht abgeschafft

Sind die 1.-Klasse-Abteile in der S-Bahn wirklich nötig – vor allem wenn die Züge ansonsten in der Hauptverkehrszeit proppevoll sind. Eine Mehrheit in der Regionalversammlung meint: Ja.

Fast 184 Sitzplätze hat eine S-Bahn ET 430. Durch die Aufgabe des 1.-Klasse-Abteils könnten zusätzliche dazukommen. Foto:  
Fast 184 Sitzplätze hat eine S-Bahn ET 430. Durch die Aufgabe des 1.-Klasse-Abteils könnten zusätzliche dazukommen. Foto:  

Stuttgart - In der S-Bahn wird es auch künftig eine 1. Klasse geben. Das hat der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung am Mittwoch mit den Stimmen von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern beschlossen. Notwendig war diese Entscheidung geworden, weil im Zuge des Kaufs von 56 neuen S-Bahnfahrzeugen auch die bisherigen S-Bahnen technisch und optisch auf Vordermann gebracht werden sollen. Wie dies genau aussehen wird, wird momentan zwischen dem Verband Region Stuttgart und der Deutschen Bahn erörtert. Voraussetzung für dieses Redesign ist aber, dass klar ist, ob es die 1. Klasse-Abteile in den S-Bahnzügen weiter geben soll. Vor allem SPD und Linke hatten sich für ihre Abschaffung stark gemacht, damit es im Berufsverkehr in den überfüllten Zügen mehr Platz gibt.

16 Sitzplätze in 1. Klasse

Momentan werden in jeder S-Bahn 16 Sitzplätze in der 1. Wagenklasse angeboten, werden also drei Einheiten zum Langzug zusammengekoppelt sind es 48 Sitzplätze. Bei Einzelfahrten müssen 1.-Klasse-Nutzer zum gültigen Fahrschein ein Kinderticket zusätzlich kaufen, bei Tagestickets sind ein weiteres Ticket erforderlich, bei Zeittickets sind Aufschläge notwendig (Woche: 19,40 Euro, Monat: 61,10, Jahr: 611 Euro). Insgesamt werden dadurch Mehreinnahmen von mehr als 500 000 Euro erzielt.

Nur zu zehn Prozent ausgelastet

Neben der ruhigeren Atmosphäre habe die 1. Klasse vor allem den Vorteil, dass auch in den Hauptverkehrszeiten freie Sitzplätze da seien, sagte der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. Zur Hauptverkehrszeit ist 1. Klasse zu 36 Prozent ausgelastet, über den gesamten Tag sogar nur zu zehn Prozent. Zudem könnten bei einem Verzicht, rund zehn Prozent mehr Sitzplätze für alle Fahrgäste angeboten werden. S-Bahnen der moderneren Reihe ET 430 haben 184 Sitzplätze, die der ET-423-Baureihe 192.

Mehr Werbung für 1. Klasse

In der Debatte im Verkehrsausschuss sprach sich Dirk Rothenstein, Chef der Stuttgarter S-Bahn, für die Beibehaltung der 1. Klasse aus. Sie sei ein Angebot für Leute, die während der Fahrt ihre Ruhe haben oder konzentriert arbeiten wollten. Er kündigte an, dass man dafür künftig auch mehr werben wolle. „Der Wegfall dieser Plätze bringt keine nennenswerten Vorteile, aber wir sollten diese Qualität weiter anbieten“, sagte der CDU-Regionalrat Helmut Noe. Eva Mannhardt von den Grünen sah dies ebenso: Es gebe keinen vernünftigen Grund für die Abschaffung der 1. Klasse, zumal dadurch auch Einnahmen wegfallen würden. Dem schlossen sich auch Bernhard Maier (Freie Wähler) und Armin Serwani (FDP) an. „Die Fahrt in der 2. Klasse ist oft kein Vergnügen. Wir sollten den Leuten, die deshalb die 1. Klasse nutzen und dafür mehr bezahlen, diese Möglichkeit nicht nehmen“, sagte Maier. Ganz anders werteten dies SPD und Linke. „Entscheidend ist, dass wir nach dem Verzicht auf die 1. Klasse mehr Platz für alle haben“, sagte der SPD-Regionalrat Harald Raß, zumal die Auslastung der 1. Klasse „sehr überschaubar“ sei. Auch Christoph Ozasek (Linke) hält eine 1. Klasse im Nahverkehr für überflüssig, in S-Bahnen in anderen deutschen Städten gebe es dies nicht.

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