S-Bahn und Stadtbahn auf den Fildern Die Gemeinderäte sind am Zug

Von und Jens Noll 

Der Durchbruch bei der Finanzierung neuer Schienenstrecken auf den Fildern löst vor allem in Leinfelden-Echterdingen ein differenziertes Echo aus.

In etwa auf Höhe des ehemaligen Getränkemarkts an der Max-Lang-Straße in Leinfelden wird die künftige Endstation der Stadtbahnlinie U 5 gebaut. Foto: Norbert J. Leven
In etwa auf Höhe des ehemaligen Getränkemarkts an der Max-Lang-Straße in Leinfelden wird die künftige Endstation der Stadtbahnlinie U 5 gebaut. Foto: Norbert J. Leven

Leinfelden-Echterdingen/Filderstadt - Noch im September und Oktober will Rathauschef Roland Klenk den nun vorliegenden Kompromiss zur Finanzierung des Ausbaus von Stadtbahn und S-Bahn auf den Fildern von den Gemeinderatsgremien in Leinfelden-Echterdingen absichern lassen. Das kündigte der Oberbürgermeister am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung an, nachdem die Einigung zwischen dem Land, den Städten Stuttgart, L.-E, Neuhausen und Filderstadt, den SSB, sowie dem Landkreis Esslingen bekannt geworden war. Seit einem Jahr hatten die Beteiligten über die Kostenaufteilung für eine Verlängerung der Stadtbahnlinie U 6 vom Fasanenhof zur Messe und zum Flughafen, der Stadtbahnlinie U 5 vom Bahnhof bis zur Markomannenstraße in Leinfelden sowie einen Streckenneubau der S-Bahn zwischen Bernhausen und Neuhausen verhandelt.

OB Klenk ist zuversichtlich, dass sein Gemeinderat dem Verhandlungsergebnis mehrheitlich zustimmen wird. Die Große Kreisstadt wird für den Ausbau der U 6 insgesamt 3,6 Millionen Euro berappen müssen, 2,6 Millionen davon werden erst nach der Aufsiedlung des interkommunalen Gewerbeparks Echterdingen-Ost fällig. „Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir auch von der Zahlung des Betriebskostenanteils in Höhe von jährlich 290 000 Euro befreit“, sagt Klenk. Bei der Verlängerung der Stadtbahn zur neuen Endhaltestelle Markomannenstraße kommt die Stadt L.-E. noch günstiger weg: Ihr Anteil daran werde bei 0,7 Millionen Euro liegen. 15 000 Euro betrage hier der jährliche Betriebskostenzuschuss, so der OB.

„Die SSB haben sich bewegt“

Klenk spricht von „akzeptablen Rahmenbedingungen“ und rät den politischen Gremien in der Stadt zur Zustimmung. In den Verhandlungen habe er „für die Stadt einiges herausholen können“. Dazu zählt er „auch eine verträglichere Trassenführung“ der U 6 im Bereich der Felder im Gewann Lachenäcker entlang der B 27. „Hier haben sich die SSB bewegt“, stellt der OB fest. Aus den Verhandlungen habe er die Erkenntnis mitgenommen, dass eine Ablehnung aus Leinfelden-Echterdingen das Gesamtprojekt nicht zu Fall bringen würde.

Kritisch äußern sich nach wie vor die Freien Wähler zum Ausbau der Stadtbahn zum Flughafen. Deren Nutzen für die Stadt stufen sie trotz einer Haltestelle auf Höhe der Stadionstraße als gering ein. Wie sich die Fraktion bei der Abstimmung verhalten werde, sei noch nicht besprochen, sagt deren stellvertretender Vorsitzender Joachim Beckmann. Ähnlich ist die Lage bei den Grünen, die sich, wie es Frank Mailänder ausdrückt, in einer Zwickmühle befänden. Einerseits sei man für den Ausbau des Schienenverkehrs, andererseits halte man die U 6 für das falsche Projekt. Wie die Freien Wähler sehen die Grünen in einem Wiederanschluss Echterdingens an die U 5 das sinnvollere Vorhaben. Sprecher von CDU, FDP/L.-E.-Bürgern und SPD betrachten die Verlängerung der U 5 bis zur Markomannenstraße jedoch als „ersten Baustein“ (Wolfgang Haug, FDP) für diese Fortführung. Als „akzeptable Lösung“ bezeichnet Harry Sandlaß (CDU) das Verhandlungsergebnis. Erich Klauser (SPD) nennt es „ein sehr gutes Ergebnis“.

Region kauft drei neue Züge

Für die Verlängerung der S-Bahn von Bernhausen über Sielmingen nach Neuhausen schätzt der Verband Region Stuttgart (VRS) die Bau- und Planungskosten auf 92 Millionen Euro. Weil sich die Strecke der Linie S 2 durch den Neubau um 3,9 Kilometer verlängert, muss der VRS zudem drei neue Züge im Gesamtwert von 18 Millionen Euro kaufen. Wie Filderstadts Bürgermeister Reinhard Molt auf Nachfrage mitteilt, blieben nach Abzug der Zuschüsse von Bund und Land noch 48,6 Millionen Euro übrig, die finanziert werden müssen.

Hiervon, rechnet Molt vor, zahlt der Verband 32,4 Millionen. Jeweils 8,1 Millionen Euro müssen der Landkreis sowie Neuhausen und Filderstadt stemmen. „So wie derzeit die vertragliche Situation aussieht, möchte man diesen restlichen Anteil halbieren“, sagt der Bürgermeister. Damit der Vertrag für das Projekt unterschriftsreif wird, braucht es allerdings noch die entsprechenden Beschlüsse im Kreistag und in den kommunalen Gremien. In Filderstadt wird der Gemeinderat am 30. September öffentlich abstimmen.

Betriebskostenanteil noch nicht bekannt

Dass Filderstadt mit einem Eigenanteil von rund vier Millionen Euro die neue In­frastruktur bekommen kann, findet Molt eine „tolle Sache“. Zur Höhe des Betriebskostenanteils, der auf die Stadt zukommt, „gibt es noch keine konkreten Zahlen“, so Molt.




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