S-Bahn-Verlängerung von Bernhausen nach Neuhausen Zwischen Verkehrsentlastung und Baulärm

Baubürgermeister Reinhard Molt zeigt Stadträten und Bürgern wo der Bahnhof Sielmingen sein soll Foto: Malte Klein
Baubürgermeister Reinhard Molt zeigt Stadträten und Bürgern wo der Bahnhof Sielmingen sein soll Foto: Malte Klein

Filderstadts Baubürgermeister Reinhard Molt spricht an der Bahnhofstraße in Sielmingen darüber wie die S-Bahnen nach der Trassen-Verlängerung von Bernhausen nach Neuhausen fahren sollen.

Lokales: Malte Klein (mfk)
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Sielmingen - Dort, wo in Sielmingen an der Bahnhofstraße einmal S-Bahnen halten sollen, steht an diesem Tag eine Gruppe Lokalpolitiker und Bürger. Sie sind gekommen, um von Filderstadts Baubürgermeister Reinhard Molt zu erfahren, wie die S-Bahn-Strecke von Bernhausen über Sielmingen nach Neuhausen verlaufen soll und wie die Station Sielmingen geplant ist. Zu dem Termin hat die SPD gemeinsam mit der CDU, der FDP, den Freien Wählern und den Grünen/FFL eingeladen. Am Treffpunkt stand schon früher der Sielminger Bahnhof mit dem Kraut-Verladegleis.

Ob die S-Bahn-Linie 2 wirklich nach Neuhausen verlängert wird und am Sielminger Ortsrand wieder Passagiere ein- und aussteigen werden, klärt sich erst im Planfeststellungsverfahren. Der SPD-Fraktionschef Walter Bauer ist zuversichtlich. „Es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, aber das politische Umfeld ist günstig“, sagt er. Im Gemeinderat gibt es eine Mehrheit für die Verlängerung. Der Termin vor Ort sei wichtig, weil er von Bürgern auf den Bahnhof angesprochen werde.

Station Sielmingen in Troglage

Molt weiß bereits, wie die S-Bahnen von Bernhausen nach Neuhausen fahren sollen. Zunächst solle ein weiterer Tunnel an den jetzigen ab der Gartenstraße anknüpfen und bis hinter die Nürtinger Straße geführt werden. Danach soll die Strecke über 200 bis 250 Meter in einem Trog geführt werden. „Dann wird die Strecke runtergeführt und unterquert die Bahnhofstraße“, sagt Molt und erklärt: „Neue Bahnstrecken dürfen nicht mehr niveaugleich Straßen kreuzen.“ Die Station Sielmingen soll auch in Troglage im Niveau unterhalb der Straße entstehen. „Zur Bahnhofstraße hin sollen eine Treppe und ein Aufzug gebaut werden“, sagt Molt. Das hält der Bürger Karlernst Schmeißer für zu wenig. Er fragt, ob man nicht einen zweiten Aufzug in Richtung des Gewerbegebiets bauen könne. Molt hält das für unrealistisch. „Ein Aufzug ist der Mindeststandard. Einen zweiten Lift betreibt niemand.“

Molt kann auch etwas zum S-Bahn-Betrieb sagen: „Die Züge nach Bernhausen sollen immer vor der Bahnhofstraße halten. In Richtung Neuhausen soll der Haltepunkt je nach Zuglänge variieren.“ Molt spricht von Berechnungen, nach denen im 8000 Einwohner zählenden Sielmingen 1500 Menschen täglich in die S-Bahn ein- und aussteigen. „Das ist konservativ gerechnet. Ich kann mir vorstellen, dass es 1800 sind.“ Diese würden Sielmingen um 1000 Autos täglich entlasten.

Züge sollen ab Januar 2019 rollen

Die Passagiere sollen die verlängerte S-Bahn-Linie spätestens ab Januar 2019 nutzen. „Dann muss sie in Betrieb sein, damit wir Geld über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bekommen“, sagte Molt. Die Bauarbeitensollen idealerweise 2016 beginnen.

Ein Mann beschwert sich, dass die S-Bahn überhaupt verlängert werden soll. „Als ich in das Gewerbegebiet gezogen bin, war nie die Rede davon, dass eine S-Bahn-Strecke gebaut wird.“ Er sorgt sich, dass sein Keller beschädigt werden könnte. „Dann würden Werte kaputt gehen.“ Molt geht auf den Einwand nicht ein. Eine Frau fragt nach Bauplänen. Damit kann Molt nicht dienen: „Wir sind noch in einem ganz frühen Stadium.“ Andere Anwohner sorgten sich, über welche Straßen Erde abtransportiert wird. Die Baumaßnahme werde ein Eingriff sein, sagt Molt. Schließlich müsse der Dreck irgendwohin. „Hauptsache, er wird nicht über die Bahnhofstraße abgefahren, sonst passiert ein Unglück“, regt sich eine Frau auf.

Große Zuschüsse für Trassenverlängerung

Molt nennt die Verlängerung nach Neuhausen eine Chance für Filderstadt – auch wegen der Zuschüsse. „Von den 100 Millionen, die die Verlängerung nach Neuhausen kostet, müssten wir als Stadt nur sechs Millionen zahlen. Das wäre so, als ob man für ein Kleid, das sonst 100 Euro kostet, nur sechs Euro bezahlen muss“, sagt Molt und bezieht Position: „Wer da nicht zugreift, ist selber Schuld.“




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