Die Zeit des Schienenersatzverkehrs am Bahnhof Waiblingen ist vorerst beendet. Foto: Dirk Herrmann
Vier Wochen Bus statt Bahn zwischen Waiblingen und Cannstatt sind vorbei. Pendler atmen auf – doch der Frust sitzt zum Teil tief. Und die nächste Sperrung ist absehbar.
Ein leises Aufatmen liegt in der Luft: An diesem Mittwoch endet der Schienenersatzverkehr zwischen Waiblingen und Bad Cannstatt – zumindest bis auf Weiteres. Nach vier Wochen im Takt der Busse kehrt die S-Bahn zurück auf die Gleise. Für viele Pendler ist das mehr als eine technische Umstellung. Es ist die Rückkehr zur Berechenbarkeit im Alltag.
Trotz einiger Kritik zieht die Deutsche Bahn eine positive Bilanz. Schließlich hätten die Ersatzbusse immerhin rund 29.000 Fahrten und 337.000 Kilometer zurückgelegt, so ein Bahnsprecher – eine Strecke von mehr als acht Erdumrundungen. Der Großteil davon sei auf den Abschnitt zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen entfallen, wo die Busse in dichter Taktung unterwegs waren.
Bahn lobt Taktung, Pendler erlebten auch Chaos
Auf dem Papier wirkt das System tatsächlich durchgetaktet: 24 Fahrten pro Stunde, ergänzt durch zusätzliche Busse bei Großereignissen wie Heimspielen des VfB. Kaum Wartezeiten, stabile Abläufe – so bilanziert die Bahn. Doch wer morgens an den Haltestellen stand, erlebte auch eine andere Wirklichkeit.
Manche Pendler fühlten sich im Regen stehen gelassen. Foto: Gottfried Stoppel
Überfüllte Busse, gereizte Stimmung, verlängerte Reisezeiten: Die Kritik aus Politik und von Pendlern war deutlich. Von „chaotischen Zuständen“ und „unzureichenden Kapazitäten“ war zumindest anfangs die Rede.
Zumindest war die Sperrung dieses Mal lange angekündigt. Hintergrund sind Bauarbeiten für den digitalen Bahnknoten Stuttgart, konkret die Umrüstung auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS. Ein Projekt, das Zukunft verspricht – aber Gegenwart kostet. Zeit, Nerven, Vertrauen.
Die Bahn verweist darauf, dass sie das Verkehrsaufkommen auf den Straßen nicht beeinflussen könne. Staus, Unfälle, Umleitungen – all das schlage natürlich direkt auf den Ersatzverkehr durch. Gleichzeitig betont der Bahnsprecher die Anstrengungen hinter der Organisation: ein logistischer Kraftakt, getragen auch vom Verband Region Stuttgart und der Regionalpolitik.
Echtzeit-Updates und mehr Personal: Bahn plant Verbesserungen
Immerhin: Verbesserungen sind angekündigt. Künftig sollen Ersatzbusse in Echtzeit in den Fahrplänen auftauchen. Zusätzliches Personal soll Fahrgäste lenken, Übergänge erleichtern, Orientierung geben. Kleine Stellschrauben, die im Alltag große Wirkung entfalten könnten.
Denn eines bleibt auch nach dem Ende des Ersatzverkehrs: die Gewissheit, dass dies nicht die letzte Sperrung war. Weitere Bauphasen stehen an. Weitere Wochen, in denen Busse die Schienen ersetzen. Der jetzige Moment ist deshalb kein Abschluss – eher eine Pause im Dauerzustand.
Für die Pendler zählt vor allem eines: Verlässlichkeit. Wenn die Züge wieder rollen, kehrt ein Stück Alltag zurück.