S-Süd Das Wilde ins Gepflegte bringen

Von Tatjana Eberhardt 

Allerorts wird vom Insektensterben geredet. Was kann der Einzelne tun, um bedrohten Arten zu helfen?

Der Blattwerk-Schaugarten beweist,  Wildes und Gemüse  koexistieren. Foto: Tatjana Eberhardt
Der Blattwerk-Schaugarten beweist, Wildes und Gemüse koexistieren. Foto: Tatjana Eberhardt

S-Süd - Steinwüsten, ordentliche Ladungen an Insektenschutzmitteln oder eine monotone Gartenlandschaft statt einer Durchmischung verschiedener Pflanzenarten: Das sind nur ein paar der Gründe, die verantwortlich dafür sind, warum Insekten und andere Tierarten ums Überleben kämpfen und das Summen zunehmend verstummt. Laut dem Artenschutzbericht der Bundesregierung sind ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in Deutschland gefährdet – darunter Wildbienen, Schmetterlinge, Libellen sowie Heuschrecken- und Laufkäferarten.

Grüne Erholung

„Mein absoluter Alptraum sind diese Steinwüsten, die man im Grunde nicht mal mehr als Gärten bezeichnen kann. Mein Garten ist für mich ein Ort der Erholung und dazu gehört viel Grün. Was allerdings bei mir nichts zu suchen hat, ist das Unkraut Girsch – das liegt aber daran, dass ich eine Vielfalt an Gartenstauden habe”, sagte Umweltminister Franz Untersteller, der Landschaftsarchitektur in Nürtingen studiert hat. Vor Kurzem waren er und Reiner Bierig vom Verband Garten- und Landschaftsbau zu Gast bei Hartmut Bremer und Eric Raasch von der Blattwerk Gartengestaltung GmbH in Stuttgart-Kaltental. Im Schaugarten sprachen sie über die Artenvielfalt im urbanen Raum und wie Artenschutz für jedermann möglich wäre – und das mit geringem Aufwand, niedrigen Kosten und ohne, dass die Optik der grünen Oase leiden muss.

„Viele Gartenbesitzer wollen einen möglichst pflegeleichten Garten und denken, dass Artenschutz große Herausforderungen und Arbeit mit sich bringt”, sagte der gelernte Landschaftsgärtner Eric Raasch. „Dabei wissen die meisten nicht, dass ein gemähter Rasen viel mehr Pflege erfordert als beispielsweise Blumenbeete, die ein Habitat für viele Arten sein können – sie sind einfach anzulegen, kostengünstig und sehen schön aus.”

Zuhause im Totholz

Hartmut Bremer ergänzte: „Es wäre auch gut, wenn die Bereitschaft da wäre, sich mit dem Verfall anzufreunden beziehungsweise einfach mal verwesende Blätter und Blütenreste liegen zu lassen. Dadurch schenkt und erhält man vielen Arten einen Lebensraum. Auch Totholz bietet einen Brut- und Rückzugsort für Krabbeltiere sowie ein Laubhaufen oder eine Mauer, die unter anderem Eidechsen einen Unterschlupf bietet“.

Eine weitere Möglichkeit, den vom Aussterben bedrohten Wildbienen und auch anderen fliegenden oder krabbelnden Gartenbewohnern im eigenen Garten zu schützen sei, eine Wildwiese anzulegen oder Pflanzen und Unkräuter vor sich hinwachsen zu lassen. „Generell ist zu sagen, dass Insektenschutz sehr wichtig ist, da sie eine Schlüsselrolle im Bestäubungs- und Nahrungskreislauf haben“, betonte Bremer. „Wildnis und Gartengestaltung müssen sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen und können gut nebeneinander bestehen. Eine gute Mischung aus beidem kann sowohl dem Gärtner als auch den Insekten zugutekommen.“ Reiner Bierig vom Verband Garten- und Landschaftsbau meint: „Um naturnah zu gärtnern, braucht es zuerst eine Idee und im Anschluss einen Plan. Den Rat eines Experten einzuholen, ist daher auch empfehlenswert.“

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