S21-Baufahrplan Stuttgart 21: Bahn will 17 Kilometer Rohre verlegen

Von dpa/dapd 

Das Leitungssystem soll von der Stuttgart-21-Baustelle am Bahnhof Richtung Neckar führen.

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Stuttgart - Die Deutsche Bahn AG will in der nächsten Woche mit dem Bau eines 17 Kilometer langen Rohrsystems für das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 beginnen. Das Leitungssystem soll von der Baustelle am Hauptbahnhof Richtung Neckar führen und dient der Filterung und Absenkung des Grundwasserspiegels während der Bauarbeiten.

Rund ein Kilometer des Leitungsnetzes werde durch Wohngebiet verlaufen, sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Mittwoch in Stuttgart. Der Aufbau der meist auf 4,5 Meter Höhe verlaufenden Rohre werde rund fünf Monate dauern.

Dietrich erklärte, dass auch die Bauarbeiten an der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen fortgesetzt werden.

Bahn weist Forderungen des Aktionsbündnisses zurück

Damit lehnte die Bahn die Forderung des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 ab:  Die Stuttgart-21-Gegner hatten am Vormittag einen Bau- und Vergabestopp gefordert, bis in einem ergebnisoffenen Diskurs alle Ergebnisse des Stresstests erörtert wurden. Hierzu müsse das Bündnis am Ablauf des Verfahrens beteiligt werden. Bislang sei lediglich vorgesehen, ihnen die Ergebnisse mit einem Vorlauf von zwei Tagen zukommen zu lassen. Das sei „einfach nur frech“ und ein Beleg dafür, dass die Bahn den Stresstest als „reine Alibiveranstaltung“ ansehe.

Der Stresstest ist Teil des am 30. November von Heiner Geißler verkündeten Schlichterspruchs zu dem umstrittenen Bahnprojekt. Dabei soll die Bahn in einer mehrmonatigen Simulation nachweisen, dass der geplante unterirdische Durchgangsbahnhof um 30 Prozent leistungsfähiger ist als der aktuelle Kopfbahnhof in Stuttgart.

Projektsprecher Dietrich kritisiert Landesregierung

 

Projektsprecher Dietrich übte außerdem scharfe Kritik an der Landesregierung wegen des Gutachtens zum Grundwasser. Er bezeichnete es als „erstaunlich“, dass die Landesregierung zunächst auf einen Baustopp verzichte und dann ein Gutachten vorlege. Nach der Studie ist ein neues zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren notwendig. „Es stellt sich die Frage, ob die Landesregierung gegen ihre Projektförderungspflicht verstößt,“ sagte Dietrich.

In der Lenkungskreis-Sitzung am vergangenen Freitag sei das Papier im Auftrag des Umweltministeriums überhaupt nicht thematisiert worden, obwohl es eigentlich in so ein Gremium gehöre, sagte Dietrich. Hintergrund des Streit ist, dass die Bahn für das Bauvorhaben Stuttgart 21 gegenüber der ursprünglichen Planung nahezu die doppelte Menge an Grundwasser abpumpen und wieder in den Boden einleiten will. Das Umweltministerium hatte am Freitag nach der Lenkungskreis-Sitzung die Presse über das Gutachten informiert.

Das Kommunikationsbüro für Stuttgart 21 wies das Gutachten zur größeren Entnahme von Grundwasser erneut vehement zurück. Rechtsanwalt Josef-Walter Kirchberg, der die Planfeststellungen der Bahn begleitet, bezeichnete die Forderung nach einem neuen Verfahren als „rechtlich falsch“. Notwendig sei lediglich ein Planänderungsverfahren, das nur das Wasserrecht betreffe. Der Jurist berief sich dabei auf Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts. Die bestehenden Planfeststellungsbeschlüsse seien weiter gültig, ein Baustopp sei nicht angesagt.