Sabbatjahr in Afrika Familie fährt von Kapstadt nach Kairo

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Eine fünfköpfige Familie war fast ein Jahr mit dem Oldtimer-Truck in Afrika unterwegs – unter anderem in Namibia, Ägypten und dem Sudan.

Zurück in der kühlen Heimat: Die Schmiders mit ihrem  50 Jahre alten Lastwagen „Onkel Deutz“ Foto: Gottfried Stoppel 14 Bilder
Zurück in der kühlen Heimat: Die Schmiders mit ihrem 50 Jahre alten Lastwagen „Onkel Deutz“ Foto: Gottfried Stoppel

Korb/Kapstadt - Das Rütteln wird heftiger. Röhrend springt der Motor an und schüttelt die Insassen des sandgelben Lastwagens durch. Die Nachbarn schauen aus den Häusern, in der ganzen Straße liegt Dieselduft, wenn „Onkel Deutz“ anspringt – diesmal nur zu Demonstrationszwecken. Der 50 Jahre alte Magirus-Deutz-Mercur-Lastwagen hat die größte Reise seine Lebens hinter sich und eine Ruhepause mehr als verdient. Genau wie seine Besitzer: Elf Monate lang waren die Kleinheppacher Kerstin und Jochen Schmider mit Silas (13), Juli (11) und Mio (7) in Afrika unterwegs. Nach der Anreise mit Schiff und Flugzeug ging es von Namibia aus durch Südafrika, Lesotho, Swasiland, Botswana, Sambia, Malawi, Tansania, Kenia, Äthiopien, den Nordsudan, Ägypten und Italien. Insgesamt 13 Länder, 26 000 Kilometer – das größte Abtenteuer ihres Lebens.

Politische Unruhen in Äthiopien

Dass die Route so gewaltig werden sollte, stand am Anfang der Reise noch nicht fest. Nur die ersten paar Stationen waren geplant, als die Schmiders aufbrachen – ohne Afrika-Kenntnisse, im Oldtimer-Truck, aber mit jeder Menge Elan und dem Vorhaben, so viel Zeit gemeinsam zu verbringen wie möglich. Raus aus dem schwäbischen Alltagstrott, hinein ins Abenteuer Afrika. „In Swasiland haben wir dann eine Familie mit zwei kleinen Kindern getroffen, die gerade die Ostroute gefahren war“, erzählt Kerstin Schmider. Die Strecke führt durch Länder wie Kenia, Äthiopien, den Norden des Sudan und Ägypten – nicht gerade beliebte Touristenziele. „In Äthiopien gab es zu der Zeit auch politische Unruhen“, erinnert sich Kerstin Schmider.

Dennoch wagte die Familie die große Fahrt. Und bereut es nicht: Juli schwärmt vom Ponyreiten auf einer südafrikanischen Farm, Silas von Hippos und Hyänen im Okovango-Delta und die kleine Mio vom Schnorcheln im Roten Meer. Die Eltern sind noch immer fasziniert von den Erlebnissen in einer anderen Kultur. „ Einmal wurden wir in ein Massai-Dorf eingeladen, die haben für uns eine Ziege geschlachtet und wir haben den Tag und die Nacht dort verbracht“, erzählt Kerstin Schmider.

Immer wieder wurde ihnen auf der Reise aber auch das gewaltige Gefälle im Wohlstand bewusst: „Unseren Truck haben dort viele das Haus auf Rädern genannt. Wir hatten ja einen großen Wassertank und mussten nur den Hahn aufdrehen – während viele Menschen dort den halben Tag damit verbringen, Wasser ins Dorf zu tragen“, sagt Jochen Schmider.

Bei allen Unterschieden: Schlechte Erfahrungen, sagen die Schmiders, hätten sie nie gemacht. „Eine Bohrmaschine ist weggekommen“, sagt Jochen Schmider. „Aber die kann ich auch verlegt haben.“ Selbst im von Unruhen gebeutelten Äthiopien blieb die Familie unbehelligt. „Wir haben zwar junge Männer gesehen, die mit Stöcken bewaffnet durch die Straßen zogen. Aber wir sind einfach früh morgens aufgebrochen und zügig gefahren“, sagt Kerstin Schmider. Beide betonen, sich ständig über die aktuelle Lage informiert zu haben. Nicht nur über offizielle Kanäle, sondern auch über andere Reisende, denen sie begegneten. „Wir hätten immer entscheiden können, umzudrehen und heimzufahren“, sagt Jochen Schmider. Trotzdem: Nicht alle Familienmitglieder in Deutschland konnten die Entscheidung zu der mutigen Route gutheißen. Eines der größeren Hindernisse auf der Reise war dagegen die Bürokratie: Die Beantragung von Visa in Nairobi glich einer Odyssee. „Vom deutschen Konsulat kam keine Hilfe“, sagt Kerstin Schmider.

Der treue Magirus-Deutz wird verkauft

Onkel Deutz, der Oldtimer-Wohnwagen, hat sich auf der 26 000 Kilometer langen Strecke mehr als wacker geschlagen. Jochen Schmiders Horrorvorstellung war es immer gewesen, mit einem kaputten Laster in Afrika zu stranden. Doch der Oldtimer hielt durch: „Es gab schon mal einen leckenden Motor oder einen durchgerosteten Auspuff – aber mit der alten Technik haben wir selbst in Swasiland eine Werkstatt gefunden, die uns helfen konnte.“ Für den Alltag ist der liebevoll mit afrikanischen Tiermotiven verzierte Truck aber kaum zu gebrauchen – im nächsten Jahr wollen die Schmiders ihren fahrbaren Untersatz daher wohl verkaufen.

Im neuen Jahr werden Mio, Juli und Silas wieder in ihre Schulklassen zurückkehren. Eine Sondergenehmigung für die Pädagogin Kerstin Schmider erlaubte der Familie das Homeschooling. „Ein bisschen komisch war es schon, dass unsere Eltern uns unterrichtet haben – aber insgesamt hat’s ganz gut geklappt“, findet Silas. Vor allem die Englischkenntnisse der Kinder sind besser geworden – andere Fächer, wie die Naturwissenschaften, brachten die Schmiders im Alltag unter.

Fast ein Jahr lang sind die fünf Korber zusammen durch dick und dünn gegangen, von den Eindrücken ihrer Reise werden sie ihr Leben lang zehren. Und trotzdem genießen sie jetzt solchen Luxus, auf den sie während ihres Abenteuers bewusst verzichtet haben – etwa ein eigenes Zimmer oder Zeit ganz für sich alleine.

Während ihrer gesamten Reise hat die Familie einen Online-Blog geführt. Darin erzählen die Schmiders von ihren Erlebnissen und geben anderen Afrika-Reisenden (und denen, die es werden wollen) Tipps, bis hin zu den genauen Kosten eines solchen Abenteuers.