Sabine Waldmann-Brun aus Plieningen Zwischen Pinsel und Skalpell

Von  

Die Plieningerin Sabine Waldmann-Brun ist Malerin und Medizinerin. Beiden Leidenschaften geht sie nach, wenn sie nach Afrika reist. Dort arbeitet sie als Chirurgin und verarbeitet ihre Eindrücke in Bildern. In Birkach hält sie einen Vortrag.

Sabine Waldmann-Brun bei einer OP in Sierra Leone, links zu sehen ist ein chirurgischer Auszubildender. Weitere Bilder gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: privat 12 Bilder
Sabine Waldmann-Brun bei einer OP in Sierra Leone, links zu sehen ist ein chirurgischer Auszubildender. Weitere Bilder gibt es in unserer Fotostrecke. Foto: privat

Birkach/Plieningen - So hat sie es sich gewünscht. Beide Berufe leben zu können und keinen vernachlässigen zu müssen, das gelingt ihr. Sabine Waldmann-Brun ist halb Malerin und halb Medizinerin. Als Chirurgin macht sie Notfalldienste in Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis, das lasse ihr viel Zeit fürs Malen – und für Afrika.

Mit 40 Jahren Medizin studiert

Das war nicht immer so. Als Sabine Waldmann-Brun noch im Krankenhaus gearbeitet hat, waren 80-Stunden-Wochen die Regel. „Alles, was mit Leben zu tun hat, steht hinten an“, sagt die 53-jährige Plieningerin. Ihr war schon früh klar, dass sie das nicht ewig durchhält, doch es ging ihr um die Berufserfahrung. Diese Phase dauerte sechs Jahre.

Sabine Waldmann-Brun hat erst im Alter von 40 Jahren Medizin studiert. Das sei ihr nicht sonderlich schwergefallen, sagt sie. „Es ist ein bisschen die Frage, wie man sich organisiert.“ Sie hatte damals nämlich schon einen Beruf. Nach der Schule hat sie freie Malerei, Glasgestaltung und Buchillustration an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studiert. Danach hat sie vor allem Kinderbücher illustriert, teils sogar geschrieben, Kurse gegeben, Ausstellungen gemacht.

Auch wenn Sabine Waldmann-Brun mittlerweile unter die Weißkittel gegangen ist, die Kunst hat sie nach wie vor nicht aufgegeben. Und sie vereint ihre beiden Berufe nicht nur in Plieningen, sondern auch fernab in Afrika. „Da hinzugehen, wo Ärzte fehlen“, stand für sie schon lange fest. Und Afrika bekam sie irgendwie nicht aus dem Kopf. Bereits in der Ausbildung war die Medizinerin für zwei Monate in Botswana. 2010 war Uganda an der Reihe, dort arbeitete sie für ein halbes Jahr als Chirurgin zum lokalen Lohn. Sie hatte viel mit Schussverletzungen zu tun, erzählt sie.

Die Ärzte sind Überzeugungstäter

2014 war sie in Sierra Leone und vor wenigen Wochen in Nairobi in Kenia – jeweils für sechs Wochen mit den German Doctors. Die Hilfsorganisation versichert die Ärzte, die sonst aber nur Kost, Logis und die Hälfte des Flugs bezahlt bekommen. Das heißt, die Ärzte sind wahre Überzeugungshelfer. Diese beiden Aufenthalte seien sehr unterschiedlich gewesen, sagt sie. In Sierra Leone war sie rund um die Uhr im Dienst, die Ausstattung sei nicht sonderlich fortschrittlich gewesen, so hatte sie sich zum Beispiel den Fuß gebrochen, es aber mangels Röntgengerät erst in Deutschland gemerkt. In Nairobi war sie in einer Ambulanz mitten im Slum, nachts und am Wochenende hatte sie frei. Sie hat zusammen mit den anderen German Doctors in Personalhäusern eines Hotels am Rande des Slums gewohnt.

Ob in Deutschland oder Afrika – Kranken geht es hier wie dort schlecht, sagt Sabine Waldmann-Brun. Nur könnten die Menschen in Afrika nicht so gut versorgt werden wie in Deutschland. In ihr musste die Einsicht reifen, dass sie niemals allen helfen kann. „Es ist ein bestimmtes Maß, das ich geben kann“, sagt sie. Sie schenkt ihre Zeit und verzichtet während des Einsatzes auf ihren Verdienst in Deutschland.

Während anderen nicht im Traum einfiele zu tun, was Sabine Waldmann-Brun tut, sind diese Reisen für die Plieningerin kostbar. „Der Wechsel zwischen den beiden Welten erinnert einen daran, wie die Welt aussieht“, sagt sie. Dass es Deutschland so gut geht, „ist ein Privileg“.

Ihre Erlebnisse in Afrika verarbeitet sie in einem Internet-Blog und in ihren Bildern. Das Malen und die Chirurgie sind für sie sowieso zwei Dinge, die gut zusammenpassen. Am OP-Tisch müsse sie ebenfalls basteln und improvisieren, sie müsse sich stets neu auf Menschen einstellen. „Das Hinsehen ist das verbindende Element“, sagt sie. Eine Verbindung ihrer beiden Berufe, die sie sich immer gewünscht hat.

Ausstellung & Vortrag

Am Dienstag, 31. März, wird eine Ausstellung von Sabine Waldmann-Brun im Bezirksrathaus, Filderhauptstraße 155, eröffnet. Sie ist bis zum 18. Mai zu sehen. Am Donnerstag, 9. April, spricht Sabine Waldmann-Brun über ihre Zeit mit den German Doctors in Afrika und zeigt auch viele Fotos. Los geht es im evangelischen Gemeindehaus Birkach, Grüninger Straße 25, um 15 Uhr.

Sonderthemen