Sacharow-Menschenrechtspreis EU zeichnet belarussische Oppositionsbewegung um Tichanowskaja aus

Von red/AP 

Die Bilder von den Protesten in Belarus haben sich eingebrannt. Für ihren Widerstand gegen einen übermächtigen Gegner wird der belarussischen Opposition nun eine hohe Auszeichnung zuteil.

Der renommierte Sacharow-Menschenrechtspreis geht in diesem Jahr an die belarussische Opposition und deren Anführerin Swetlana Tichanowskaja. Foto: dpa/Liselotte Sabroe
Der renommierte Sacharow-Menschenrechtspreis geht in diesem Jahr an die belarussische Opposition und deren Anführerin Swetlana Tichanowskaja. Foto: dpa/Liselotte Sabroe

Brüssel - Die belarussische Oppositionsbewegung und deren Anführerin Swetlana Tichanowskaja werden mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis der EU gewürdigt. Es sei eine Ehre, die Männer und Frauen aus der demokratischen Oppositionsbewegung auszuzeichnen, erklärte Parlamentspräsident David Sassoli am Donnerstag. In seiner Rede vor dem EU-Parlament lobte Sassoli die Preisträger für ihren Mut, ihre Widerstandskraft und Entschlossenheit. Sie stünden einem übermächtigen Gegner gegenüber - und blieben dennoch standhaft. Im Dezember soll der Preis in Straßburg verliehen werden.

Die demokratische Opposition habe die Wahrheit an ihrer Seite, und diese könne von roher Gewalt nicht besiegt werden, schrieb er bei Twitter. „Geben Sie Ihren Kampf nicht auf. Wir stehen an Ihrer Seite.“ Tichanowskaja teilt sich den Preis mit anderen Vertretern der Protestbewegung, die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im August einen Koordinierungsrat gegründet und Gespräche zu einem friedlichen Machtübergang gesucht hatten, darunter etwa die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch.

Die EU verständigte sich im Oktober auf Sanktionen gegen politisch Verantwortliche, denen Wahlmanipulation und ein brutales Vorgehen gegen Demonstranten vorgeworfen wird. Zudem warnte sie auch Langzeit-Präsident Alexander Lukaschenko persönlich vor Sanktionen, sollte er nicht mit der Opposition verhandeln und missliebige Stimmen weiter unterdrücken. Das EU-Parlament fordert außerdem Neuwahlen - und spricht sich dafür aus, den Koordinierungsrat als legitime Volksvertretung anzuerkennen.

Tichanowskaja erhielt etwa zehn Prozent der Stimmen

Lukaschenko hatte sich bei den Wahlen, die viele als manipuliert betrachten, seine sechste Amtszeit als Präsident gesichert. Offiziell stimmten etwa 80 Prozent der Wahlberechtigten für den 66-Jährigen. Seine Herausforderin Tichanowskaja erhielt demnach etwa 10 Prozent der Stimmen. Die Oppsitionsführerin und deren Anhänger erkannten das Ergebnis nicht an. Es folgten Massenproteste - gegen die der Staat hart durchgriff.

Die 38-jährige frühere Englischlehrerin ohne politische Erfahrung war angetreten, nachdem ihr Ehemann festgenommen wurde. Tichanowskajas Mann, der sich ebenfalls um das Präsidentenamt beworben hatte, sitzt noch immer im Gefängnis. Sie selbst wurde von den belarussischen Behörden ins Exil in Litauen gezwungen.

Der Preis ist nach dem sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow benannt. Seit 1988 ehrt die EU damit Einzelpersonen oder Gruppen, die Menschenrechte und Grundfreiheiten verteidigen. 2019 wurde er dem Ökonom Ilham Tohti wegen seiner Arbeit zur Verteidigung der chinesischen Minderheit der Uiguren verliehen.




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