Sachsenheim Plötzlich muss der Restaurator kommen

Bei den Vorarbeiten für die Sanierung des Sachsenheimer Wasserschlosses wurden unerwartet Deckenbretter aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. Foto: factum/Granville
Bei den Vorarbeiten für die Sanierung des Sachsenheimer Wasserschlosses wurden unerwartet Deckenbretter aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. Foto: factum/Granville

Für acht Millionen Euro will die Stadt ihr Wasserschloss sanieren. Ein Fund aus dem 16. Jahrhundert könnte nun Kostenrahmen und Zeitplan sprengen.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Sachsenheim - Das Büro von Gunter Albert hat zwei Gesichter. Da ist einmal das gut aufgeräumte, helle Zimmer mit weißen Rigipswänden. Auf einer Seite zieht aber auf Hüfthöhe ein Streifen die Wand entlang, wo die Platten aufgeschnitten wurden – dahinter kommen alte, dicke Holzbalken und Putz zum Vorschein. Ein weiterer Streifen verläuft an der Decke. „Ich bin der einzige, dem man zumuten kann, dass man im Büro die Wände aufmacht“, sagt Albert.

So kann der Architekt jeden Tag sehen, welche Mammutaufgabe er in den nächsten Jahren zu bewältigen hat. Als technischer Beigeordneter der Stadt überwacht und koordiniert er die Sanierungsarbeiten des Sachsenheimer Wasserschlosses, einem Schloss im Renaissancestil aus dem Jahr 1544. Es muss saniert werden, weil die Zwischendecken im Nordwestflügel durchgefault sind. Insgesamt sechs Ingenieurbüros sind daran beteiligt, dazu kommen ein Restaurator und zwei Mitarbeiter des Landesdenkmalschutzes. Dabei gibt es viel zu beachten: Denkmalschutz, Naturschutz, Brandschutz. Albert nimmt es sportlich: „Das ist eine Aufgabe, die in ihrer Komplexität herausfordernd ist.“

Eine Herausforderung mehr

Seit zwei Wochen hat Albert eine Herausforderung mehr. Beim Freilegen der Zwischendecke wurden Bretter entdeckt, die so alt sind wie das Schloss selbst. Weiße Rechtecke mit schwarzen und ockerfarbenen Rändern sind darauf gemalt. Vor knapp 500 Jahren bildeten sie die Decke, ehe sie Ende des 18. Jahrhunderts unter Stuck versteckt wurden. „Was wir in den letzten 14 Tagen gefunden haben, hat uns in seiner Qualität, seinem Alter und seinem Umfang überrascht“, gesteht Gunter Albert. Die Deckenbretter seien zum Teil so gut erhalten, wie es sie deutschlandweit nur noch drei oder viermal gebe.

Der seltene Fund ist nicht nur Anlass zur Freude. Denn nun muss ein akademisch ausgebildeter Restaurator die Bretter richten. Albert schätzt, dass diese Arbeiten den Zeitplan um ein halbes Jahr verzögern. Der sieht folgendermaßen aus: Die Zwischendecken des Schlosses werden weiter freigelegt, auch in jenen Bereichen, die aktuell noch von der Verwaltung genutzt werden. Bis Oktober sollen alle Mitarbeiter der Stadt aus dem Schloss in ein Provisorium umgezogen sein. „Hier sind wir aktuell in Verhandlungen mit privaten Anbietern“, sagt Jochen Winkler, der Fachbereichsleiter der Verwaltung. Im November kann dann ein Gesamtbild erstellt werden, was restauriert und was saniert werden muss. „Ich glaube nicht, dass wir am Schluss der Überraschungen angekommen sind“, sagt Albert. Bei den Voruntersuchungen habe man in allen drei Stockwerken Elemente der alten Decke gefunden, daher sei zu erwarten, dass sie überall noch vorhanden ist. Die Bauarbeiten könnten dann rund um Ostern 2016 beginnen. Voraussichtliches Ende: Mai 2019.

Das Budget bleibt bei acht Millionen Euro

Was das Budget angeht, soll es bei den geplanten acht Millionen bleiben. Eine Kostensteigerung von fünf bis zehn Prozent sei „auffangbar“, sagt Albert. Durch das Denkmalschutzprogramm des Bundes habe man eine Förderquote von 50 Prozent. Auch bei der Stiftung Denkmalschutz habe man einen Antrag auf Fördermittel gestellt. Die Stadt möchte sich für die Sanierung „auf keinen Fall verschulden“, wie es Jochen Winkler ausdrückt. 2,6 Millionen Euro habe Sachsenheim für das Projekt angespart, der Rest müsse aus kommenden Haushalten finanziert werden.

Für Albert wird es das letzte Projekt seiner Karriere sein: Er will 2019 in Pension gehen. „In mein Büro im Wasserschloss werde ich also nicht mehr zurückkehren.“




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