Sadomaso-Prozess Angeklagter will sich kastrieren lassen

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

In dem Sadomaso-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen einen 48-Jährigen Mann aus Renningen hat am Mittwoch der Verteidiger ein zusätzliches sexualwissenschaftliches Gutachten beantragt.

Im Sadomaso-Prozess hat die Verteidigung einen neuen Beweisantrag gestellt. Foto: Achim Zweygarth
Im Sadomaso-Prozess hat die Verteidigung einen neuen Beweisantrag gestellt. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - In dem Sadomaso-Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen einen 48-Jährigen Mann aus Renningen (Kreis Böblingen) hat am Mittwoch der Verteidiger ein zusätzliches sexualwissenschaftliches Gutachten beantragt. Die vorgesehenen Plädoyers wurden daraufhin ausgesetzt, bis die Kammer über den Antrag entschieden hat.

Nach Ansicht der Verteidigung kann durch ein sexualwissenschaftliches Gutachten nachgewiesen werden, dass eine chemische oder operative Kastration seines Mandanten mit begleitender Therapie dessen schwere sexuelle Störung beheben kann. Der Angeklagte bestätigte auf die entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden Richters, dass er bereit sei, sich einer operativen Kastration zu unterziehen.

48-Jähriger ist einschlägig vorbestraft

In einer früheren Verhandlung hatte ein psychiatrischer Gutachter dem 48-Jährigen, der seit 1993 wegen mehrerer gewalttätiger Sado-Maso-Attacken gegen Frauen einschlägig vorbestraft ist, eine schwere sexuelle Störung bescheinigt. Er attestierte dem „episodenhaften Kokainkonsumenten“ zudem eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die sexuelle Anomalie müsse dringend durch eine über mehrere Jahre laufende Therapie behandelt werden, betonte der Gutachter. Eine chemische oder operative Kastration des Angeklagten kam für ihn allerdings erst danach „als Ultima Ratio“ in Betracht.

Dieser Aussage widersprach der Verteidiger des Angeklagten bei der Verhandlung am Mittwoch. Es gebe Sexualwissenschaftler, die der Ansicht seien, dass eine Kastration mit begleitender Therapie die Gefahr weiterer Straftaten bei Sextätern auf nahezu Null bringen könne. Dadurch könne möglicherweise auch bei seinem Mandanten die zweifelsfrei bestehende Rückfallgefahr gebannt werden.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte im Mai eine 21-Jährige als Babysitterin in sein Haus gelockt. Zuvor hatte er in der Garage Metallringe am Boden angebracht sowie eine angespitzte Holzstange, Klebeband und Knebel bereit gelegt. Als die junge Frau das Haus betrat, kam es zum Kampf mit dem mit einem Messer bewaffneten Mann. Dank ihrer Kampfsportkenntnisse konnte sich die Frau mit letzter Kraft befreien und flüchten. Der 48-Jährige wurde später in Bad Herrenalb festgenommen.

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