Sägenhersteller Stihl macht bei Geräten mit Akkus Tempo

Ein Sägenwettbewerb für harte Kerle: Timbersports. Foto: Stihl
Ein Sägenwettbewerb für harte Kerle: Timbersports. Foto: Stihl

Der Anteil der Batteriegeräte wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Dafür sorgt besonders die wachsende Nachfrage von privaten Kunden. Aber auch Geräte mit Benzinmotor haben noch keineswegs ausgedient.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)
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Waiblingen - Der Waiblinger Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl sieht bei Geräten mit Akkus einen schnell wachsenden Markt. Der Anteil am Absatz soll nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Bertram Kandziora in diesem Jahr von fünf auf zehn Prozent steigen. Dafür ist vor allem die wachsende Nachfrage von Privatkunden verantwortlich. In diesem Bereich sieht Kandziora auch das entscheidende Feld für das weitere Wachstum des Unternehmens. Die Nachfrage nach Profigeräten nimmt dagegen nur noch leicht zu.

Etwa die Hälfte des Umsatzes macht der traditionelle als Motorsägenhersteller inzwischen mit Gartenliebhabern. Bereits in den vergangenen Jahren war das Geschäft etwa mit Heckenscheren, Rasentrimmern oder Hochdruckreinigern kräftig ausgebaut worden. Trotz der wachsenden Bedeutung von privaten Kunden will das Unternehme aber weiter nur über den Fachhandel verkaufen und auch keine farbliche Trennung zwischen Geräten für Privatkunden und Profis vornehmen. Bei Elektrowerkzeugen beispielsweise gibt es Hersteller, die beide Bereiche farblich unterscheiden. „Bei uns gibt es nur Stihl“, sagte Vertriebsvorstand Norbert Pick.

Beteiligung in China

Um das Geschäft mit Akkugeräten voranzutreiben hat sich Stihl im vergangenen Jahr mit 35 Prozent an dem chinesischen Gerätehersteller Globe Tools beteiligt. Dort werden in einer eigenen Produktionslinie Gartengeräte mit Akkus nach den Vorgaben aus dem Schwäbischen hergestellt. Die eigenen Produkte der Chinesen mit dem Markennamen Greenworks würden dagegen auf anderen Produktionslinien gefertigt, sagte Kandziora. Bereits seit längerem hält das Waiblinger Unternehmen 20 Prozent am Akkuhersteller BMZ in Karlstein am Main.

Nach den Angaben von Forschungsvorstand Wolfgang Zahn sind die Akkus in den vergangenen Jahren deutlich leichter geworden und brächten beispielsweise bei einer Halbierung des Gewichts die doppelte Leistung. Der steigende Anteil von Akkugeräten werde aber nicht zu einer Verdrängung von Geräten mit Benzinmotoren führen, sagte Kandziora. Vor allem bei Motorsägen für Profis spiele der Benzinmotor noch immer eine dominierende Rolle. Das Unternehmen rechnet allerdings damit, dass Geräte mit Kabelanschluss keine große Zukunft mehr haben.

Zusammenarbeit mit Start-ups

Nachdem Stihl im Januar bei dem israelischen Start-up Green IQ eingestiegen ist, wird auch die Zusammenarbeit mit Start-ups ausgebaut. So beteiligt sich das Unternehmen an dem Programm Activatr der Stuttgarter Firma Pioniergeist. Kandziora rechnet damit, dass auch bei Stihlgeräten die Vernetzung eine immer wichtigere Rolle spielen wird. So könne etwa festgestellt werden, ob Pflanzen genügend Wasser hätten, die Wetterprognose könne entscheiden, ob der Roboterrasenmäher arbeiten solle, ein Landschaftsgärtner feststellen, ob er alle Gerätschaften auf seinem Lieferwagen habe.

Umsatz soll weiter wachsen

Im laufenden Jahr will Stihl noch schneller wachsen als im vergangenen. So rechnet Kandziora für dieses Jahr mit einem Umsatz zwischen 3,8 und 3,9 Milliarden Euro. Dazu wird allerdings auch die Tochter Viking aus dem österreichischen Kufstein beitragen. Diese setzte im vergangene Jahr mit 450 Mitarbeitern rund 250 Millionen Euro um und soll nun komplett in Stihl aufgehen. Dabei wird auch die Marke Viking verschwinden.

Suche nach neuen Mitarbeitern

Im vergangenen Jahr war der Umsatz von Stihl um 6,6 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Euro gestiegen. Ohne den dämpfenden Effekt von Wechselkursen wäre das Wachstum noch deutlich höher gewesen. Die Zahl der Mitarbeiter nahm im vergangen Jahr weltweit um knapp fünf Prozent auf 14 920 Beschäftigte zu. Davon arbeiten etwa 4370 im deutschen Stammhaus, zu dem im wesentlichen das Werk Waiblingen und einige andere kleinere Werke gehören. Die Zahl der Mitarbeiter im Stammhaus soll in diesem Jahr um 100 Beschäftigte wachsen. Gesucht wird vor allem Personal in den Bereichen Akku, Elektronik, IT und vernetzte Produkte. Investiert hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 209 Millionen Euro, die Abschreibungen lagen bei 151 Millionen Euro. Die Gelder flossen vor allem in Fertigungs- und Logistikeinrichtungen sowie in neue Produkte. Der Gewinn wird traditionell nicht bekannt gegeben, wohl aber gibt es den Hinweis, die Ertragslage sei zufriedenstellend und die Investitionen würden aus eigener Kraft finanziert.

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