Die Sängerin Soffie veröffentlicht am 25. April ihr Mini-Album „Unterwegs“. Foto: Chiara Noemi Müller
Mit „Für immer Frühling“ ist Soffie groß geworden. Jetzt veröffentlicht die Sängerin eine neue EP und tourt durch Deutschland. Aufgewachsen ist sie aber im Ländle. Was verbindet sie mit ihrer Heimat?
Von ihrem Lied „Für immer Frühling“ hatte sie nur die erste Strophe geschrieben, da hatte er schon mehrere Millionen Aufrufe auf dem Sozialen Medium TikTok. Der Song ist im vergangenen Jahr zu einer politischen Hymne geworden und hat der Sängerin Soffie zum Durchbruch verholfen. Am 25. April veröffentlicht die 25-Jährige nun ihr neues Mini-Album „Unterwegs“ – und tourt mit ihrer Musik durch ganz Deutschland. Wir haben mit ihr gesprochen.
Soffie, mit „Für immer Frühling“ bist Du quasi über Nacht groß geworden. Wie blickst Du heute auf die Zeit zurück?
Es ist immer noch eine krasse Sache für mich. Ich hatte zwar immer ein gewisses Grundvertrauen, dass ich irgendwann mit der Musik Geld verdienen kann, und habe natürlich auch viel Arbeit reingesteckt. Aber, dass es dann wirklich so gekommen ist – auch so plötzlich – hätte ich nie im Leben erwartet. Es war wie eine Welle, auf der ich gefahren bin.
Eine Anspielung auf das Lied „Jana“: Sie schlägt „die kahlen Wände mit ’nem Vorschlaghammer ein“. Foto: Chiara Noemi Müller
Wie hat sich Dein Leben seitdem verändert?
Ich kann jetzt meinen Traumjob machen. Es ist wahnsinnig cool, dass das möglich ist. Vorher hatte ich viel mit Existenzängsten zu kämpfen. Es ist ja doch ein sehr unsicherer Beruf, eine große Verantwortung und auch ein Sprung ins Dunkle. Es hilft sehr, die Gewissheit zu haben, dass ich – zumindest für die nächste Zeit – davon leben kann.
Wie sieht das konkret aus?
Ich darf bei Shows und Festivals auftreten, auf denen ich schon immer spielen wollte. Ich durfte Konzerte von Mark Forster eröffnen. Er hatte seine ersten großen Hits, als ich 13 oder 14 Jahre alt war – ich habe das damals alles mitverfolgt. Das sind natürlich große Meilensteine. Ich hätte niemals gedacht, dass sie so früh in meiner Karriere auf mich zukommen würden. Das zählt definitiv zu den Dingen, die in die Kategorie Fiebertraum fallen [lacht].
Tausende haben „Für immer Frühling“ während der Demos gegen Rechts im vergangenen Jahr gesungen und gehört. Dein Lied ist zu einer politischen Hymne geworden. Hat Dich das überrascht?
Ich habe das erste Video zum Song zwei oder drei Tage hochgeladen, bevor die Correctiv-Recherchen rausgekommen sind. Die Leute haben es unter ihre Videos von den Demos gelegt, wodurch mir quasi die Fackel abgenommen wurde. Ich habe mich unglaublich bestärkt gefühlt, weil ich damit bei einigen Menschen etwas bewirken konnte. Das ist etwas, auf das ich wahrscheinlich mein Leben lang stolz sein werde. Dass das Lied so polarisiert hat, hat mich aber unfassbar überrascht. Vor allem aus der AfD-Ecke haben es viele als Angriff gewertet. Der Song hat zwar eine Haltung, aber nicht explizit in eine politische Richtung. Ich mag fast behaupten, dass es ein sehr diplomatisches Lied ist.
Neben dem großen Zuspruch ist Dir also auch Hass entgegengeschlagen – vor allem in den Sozialen Medien. Hast Du das in Deinen neuen Songs verarbeitet?
Ja, in „Unterwegs“ geht es viel um das Thema Selbst- und Fremdwahrnehmung. Wieso haben Menschen so ein krasses Bedürfnis, mir zu sagen, wer ich bin – wenn sie mich doch gar nicht kennen? Was bedeutet das für mich? Am Anfang habe ich mir diese negativen, schlimmen Kommentare ein bisschen mehr zu Herzen genommen als ich das jetzt noch tue. Aber natürlich wäre es auch naiv zu sagen, dass ich es jetzt gemeistert habe, perfekt damit umzugehen. Das ist auch der Grundgedanke hinter dem Song: zu erkennen, dass ich noch nicht angekommen bin. Aber ich bin dahin unterwegs – und manchmal ist der Weg das Ziel.
In einem der neuen Lieder besingst Du „Jana“, die ihr Leben umkrempelt. Warum spielt das Thema Aufbruch in Deinem Leben gerade so eine große Rolle?
Diese Aufbruchstimmung hat mein letztes Jahr wahnsinnig definiert. Deshalb zieht sie sich wie ein roter Faden durch das Album. Sie hat sich angebahnt, als ich nach Mannheim gezogen bin und an der Pop-Akademie meinen Master angefangen habe. Dort konnte ich die ersten Schritte in Richtung Professionalisierung gehen und habe ganz tolle Leute kennengelernt, mit denen ich immer noch zusammenarbeite.
Und dann kam „Für immer Frühling“. Das war für mich der Zeitpunkt: ‚jetzt oder nie’. Ich hatte mich – gefühlt mein ganzes Leben – darauf vorbereitet, diesen Sprung zu machen und wollte ihn dann auch schaffen. Das war vielleicht auch meine Motivation, mich so kompromisslos für diese Aufgabe zu entschieden. Denn wenn man bei Null anfängt, muss man erst mal viel Mut und Selbstvertrauen haben – und auch Hoffnung investieren. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.
In einem Instagram-Reel nimmst Du auf die Schippe, dass Du beim Telefonieren manchmal zurück ins Schwäbische rutschst. Wie viel Backnangerin steckt noch in Dir?
Im Herzen natürlich ganz viel [lacht]. Auch wenn ich aktuell nicht mehr so oft da sein kann. Aber ich war tatsächlich erst kürzlich wieder dort. Ich mochte Backnang irgendwie immer ganz gerne. Nicht als festen Wohnort, für mich war relativ früh klar, dass ich nicht für immer bleiben würde – aber ich kehre immer sehr gerne zurück.
Hast Du damals auch schon Musik gemacht?
Ja, die Stadt hat mir auf jeden Fall meine ersten künstlerischen Schritte ermöglicht. Ich konnte damals schon mit ganz tollen Menschen zusammen Kunst und Musik machen. Oder ich war im Theater. Was das angeht, habe ich mich sehr gefördert gefühlt. Gerade im Backnanger Bandhaus habe ich früher viel Zeit verbracht. Im selben Gebäude war auch meine Musikschule, ich hatte dort Gesangsunterricht und später Bandcoachings. Und im Keller war dann das Theater. Das war ein sehr wichtiger Ort für mich.
Wie fühlt es sich an, wenn Du nach dem „Unterwegs-Sein“, das Du ja in Deinem Album besingst, wieder in die Heimat zurückkommst?
Ich fühle ich mich wieder ein bisschen wie früher. Ich bin als Person wahnsinnig sprunghaft, ich brauche ständig Veränderung und stürze mich gefühlt immer kopfüber in die nächste Sache rein. Dann zu wissen: Backnang ist da und Backnang bleibt konstant – das ist irgendwie schön.
Ich merke auch, dass es wahnsinnig hilfreich ist, nach Hause zu kommen, wenn ich dabei bin, mich ein bisschen zu verlieren. Bei meinen Eltern und Nachbarn bin ich irgendwie wieder ich, die Sofie von früher, nicht die Soffie von jetzt. Dort kann ich die Kunstfigur ablegen. Das hilft, weil ... ja, manchmal ist der Beruf überwältigend und überfordernd. Wenn ich dann in das Haus zurückkomme, in dem ich aufgewachsen bin, legt sich das alles wieder. Es ist schön, dass es einen physischen Ort gibt, der mir das ermöglicht.
Von Rückblick zum Ausblick: Was wünschst Du Dir für Deine musikalische Zukunft?
Ich wünsche mir ganz doll, dass ich mich nicht mehr so stressen lasse von Sachen, die nicht in meiner Macht liegen. Ich möchte natürlich weiterhin 100 Prozent geben, aber auf eine gesunde Art und Weise. Gerade beim Thema Lampenfieber denke ich immer: Wenn ich live spiele, klar, dann ist das okay. Aber auch bei den Proben mache ich mir schon Stress, im Sinne von: ‚Oh Gott, gefallen die Songs den Leuten?’ – Dabei ist es in dem Moment egal, weil wir proben jetzt, und wir machen es, so gut es geht. Der Rest liegt nicht mehr in meiner Hand. Da ein bisschen gelassener ranzugehen, ist auf jeden Fall ein großes Ziel.
Was steht für Dich in nächster Zeit an?
Die nächsten Sachen sind natürlich meine zweite Tour mit insgesamt 13 Stationen und die Veröffentlichung der EP. Da freue ich mich schon sehr drauf. Ich darf dieses Jahr auch wieder viele Festivals spielen – und wieder richtig tolle, große. Und ich möchte weiter Songs veröffentlichen. Über den Winter sind viele neue Sachen entstanden. Da habe ich schon Bock, sie jetzt herauszubringen. Natürlich fände ich es auch toll, ein Album zu machen. Da ist auch schon etwas in Arbeit – mehr kann ich aber noch nicht sagen, also seid gespannt!
Hintergründe und Tourstart
Zur Person Soffie, mit bürgerlichen Namen Sofie Aspacher, ist eine deutsche Sängerin. Die 25-Jährige ist in Auenwald und Backnang aufgewachsen und studierte zunächst in Tübingen und Berlin. Aktuell macht sie ihren Master an der Popakademie in Mannheim. Mit „Für immer Frühling“ wurde sie Anfang 2024 bekannt, inzwischen wurde das Lied mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Tour Mit ihrem neuen Mini-Album „Unterwegs“ geht Soffie auf ihre gleichnamige Tour. An 13 Stationen, verteilt über ganz Deutschland, spielt sie bis zum 11. Mai ihre Musik.