Konzert in Stuttgart So war’s beim Abschiedskonzert von Vicky Leandros
Ungebrochen präsent und höhensicher: die Sängerin Vicky Leandros hat auf ihrer Abschiedstournee ihre Fans im Hegelsaal entzückt.
Ungebrochen präsent und höhensicher: die Sängerin Vicky Leandros hat auf ihrer Abschiedstournee ihre Fans im Hegelsaal entzückt.
Die Uhr geht schon auf halb elf, als das Publikum im voll besetzten Hegelsaal von Vicky Leandros gefragt wird, was sie denn jetzt noch singen solle. „Theee-ooo“ schallt es ihr vielstimmig entgegen.
Tatsächlich war „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ Leandros‘ größter Hit. 28 Wochen stand der Schlager über Landflucht, den Vickys Vater Leo Leandros nach einem jiddischen Lied neu komponiert hatte, 1974 in den deutschen Singlecharts. Eine Woche gar auf Platz eins, was insofern überraschend war, als Leandros‘ Plattenfirma den Song nur widerwillig herausgebracht hatte: er entspräche nicht ihrem Image als Sängerin mediterraner Balladen. Wie auch immer: Selbst wer nicht weiß, was eine aufsteigende Quarte ist, dürfte mit Kenntnis des Songs zumindest eine singen können.
Sie wolle „feiern und ihre Lieblingslieder singen“, hatte Vicky Leandros zu Beginn des Abends in Stuttgart gesagt – und ein Fest wurde dieser Abend, bei dem sie zusammen mit ihrer hochklassigen Begleitband eine Art klingende Bilanz ihrer fast 60 Jahre umfassenden Karriere präsentierte.
Sie startet mit „Après toi“, dem Lied, mit dem ihr 1972 der Durchbruch gelang, und sie singt es mit einer ungebrochen präsenten, höhensicheren Stimme – ja, man mag kaum glauben, dass diese zierlich-schlanke, elegante Frau im langen schwarzen Paillettenkleid mittlerweile 72 Jahre alt ist.
Natürlich singt sie eine Auswahl ihrer größten Erfolge. „Ich liebe das Leben“ oder „Die Bouzouki klang“, aber sie zeigt auch, warum sie, anders als die meisten deutschen Schlagerstars, auch international erfolgreich war. Lieder in Griechisch, Englisch, Französisch und sogar Japanisch gibt es zu hören, darunter eine berührend innige Version von Jacques Brels „Ne me quitte pas“. Dass ihre feine Stimme sogar Soulqualitäten hat, beweist sie mit dem erdig hingelegten „Across the Water“, bei dem ihr die beiden Gitarristen der Band stimmlich herausragend assistieren.
Immer wieder erzählt Vicky Leandros aus ihrem Leben, zeigt sich nahbar. Zu „Blau wie das Meer“ geht sie durch die Reihen und animiert das Publikum zum Karaokesingen, einige kommen der Aufforderung auch nach _ mit unterschiedlichem Erfolg.
Diese Tournee soll ihre letzte sein. Sie wolle, erklärt Vicky Leandros, aufhören, bevor sie mit ihrer Stimme die Menschen nicht mehr erreiche. Ob sie danach in ein Loch falle oder erleichtert sein werde, wisse sie nicht. Ein (Abschieds-)geschenk für ihre Fans war dieser Abend auf alle Fälle.