Sängerkranz in Stuttgart-Degerloch Nach 163 Jahren ist eine Institution Geschichte

Von Tilman Baur 

Der 1855 gegründete Sängerkranz in Stuttgart-Degerloch hat sich aufgelöst – wegen Überalterung und fehlendem Nachwuchs. Zuletzt zählte der Verein nur noch 22 aktive Mitglieder.

Beim 160-jährigen Bestehen 2015 haben Renate Dongus und Herbert Stauch noch gefeiert – und Fotos aus längst vergangenen Tagen  angeschaut. Foto: Archiv Eveline Blohmer
Beim 160-jährigen Bestehen 2015 haben Renate Dongus und Herbert Stauch noch gefeiert – und Fotos aus längst vergangenen Tagen angeschaut. Foto: Archiv Eveline Blohmer

Degerloch - Innerlich tut es mir saumäßig weh.“ So beschreibt Herbert Stauch seine Gefühlslage, wenn er über das Ende des Sängerkranzes Degerloch spricht. Nach der letzten Singstunde am 18. Juli habe der Vereinsausschuss einstimmig entschieden, den Sängerkranz 163 nach seiner Gründung aufzulösen. „Es war nicht so, dass jemand geheult hätte, aber die Stimmung war schon bedrückend“, sagt Stauch. Trotz der schweren Entscheidung sieht er die Sache nüchtern. „Die Zeit für Gesangsvereine dieser Art ist einfach vorbei“, konstatiert Stauch. Bis zuletzt hat er als Schriftführer fungiert. Früher sei es undenkbar gewesen, nach dem Singen nicht noch im Wirtshaus zusammenzusitzen und dort noch weiter zu singen. „Aber heute will das kein Wirt mehr“, bedauert Stauch.

Das gesellschaftliche Leben mitgeprägt

Der Sängerkranz 1855 hat das gesellschaftliche Leben in Degerloch über die Jahre mitgeprägt und war vielfältig aktiv – bei Sommer- und Kinderfesten, Konzerten oder anderen öffentlichen Veranstaltungen wie Totengedenkfeiern auf dem Waldfriedhof. Zuletzt gab es noch 22 aktive Mitglieder, viele davon weit über 80 Jahre alt.

Herbert Stauch ist 1949 in den Verein eingetreten. „Meine Eltern waren schon Mitglieder“, erzählt er. Schon seit Langem zeichnete sich jedoch ab, dass zu wenig Nachwuchs nachrückt. „Zum Singen gehen sie heute in einen Chor, nicht aber in den Gesangsverein.“ Das Ende kam deshalb nicht ganz überraschend. „Schon nach unserem letzten Konzert im November hat es sich abgezeichnet“, so Stauch. Denn aus Alters- oder Gesundheitsgründen hatten einige Mitglieder angekündigt, im neuen Jahr nicht mehr zu kommen.

Kontakt zwischen den Sängern soll weiter gepflegt werden

Der Kontakt zwischen den Mitgliedern soll trotz der Vereinsauflösung nicht abreißen. Deshalb trifft man sich von September an stets am letzten Mittwoch des Monats. Nicht mehr zum Singen zwar, aber um zusammenzusitzen, sich auszutauschen und an die alten Zeiten und die schönen Erlebnisse zu erinnern, die sie gebracht haben.

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