Safe Space bei der EM 2024 am Karlsplatz „Es ist besser, wenn nichts los ist“

Miriam und Jana im Safe Space am Karlsplatz. Foto: Kriebernig

Die Fanboje am Karlsplatz ist mehr als ein Rückzugsort. Betroffene von Diskriminierung, Rassismus oder sexualisierter Gewalt treffen hier auf geschultes Personal. Eine Bilanz nach einer Woche Fußball-Europameisterschaft in Stuttgart.

An diesem Samstagnachmittag ist am Stuttgarter Karlsplatz nur sehr wenig los. Securitys und Polizist:innen drehen ihre Runden durch den prasselnden Regen, während aus den Kneipen um die Markthalle vereinzelt Jubelschreie von Fangruppen auf den leeren Platz vordringen. Es regnet in Strömen. Jana und Miriam, beide gekleidet in hellblauen Westen, öffnen die Tür zum Safe Space. „Die Tür steht eigentlich immer offen, nur bei dem Wetter haben wir sie geschlossen“, sagt Jana und führt in das Innere des Containers. Die beiden jungen Frauen haben an diesem Tag die erste Schicht im Safe Space und bis jetzt ist noch alles ruhig.

 

„Viele Fälle ähneln sich“

Es ist ihre erste Schicht zusammen auf der EM, Jana war aber auch schon in der Wasenboje am Frühlingsfest und am Wasen im Einsatz. Gibt es Unterschiede zwischen den Veranstaltungen? „Viele Fälle ähneln sich“, sagt Jana. Dort wo viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, ergeben sich eben Situationen, in denen Menschen Hilfe und Unterstützung brauchen, Ruhe suchen und einen Ort zur Deeskalation benötigen. Besonders sei die EM dahingehend, weil hier verschiedene Nationen und Generationen aufeinandertreffen, so die Ehrenamtliche.

Das bestätigt auch Ellen Schmid, Deputy Head of Sustainability und Verantwortliche für den Safe Space am Karlsplatz. Sie koordiniert die Ehrenamtlichen und ist froh, dass es den Safe Space so in seiner Form gibt. „Wir haben uns bewusst für den Platz am Karlsplatz entschieden“, so Schmid. Er sei ruhig, liege zwischen den Fanzonen und hier gäbe es wenig Tumult.

Banner, Sticker und Plakate machen auf den Safe Space aufmerksam

Bisher gab es 15 Diskriminierungsfälle. Einmal musste eine Person wegen eines schweren Falls kurzfristig in einer eigens eingerichteten Notunterkunft untergebracht werden. Die Fälle, mit denen es das Team aus ehrenamtlichen Helferinnen zu tun hat, reichen von Diskriminierung, Queerfeindlichkeit, über Rassismus bis hin zu sexualisierter Gewalt. „Manche kommen aber auch, um kurz Ruhe zu finden, ihr Handy aufzuladen und durchzuatmen“, sagt Miriam, die speziell für die EM geschult wurde.

Wie werden Betroffene auf den Safe Space aufmerksam? „Es gibt große Banner in den Fanzonen, die mit einem QR-Code versehen sind. Außerdem machen wir Werbung in den Sozialen Medien und haben Sticker und Plakate in den Toiletten angebracht“, so Schmid. Es würden sich vor allem Frauen und Mädchen an die Mitarbeiterinnen im Safe Space wenden, aber vereinzelt kämen auch Männer, so die Projektkoordinatorin.

Langsam lässt der Regen nach, immer mehr laute Männergruppen laufen durch die Straßen, die Fanzonen und Lokale füllen sich. „Bis zum Abendspiel um 18 Uhr wird hier wieder einiges los sein“, sagt Jana und ergänzt: „Besser ist es für uns, wenn nichts los ist.“

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