Zum Tod von Said Dichter der Liebe und des Exils
Aus seiner Liaison mit der Sprache ist ein vielgestaltes Werk hervorgegangen. Überraschend ist der iranisch-deutsche Dichter Said in München gestorben.
Aus seiner Liaison mit der Sprache ist ein vielgestaltes Werk hervorgegangen. Überraschend ist der iranisch-deutsche Dichter Said in München gestorben.
Stuttgart - Der Name Said bedeutet übersetzt der Glückliche. Doch die Umstände, die den iranisch-deutschen Dichter dieses Namens als jungen Mann aus dem Iran nach Deutschland geführt hatten, waren wenig glückliche. 1947 in Teheran geboren, wuchs er zu Zeiten des Schahs Reza Pahlavi auf. Während eines Studienaufenthaltes in München in den 1960er-Jahren organisierte er mit anderen iranischen Studenten Rechtsanwälte für politische Gefangene in seiner Heimat und Flugblätter gegen den Autokraten in Teheran. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war eine Rückkehr nach Iran unmöglich geworden.
1979 nutzte er die Zeit zwischen der Vertreibung des Schahs und der Machtübernahme durch Ayatollah Khomeini, um in den Iran zu reisen. Doch auch nach dem Sturz des Schahs erwies sich die Hoffnung auf eine revolutionäre Veränderung als Illusion. „Heimat ist die Zeit, die wir verloren haben“, lautet ein Satz Saids nach der Rückkehr nach München, „ich bin in Giesing zu Hause, meine Heimat ist Iran“, ein anderer.
Saids Bücher kreisen um die Einsamkeit, das Exil und die Liebe. Auch der Spracherwerb ist eine Liebesgeschichte. In seinem Buch Leben in Deutschland“ schreibt Said: „Die fremde Sprache ist eine schöne Dame, die der Fremde anhimmelt. Bei dieser Liaison ist er nur ein unerfahrener Liebhaber. Er tobt sich aus auf dem gereiften Körper der Geliebten, und sie erduldet mit Grandezza alles, was er in seinem jugendlichen Elan ausprobiert. Die reife Geliebte weiß, erst wenn er sich ergibt, beginnt die Liebe“.
Die Affäre mit der Sprache hat den Dichter an die Spitze der deutschen Schriftstellervereinigung PEN getragen, und seinem Werk zahlreiche Preise beschert, unter anderem gleich zweimal den Adalbert-von-Chamisso-Preis. Bekannt wurde er mit dem Buch „Selbstbildnis für eine ferne Mutter“. Von seiner Vielseitigkeit und sprachlichen Erfindungskraft zeugt auch das fantastische Bestiarium „Dieses Tier, das es nicht gibt“ – eine tierischen Sternstunde der Literatur. 2009 widmete die „Frankfurter Rundschau“ ihre Titelseite einem Gedicht Saids als Solidaritätsadresse an den mutigen Protest einer jungen Generation in Teheran. Das Glück, auf das sein Name weist, sei eher ein Wunsch als eine Realität, sagte Said einmal. Am Samstag ist er überraschend in München gestorben.