Saison-Eröffnung der Staatsoper Maeckes macht Lust auf mehr
Die Staatsoper Stuttgart hat mit einer bunten Konzertgala zwischen Wagner und Maeckes ihre Saison eröffnet.
Die Staatsoper Stuttgart hat mit einer bunten Konzertgala zwischen Wagner und Maeckes ihre Saison eröffnet.
Hellsicht oder Ignoranz, Leben oder Tod? „Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins: schweigen und tanzen!“ Mit diesen letzten Worten der ekstatischen Titelheldin endet Richard Strauss’ Oper „Elektra“, und auch am Sonntagabend hat man im Opernhaus singend um das Feuer einer brennenden Welt getanzt.
Für das Publikum des Saisoneröffnungskonzertes, das in mittlerweile etablierter Tradition munter zwischen Klassik und Pop hin und her hüpft, ist der Song des Stuttgarter Rappers Maeckes der Hit des Abends. Drei Ensemblemitglieder der Staatsoper – die Sopranistin Alma Ruoqi Sun, der Tenor Joseph Tancredi und der Bass Elliott Carlton Hines – singen mit, als Zugabe kommt „Orangerot“ noch mal.
Wer zuvor noch nicht bemerkt hat, dass es hier nicht um „E“ und „U“, sondern um Themen und Anliegen geht, weiß es spätestens jetzt. „Wir haben sie nicht angezündet, trotzdem brennt die Welt“, heißt es in Maeckes’ Lied, und wenn eine Kultur-Institution wie die Staatsoper ums Feuer tanzt, dann balanciert sie mit jedem Schritt auf dem schmalen Grat zwischen Weltflucht, Kraft-Tankstelle und künstlerischem Gegenentwurf.
So wird es in dieser Saison wieder sein, und so ist es auch bei der Konzertgala. „Von allen guten Geistern . . .“ ist deren Motto – wobei das „verlassen“ hier nicht ergänzt werden muss, denn allerlei Bettlaken-Gespenster bevölkern die mit allerlei skurrilem Mobiliar vollgestellte Bühne.
Maeckes und die Altistin Stine Marie Fischer führen, anfangs in fantastisch-feenartiger Gewandung, durch den Abend in neckischem Wechsel: hier die Klassik-Frau, da der Rapper, der seine Ko-Moderatorin gerne auch mal alleine lässt. Dann schmollt Stine Marie Fischer wirkungsvoll. Und verweist auf ihren Podcast „Sitzprobe mit Sekt“. In dem hat ihr dortiger Gesprächspartner Franz-Erdmann Meyer-Herder, Dramaturg der Staatsoper, sie mal launig angekündigt: Es könne etwas länger dauern, Frau Fischer sei am Mikrofon.
So ist es auch jetzt. Frau Fischer redet viel. Sie singt aber auch, am schönsten Richard Wagners „Im Treibhaus“. Unter der präzisen Leitung der Dirigentin Lin Liao lässt das Staatsorchester unter diesem dritten der „Wesendonck-Lieder“ zauberhaft die Welt des dritten „Tristan“-Aktes aufscheinen.
Überhaupt bietet das Instrumentalkollektiv beim Rundumschlag vom Barock bis zur Romantik Kunst für Ohrengourmets. Zwar wirken die Ecksätze von Vivaldis „Herbst“-Konzert ein bisschen zu behäbig, aber den Solopart spickt der Konzertmeister Jewgeni Schuk mit vielen Feinheiten. Carlton Hines wandelt als Purcells Frostgeist auf den Spuren des New-Wave-Künstlers Klaus Nomi, wechselt virtuos zwischen Bass und Falsett. Ruoqui Sun lässt in „Glitter and be gay“ aus Bernsteins „Candide“ die Koloraturen nur so wirbeln.
Und es gibt sogar Neue Musik: Peter Eötvös’ „Dialog mit Mozart“ ist ein ebenso tiefsinniges wie augenzwinkerndes Spiel mit dem typischen „Mozart-Ton“ – die geforderte hohe Virtuosität ist für das Staatsorchester kein Problem. Der Rest ist Feuer, Tanz und ganz viel (Vor-)Freude – auf und vor der Bühne.