Saison in Grötzingen und Stetten fällt aus Dunkle Wolken über den Freilichtbühnen

Von Gunther Nething 

Spätestens seit Bekanntwerden der abgestuften Lockerungsstrategie des Landes in Sachen Virusschutz ist definitiv klar: Auch die Naturtheater Grötzingen und Stetten müssen ihr Sommerprogramm verschieben.

Der Theatervorstand  Klaus Herzog neben der dampflosen Grötzinger  Lok Foto: Ines Rudel
Der Theatervorstand Klaus Herzog neben der dampflosen Grötzinger Lok Foto: Ines Rudel

Kreis Esslingen - Ob beim Naturtheater Grötzingen im Aichtal oder beim Theater unter den Kuppeln in Stetten auf den Fildern trieb die Verantwortlichen schon früh die Befürchtung um, dass bildlich gesprochen im Zeichen von Corona der Vorhang auf den Freilichtbühnen fällt, bevor er aufgegangen ist. Dass es genau so gekommen ist, war für die Ensemblemitglieder und und weitere Ehrenamtliche der Trägervereine umso schmerzlicher, als sie schon viel Zeit und Energie ins Sommerprogramm investiert hatten.

Und so erwuchs aus Lukas, dem Lokomotivführer, der mit Jim Knopf die kleinen Zuschauer auf der Grötzinger Bühne hätte amüsieren sollen, fast so etwas wie eine Symbolfigur der misslichen Lage: Die Lok von Lukas blieb und bleibt ohne Dampf und Rauch. Auch das Erwachsenenstück „Cyrano de Bergerac“ sowie die Musical Night, der Poetry Slam und die Kabarettvorstellung mit Christoph Sonntag fallen im Aichtal in diesem Jahr durchs pandemische Raster. Dafür, so betont das Vorstandsmitglied Klaus Herzog, habe man bereits circa 50 000 Euro für Honorare von der Regie bis zum Bühnenbild sowie für die laufenden Kosten ausgegeben.

Noch kein kompletter Saisonausfall in der 66-jährigen Geschichte

Mit der Ankündigung der Vereinsspitze, für diese Spielzeit sämtliche Aufführungen abzublasen, hat der Vorstand des gemeinnützigen Vereins deshalb jetzt die Bitte verknüpft, bereits geleistete Kartenzahlungen zu spenden oder in Gutscheine für Eigenproduktionen im kommenden Jahr umzuwandeln. Die Resonanz auf den Spendenaufruf nennt Herzog, Aichtaler Altschultes und langjähriger früherer Schatzmeister des Landesverbands der Amateurtheater, schon jetzt „ganz toll“; offenbar ließen „treue Stammkunden“ das Theater nicht im Stich, zumal dem Idealismus ein Spendenbescheid winkt.

In dem heutigen Ortsteil Grötzingen, dem die Kommune Aichtal ihren Stadtstatus zu verdanken hat, wird seit 1954 Theater gespielt. Begonnen hat alles mit dem Heimatstück „Die Kanonen von Grötzingen“ aus der Feder eines Ortsgeistlichen namens Mistele, der auch als maßgeblicher Gründer des idyllisch gelegenen Naturtheaters gilt. Von einem kompletten Ausfall der Saison sei ihm in der 66-jährigen Theaterchronik nichts bekannt, sagt Herzog. Als Musikfreund und Mitglied der Band Die Drei hatte der Altschultes das Repertoire auch mit Jazz- und Popveranstaltungen bereichert. Und so standen unter anderem auch schon der Schwoba-Rocker Wolle Kriwanek oder auch das Blueser-Duo Miller Anderson und Werner Dannemann auf der Bühne.

Im Herbst bleibt noch eine Chance für den „Sommernachtstraum“

Auch im Stettener Theater unter den Kuppeln erweist sich das Virus als radikaler Spielverderber. Die großen Produktionen wie das „Das kleine Gespenst“ für die Kleinen und das Musical „Artus Excalibur“ für die Großen mussten abgesagt werden, eventuell, so hofft Ralph Brückner vom Trägervereinsvorstand, bleibt im Herbst noch eine Chance für Shakespeares „Sommernachtstraum“. Von den durchschnittlich 20 000 Besuchern pro Spieljahr, die Zahl gilt auch als Größenordnung für Grötzingen, entfallen laut Brückner nach aller Erfahrung circa 16 000 auf die Sommersaison. Als Minimum würden dieses Mal 15 000 Theatergäste fehlen – bei einer üblichen Selbstfinanzierungsquote von mehr als 95 Prozent eine harte Nuss für den gemeinnützigen Theaterverein.

Führt schon an der Stornierung der zwei Hauptproduktionen kein Weg vorbei, so stellt sich für die Vereinsverantwortlichen dennoch die Frage, wie letztlich das Hygienekonzept in der Schlussstufe 5 des Landes in der Praxis ausschaut, ergänzt Brückner. Man sei bis dato mit etwa 50 000 Euro in Vorleistung getreten. Die bereits erfolgten Kartenverkäufe als Spenden zu verbuchen, sei eine Möglichkeit, aber auch die Übertragung ins nächste Spieljahr gilt als Alternative. Wer es sich leisten könne, möge ganz auf die Rückzahlung, verzichten, stellt Ralph Brückner den Freunden des Theaters anheim.

Theater sind weiterhin auf Solidarität und Spenden angeweisen

Bei allen Besonderheiten und Widrigkeiten in der laufenden Null-Saison der Freilichtbühnen, gibt es für die Theatermacher auch weitere Lichtblicke in Sachen Solidarität. So sieht Brückner das Entgegenkommen der Stadt Leinfelden-Echterdingen und der Banken auf einem „guten Level“ – sei es bei der Reduzierung der Stromgebühren durch die Stadtwerke oder bei Tilgungsaussetzungen durch die Geldinstitute. Ein Ausfall von Sommer- und Wintersaison, so Brückner, wäre aber freilich „eine Katastrophe“.

Auf weitreichende finanzielle Konsequenzen durch den Aufführungsstopp weist in einer Pressemitteilung auch Christian Fickert hin, Vorstandsmitglied und künstlerischer Leiter. Um weiter existieren zu können, werde das Theater langfristig auf Spenden angewiesen sein, lautet seine Einschätzung. Trotz aller momentanen Unsicherheiten würden schon bald die Proben zum „Sommernachtstraum“ beginnen, auch habe man für die Wintersaison den Spielplan verabschiedet.




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