Saisonfinale des VfB Stuttgart Der VfB stößt die Tür zur Königsklasse weit auf

Der VfB um Chris Führich (Mitte) besitzt weiter beste Chancen, in der nächsten Saison in der Champions League zu spielen. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Die Stuttgarter besiegen Bayer Leverkusen ganz verdient mit 3:1 – und schütteln damit einen direkten Konkurrenten um die Qualifikation zur Champions League ab.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Er hatte dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt – und konnte nach Schlusspfiff der mit 3:1 gewonnen Heimpartie gegen Leverkusen nicht aufhören, seine Mitspieler, das Trainerteam und die Stuttgarter Betreuer vor Freude an seine Brust zu drücken. Ganz nebenbei strahlte der erblondete VfB-Mittelstürmer Ermedin Demirovic mit der Frühlingssonne um die Wette. Das Tor zum 1:1 hatte der Stürmer selbst erzielt, den Elfmeter zum 2:1 herausgeholt – und obendrein für jede Menge Unruhe im gegnerischen Strafraum gesorgt.

 

„Er hat für das Team gekämpft wie eine Wildsau“, lobte der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nach dem völlig verdienten Sieg über die unterm Strich enttäuschend aufspielenden Leverkusener nach Toren von Demirovic (5.), Maximilian Mittelstädt per Foulelfmeter (45. +7) und Deniz Undav (58.) bei einem ganz frühe Gegentreffer von Aleix Garcia (1.). „Die Körpersprache meines Team war gut, wir haben immer wieder Chancen kreiert“, lobte Hoeneß: „ Nach dem 3:1 haben wir es sehr stark verteidigt. Es war eine überragende Defensiv-Leistung der gesamten Mannschaft.“

Nun stehen dem VfB in den letzten beiden Saisonspielen zwei Endspiele ins Haus: Am nächsten Samstag (15.30 Uhr) geht es im Ligafinale bei Eintracht Frankfurt im Fernduell mit der TSG Hoffenheim um den Einzug in die Königsklasse. Denn seit Donnerstag ist klar: Nur der vierte Platz reicht durch das insgesamt schlechtere Abschneiden der deutschen Clubs im Europapokal im Vergleich zu den Spaniern für die Champions League.

Rang vier belegt aktuell der VfB, dicht gefolgt von den punktgleichen Hoffenheimern, die nächste Woche in Gladbach ran müssen. Leverkusen ist nun mit drei Punkten Rückstand Sechster.

Vor dem Anpfiff gegen die Werkself hatte Sebastian Hoeneß sein Team ein wenig umgebaut: Mittelstädt, Nikolas Nartey und Demirovic für Josha Vagnoman, Luca Jaquez und Bilal El Khannouss lauteten die Wechsel im Vergleich zum 3:3 bei den Hoffenheimern in der Vorwoche. Der VfB musste gegen das punktgleiche Bayer-Team im Rennen um Platz vier aufgrund der schlechteren Tordifferenz gewinnen – und war auch ganz auf Offensive eingestellt. Hinten verteidigte man nur mit der Dreierkette Mittelstädt-Chabot-Hendriks, das war mutig. Vorne bot Trainer Hoeneß mit der Doppelspitze Demirovic und Deniz Undav seinen ersten Sturm auf.

Doch der VfB, der ohne den rot-gesperrten Kapitän Atakan Karazor auskommen musste, wurde gleich eiskalt erwischt, als Defensivmann Ramon Hendriks in der ersten Spielminute direkt an der Mittellinie den Ball im Duell mit Leverkusens Michel Kofane leichtfertig verlor. Den anschließenden Konter veredelte Aleix Garcia zur 1:0-Führung der Leverkusener. Doch der VfB antwortete postwendend: Ermedin Demirovic spielte auf Höhe des Sechzehners mit Nartey Doppelpass – und netzte mit seinem zwölften Saisontreffer ins linke Eck zum 1:1 ein (5.).

Und der bosnische WM-Fahrer im Stuttgarter Sturm machte vorne drin weiter mächtig Betrieb, avancierte zum besten Stuttgarter. Seine dickste von drei, vier Möglichkeiten hatte der umtriebige Demirovic vor der Pause, als er sich nach 43 Minuten geschickt um seinen Gegenspieler Edmond Tapsoba schlängelte – aber mit seinem Schlenzer an Bayer-Keeper Mark Flekken scheiterte.

Dann die Führung für den VfB in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: Tapsoba hatte Demirovic im Strafraum von den Beinen geholt, obwohl dieser kaum mehr an den Ball gekommen wäre. Schiedsrichter Robert Schröder musste die Videobilder bemühen – und entschied letztlich zu Recht auf Strafstoß. Den verwandelte Mittelstädt mit einem überlegten Chip ins linke Eck zum 2:1 (45. + 7).

Nach dem Wechsel scheiterte erst Mittelstädt mit einem Lupfer von halblinks ganz knapp (53.), dann hatte Jamie Leweling auf rechts seinen großen Auftritt. In die herrlich getimte Flanke des Flügelmannes hielt Deniz Undav halbhoch seinen Fuß rein – und es stand vor 60 000 Besuchern in der ausverkauften Arena 3:1 (58.). Das war bereits die Entscheidung.

Denn die Leverkusener von Trainer Kaspar Hjulmand hatten als fußballerische Antwort nicht mehr zu bieten als einen Distanzschuss von Alejandro Grimaldo kurz vor Schluss, den VfB-Keeper Alexander Nübel sicher parierte (89.).

Der VfB hat somit das Tor zur Königsklasse ganz weit aufgestoßen. Gewinnt das Team in Frankfurt, dürfte ihm die zweite Qualifikation für die Champions League binnen drei Jahren nicht mehr zu nehmen sein. Schließlich besitzen die Hoffenheim aktuell die um fünf Treffer schlechtere Tordifferenz.

„Wir haben es heute mehr gewollt als der Gegner. Und wir haben es auch besser gekonnt als Leverkusen“, resümierte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth: „Auf beiden Mannschaften lag ein großer Druck – und wir konnten besser damit umgehen.“

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