Saisonkalender März Der Frost hat dem Spinat zugesetzt

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An Gründonnerstag kochen die Deutschen Spinat. Doch Ostern ist in diesem Jahr besonders früh. Da reicht es wohl nur zum Tiefkühlgemüse. Nach den kalten Wochen recken sich die Spinatpflänzchen im Freiland erst ans Licht.

Der Gärtner Günter Berthold vom Leiseacker-Hof in Nußdorf muss mit der Spinaternte in seiner 70-Meter-Halle noch warten. In der Bildergalerie haben wir interessante Fakten zum gesunden Blattgemüse festgestellt. Foto: factum/Granville 7 Bilder
Der Gärtner Günter Berthold vom Leiseacker-Hof in Nußdorf muss mit der Spinaternte in seiner 70-Meter-Halle noch warten. In der Bildergalerie haben wir interessante Fakten zum gesunden Blattgemüse festgestellt. Foto: factum/Granville

Nussdorf - Etwas Grünes muss auf den Tisch. Spinat, Rührei, Kartoffeln, das ist in Deutschland das typische Gründonnerstagsessen – vielleicht, weil Jesus mit seinen Jüngern an jenem Tag nach dem letzten Abendmahl in den Garten Gethsemane gegangen ist, also ins Grüne. Doch auch wer behauptet, Gründonnerstag habe gar nichts mit einer Farbe zu tun, sondern mit dem altdeutschen Wort „grienen“, was so viel wie weinen oder klagen bedeutet, stellt an diesem Tag Spinat auf den Tisch. Auch dies ist konsequent, weil viele Kinder reflexhaft zu heulen beginnen, sobald die verkochte ­grüne Masse mit dem Blubb auf den Teller gekleckst wird.

Leider wird es in diesem Jahr zum großen Spinatfeiertag nur die Ware aus der Tiefkühltruhe auf den Tisch schaffen. Ostern liegt zu früh, und der Frühlingsbeginn war in den vergangenen Wochen zu kalt. Auf dem Freilandacker recken sich die Spinatpflänzchen, die im Februar gepflanzt wurden, gerade erst ans Tageslicht.

Noch brauchen die Pflänzchen ein bisschen

Im Gewächshaus sind sie schon einen Monat weiter, aber auch noch nicht ausgewachsen. Der Gärtner Günter Berthold vom Biohof Laiseacker in Eberdingen-Nußdorf (Kreis Ludwigsburg) streicht liebevoll über die zarten Blättchen. Wie von Geisterhand bewegen sich die Faltwände des Gewächshauses nach unten, damit kühle Frischluft einfließt. Berthold hat am Computer eine Temperatur von konstant 18 Grad eingestellt. Tagsüber, vor allem, wenn die Sonne scheint, heizt es sich unter der Folie schnell auf. „Aber nachts geht es runter ins Minus“, sagt der 48-jährige Österreicher, den es der Liebe wegen ins Heckengäu verschlagen hat. Beheizt werden die Gewächshäuser auf einem Biohof in der Regel nicht. Aber so braucht der Spinat eben noch ein bisschen.

„Naja, für Salat würde er sich schon eignen“, findet Berthold und schneidet mit einem normalen Haushaltsmesser die Pflanze direkt am Wurzelansatz ab. Meistens wird Spinat als Gemüse gekocht, doch ebenso gut ist er eine Alternative zu Ackersalat und Postelein. Nur wäre eine verfrühte Ernte fatal für die Kalkulation des Hofes. Gerade mal ein halbes Kilo würde Berthold jetzt pro Quadratmeter einsammeln können. Doch wenn in den kommenden Wochen der Spinat wächst und aus der inneren Rosette immer neue Blätter nachgeschoben werden, dürfte sich dieser Wert verdrei- oder vervierfachen. Nur bei dieser Menge lohnt sich der Anbau auch.

Gemüseanbau in einem mittelständischen Betrieb

Auf 20 Hektar baut der Biohof Laise­acker sein Gemüse rund um Nußdorf an. Schon seit 1987 ist die Gärtnerei ein Biolandbetrieb. Damals hatten Gudi und Patrick Butz den Hof von Gudis Eltern mit einigem Milchvieh übernommen und nicht nur auf Ökolandbau, sondern auch auf Obst und Gemüse umgestellt. Jetzt ist schon die nächste Generation am Zug. Die Tochter Tabea Sanzio hat die Betriebsleitung übernommen und muss in einem fast schon mittelständischem Betrieb die Übersicht behalten. 90 Menschen stehen mittlerweile auf der Lohnliste. Allerdings sind die meisten davon Teilzeitkräfte und Minijobber.

Der Laiseacker hat sich die Direktvermarktung auf die Fahnen geschrieben und schickt täglich zehn Kühlfahrzeuge, auf denen große Karotten prangen, auf Tour. „Wir liefern jede Woche 3000 Kisten aus“, sagt Tabea Sanzio. Als ihre Eltern anfingen, wollten sie noch alles selber anbauen. Inzwischen belässt man es bei 30 Gemüse- und Obstsorten. Den Rest nimmt man von befreundeten Biohöfen aus der Gegend hinzu. Beliefert werden Kunden im gesamten Großraum Stuttgart bis hinüber nach Pforzheim. Familien, Rentner, Singles und ganze Bürobelegschaften sind darunter. Im Internet können sich die Kunden ihre Lieferungen selbst zusammenstellen, bestimmte bevorzugte Ware hinzunehmen und andere streichen.

Spinat werde sehr selten gestrichen, „der ist sehr beliebt“, sagt Tabea Sanzio. Das wundere sie auch nicht. Schließlich sei Spinat ein beliebtes Smoothiegemüse, sagt die 28 Jahre alte Chefin. Allerdings gebe es manchmal auch erstaunliche Nachfragen. Tabea Sanzio bekommt dann Fotos per Whats­app mit der Frage, was denn das für Blätter seien. „Manche erkennen Spinat tatsächlich nur noch tiefgekühlt.“

Während die Firma Iglo ihren Spinat rund um ihr Werk in Reken im Münsterland mit großen Maschinen aberntet, ist auf dem Laiseacker alles weitgehend Handarbeit. Zur Aussaat wird eine Handsämaschine genutzt, die die Spinatsamen 1,5 Zentimeter in die lehmig-sandige Erde drückt. Anschließend werden die jungen Setzlinge zum Schutz vor Kälte, Pilzkrankheiten und Schädlingen mit einem Flies abgedeckt. Zuvor wird der Boden mit Mais- und Getreideresten gedüngt. Allerdings lässt ein zu hoher Stickstoffeintrag den Nitratgehalt ansteigen. Teststäbchen helfen Berthold dabei, den richtigen Düngewert zu bestimmen. Auch diffuses Licht könne den Nitratgehalt erhöhen. Ein bisschen Sonnenschein wirke aber auch schnell Wunder.

Danach gedeihen Tomaten, Gurken und Paprika

Der Spinat ist eine gute Ergänzung in der Fruchtfolge. Weil an kürzeren Tagen das Blütenwachstum gehemmt wird und die Pflanze stärker in ihre Blätter investiert, bietet sich der Spinatanbau vor allem in den kälteren Monaten an. Später werden an gleicher Stelle Tomaten, Gurken und Paprika stehen. Ansonsten ist der Spinat genügsam. Berthold entfernt lediglich die ein bisschen lästige Vogelmiere. Wenn die Blätter größer werden und den Boden verschatten, hat sich auch dieses Problem gelegt.

Im Gewächshaus muss jetzt noch ab und zu gegossen werden. Schließlich geht es an die Ernte. Das zehn Meter breite und 70 Meter lange überdachte Feld werde in zwei Schüben leer geräumt. Auch dann rückt Berthold dem Spinat mit dem Küchenmesser zu Leibe. Er rechne mit etwa 30 bis 40 Arbeitsstunden. „Zu zweit oder zu dritt haben wir das schnell erledigt.“ Wichtig sei, die Blätter gleich in das Kühlhaus zu bringen. Bereits am nächsten Morgen werden sie ausgeliefert. Und können dann zu Salat, Gemüse, Suppe oder Smoothie verarbeitet ­werden.