Saisonstart für Anja Wicker und Linn Kazmaier Umstellung für Para-Sportler – zwei Verbände, viele Reisen

Anja Wicker will auch weiterhin im Langlauf und im Biathlon antreten. Das wird aber schwieriger. Foto: IMAGO/Bildbyran/IMAGO/JOHAN AXELSSON

Weil sich die Zuständigkeit für die Weltcup- und WM-Veranstaltungen geändert hat, müssen die nordischen Para-Skisportlerinnen und -sportler künftig mehr reisen. Anja Wicker will dennoch weiter in zwei Disziplinen erfolgreich sein.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Anja Wicker blickt derzeit eher nach vorne denn zurück – obwohl die Para-Wintersportlerin im vergangenen Winter wieder einmal extrem erfolgreich gewesen ist. „Die alten Erfolge“, sagt die Stuttgarterin jedoch, „sind erst einmal abgehakt.“ Wenn nun die neue Saison im Weltcup beginnt, hätte sie aber sicher nichts dagegen, wenn es erneut bestens laufen würde.

 

In der Saison 2023/2024 hat sie – wie Linn Kazmaier aus Oberlenningen – den Gesamtweltcup in gleich zwei Disziplinen gewonnen. Im Langlauf (zum zweiten Mal) und im Biathlon (zum vierten Mal). Das will Anja Wicker wieder schaffen in der sitzenden Klasse. Doch die Umstände haben sich geändert. Und machen das Erreichen dieses ambitionierten Zieles nicht gerade einfacher.

Zahlreiche nordische Para-Wintersportlerinnen und -Wintersportler halten es wie Anja Wicker und Linn Kazmaier: Sie treten in den Disziplinen Langlauf und Biathlon an. Eine Doppelbelastung, die bislang keinen besonderen organisatorischen Stress ausgelöst hat. Denn die jeweiligen Weltcups fanden nacheinander am selben Ort statt, ebenso die jeweiligen Weltmeisterschaften. Veranstalter war lange das Internationale Paralympische Komitee (IPC). Das will aber verstärkt raus aus dieser Rolle, bestehende Fachverbände müssen den Para-Sport übernehmen oder gar neu gegründet werden.

Mehr Bürokratie, mehr Reisen

Im vergangenen Winter hatte schon der Internationale Skiverband (Fis) die Organisation der Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe übernommen. Der Internationale Biathlonverband (IBU) unterstützte – übernimmt ab diesem Winter aber komplett die Führung in diesem Bereich. Bedeutet: Fis und IBU planen grundsätzlich eigenständig ihren Wettkampfkalender.

„Für uns und unsere Athletinnen und Athleten bedeutet das: mehr Bürokratie, mehr Reisetage und damit auch eine etwas höhere finanzielle Belastung“, sagt Ralf Rombach, der deutsche Bundestrainer für den nordischen Para-Sport. Er erklärt: „Die Fis hat eben ihre Weltcup-Veranstaltungsorte, die IBU teils wieder andere.“ Anja Wicker befürchtet „viel mehr Fahrerei“ im kommenden Winter. Immerhin: Die beiden Verbände haben sich so gut es geht abgesprochen und am Ende zumindest ein Worst-Case-Szenario verhindert.

Lange sah es so aus, als ob sich die nordischen Skisportlerinnen und -sportler am Ende der Saison hätten entscheiden müssen: Langlauf oder Biathlon – die jeweiligen Events waren zeitgleich an unterschiedlichen Orten geplant gewesen. „Es darf aber eigentlich nicht passieren, dass sich die Disziplinen gegenseitig die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wegnehmen“, sagt Anja Wicker. Zumal die Starterfelder ohnehin nicht groß sind im nordischen Para-Sport.

Linn Kazmaier (li.) und ihr Guide Florian Baumann sind in den vergangenen drei Jahren extrem erfolgreich gewesen. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Ralf Kuckuck

Das Problem wurde also ausgeräumt, verändert haben sich die Planungen der Teams dennoch. Zum Weltcup-Start im finnischen Vuokatti (ab 12. Dezember) reihen sich die Biathlon- und Langlaufrennen noch aneinander, ebenso Ende Januar und Anfang Februar, wenn in Val di Fiemme auf den paralympischen Strecken von 2026 um Siege gekämpft wird. Kurz danach aber folgen die Weltmeisterschaften sehr kurz hintereinander: erst Biathlon in Pokljuka, dann Langlauf in Toblach – abgesehen von den Sprintwettbewerben. Die finden im Rahmen der Nordischen Ski-WM der Nichtbehinderten in Trondheim statt.

„Das ist ein echtes Highlight für uns“, sagt Ralf Rombach. Einerseits. Andererseits bringt dieses Gastspiel aber auch einigen Reisestress mit sich, weil kein längerer Aufenthalt in Trondheim möglich sein wird. Für das Weltcup-Finale im Biathlon geht es danach nämlich gleich weiter ins schwedische Torsby.

Anja Wicker hofft, dass sich die Kommunikation zwischen den beiden Verbänden künftig weiter verbessert, die Wettkampfplanung wieder mehr Doppelveranstaltungen bringt. Denn: Sich für eine Disziplin entscheiden will sich die Paralympics-Siegerin von 2014, die in ihrer Karriere insgesamt bereits 15 WM-Medaillen in Biathlon und Langlauf gesammelt hat, nicht. „Mein Plan ist es weiterhin, alles zu laufen, was geht. Ich versuche, mein bisheriges Programm weiter durchzuziehen“, sagt die 32-Jährige, die mindestens bis zu den Paralympics 2026 in Mailand und Cortina weitermachen möchte.

In Finnland startet sie nun aber erst einmal die vorparalympische Saison, an diesem Sonntag geht’s nach Vuokatti. „Die Spannung steigt“, sagt sie, „ich tue mich aber noch ein bisschen schwer einzuschätzen, wo ich stehe. Aber es geht mir aktuell super.“ Trotz der bevorstehenden Reiserei.

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